FeedHol (Richard)
MusikBrockhaus 1882

Hol (Richard), niederländ. Komponist, geb. zu Amsterdam 23. Juli 1825, wurde zuerst in der dortigen königl. Musikschule, dann auf dem leipiger Konservatorium gebildet und war längere Zeit in seiner Vaterstadt als Lehrer und Dirigent thätig, ist aber seit 1863 städtischer Musikdirektor, Organist an der Domkirche und Direktor der Musikchule in Utrecht. Seine zahlreichen Werke behaneln fast sämtliche Gattungen der Komposition. Holar (Wenzel), s. Hollar. Hölar, Dorf auf Island, unfern der Nordküste, 32 km von der Südspitze des Eyja Fjördr, war 1106—97 Bischofssitz und hat eine steinerne Domkirche. Früher bestand zu H. eine gelehrte Schule. Holbach (Paul Heinr. Dietrich, Baron von), franz. Philosoph des 18. Jahrh., der Sohn eines reichen Emporkömmlings, geb. um 1723 zu Heidels-Part in der bayr. Pfalz, kam in früher Jugend nach aris, wo er bis zu seinem Tode lebte. Er verheiratete sich jung, und da seine Frau bald starb, heiratete er mit päpstl. Dispens deren Schwester Charlotte Susanna d'Aine, die erst 16. Juni 1814 starb. Er selbst starb 21. Juni 1789. H. wird 5gerühmt als liebevoller Familienvater, als treuer an als ein sehr wohlthätiger und geselliger ann. An seiner Tafel versammelten sich die Denker und Schriftsteller jener Epoche, wie Condorcet, Diderot, Duclos, Helvétius, Raynal, eine Zeit lang auch Rousseau, Buffon u. a. Er selbst war einer der geistvollsten und auf die Entwickelung der Zeit einflußreichsten Schriftsteller, ein systematischer Kopf von umfassenderm Wissen und gründ⸗ „licherm Scharfsinn als die meisten seiner Genossen. Mit Eifer und Anstrengung arbeitete H. für die Ausbreitung des Naturalismus, während er zugleich das Christentum und überhaupt jede positive eligion bekämpfte. Seine schriftstellerische Thätigkeit eröffnete er 1752 mit übersetzung einer Reihe von naturwissenschaftlichen und technischen Schriften, vorzüglich aus dem Deutschen. Als 1759 Boulanger, ein geistvoller junger Handichrit starb, begann H. dessen hinterlassene Handschriften zu überarbeiten und herauszugeben. Manches schob er geradezu unter, namentlich den «Christianisme dévoilée Cond in Nancy gedruckt und mit der Bezeichnung Lond. 1767 erschienen), ein für damalige Zeit sehr merkwürdiges Buch, und das Examen gcritique de la vie et des ouvrages de Saint-Paulo Cond. 1770). Diesen schloß sich 1767 — 70 eine eihe von Schriften verwandten Inhalts an, wie QLa contagion sacréen (1767), De l'imposture Psacerdotalen (1767), Lettres à Eugénie, ou pré-Servatif contre les préjugéso (1768), Les préëtres démasqués o (1768) und L'esprit du judaisme v (770), in denen teils die Widersprüche der heiligen Schriften hervorgezogen, teils alle Religionen als Erzeugnis priesterlichen Eigennutzes dargestellt werden. Zum Teil waren diese Schriften Bearbeitungen von Werken engl. Deisten, z. B. Tolands, Tindals, Collins'. Hierher gehört auch die Schrift Ecee homoyp, die ohne Ort und Datum unter dem Titel Histoire critique de Jésus-Christ, ou analyse raisonnée des évangiles v9 um 1770 herauskam lengl., Edinb. 1799 u. Lond. 1813). Im J. 1770 erschien das Système de la naturep (deutsch, Lpz. 1843), welches man wpelader Mar H.s Hauptwerk ansieht. Diese „Bibel des Materialismus v ist freilich nicht von ihm allein verfaßt, sondern in mannigfacher Arbeit und überarbeitung aus dem in seinem Hause verkehrenden Kreise der sog. Eneyklopädisten (s. d.) hervorgegangen: es ist eine systematische, umfassende, aber im allgemeinen trockene und schwerfällige Darstellung des ausgesprochensten Materialismus, bildet aber nach dieser Richtung den Abschluß der Entwickelung des franz. Aufklärungszeitalters. Einen gedrängten und populär gehaltenen Auszug daraus ließ H. unter dem Titel „Le bon sens, ou idées naturelles opposées aux surnaturelleso 1772 erscheinen. In spätern Schriften bemühte sich H. zeigen, daß die Religion zur Moral und zum Völkerglück, das auf dieser beruhe, nicht nur entbehrlich, sondern sogar sehr nachteilig sei. Dahin gehören: «Essai sur les préjugésv (1770), La politique naturelles (2 Bde., 1773), „Système socialy (2 Bde., 1773), L'éthocratie, ou le gouvernement fondé sur la moraler (1776), „La morale universeller (1776). Alle diese Schriften erschienen teils anonym, teils unter dem Namen verstorbener Personen, teils als bloße Übersetzungen aus dem Englischen. Die Kaiserin Katharina II. von Rußland zog H. bei der Gesetzgebung zu Rate.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 328Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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