Hippel (Theod. Gottlieb von), berühmter humoristischer Schriftsteller, geb. 31. Jan. 1741 zu Gerdauen in Ostpreußen, wo sein Vater Schulrektor war, bezog schon in seinem 16. Jahre die Universität zu Königsberg, um Theologie zu studieren. Großen Einfluß auf ihn hatte die Bekanntschaft mit dem holländ. Justizrat Woyt, einem berühmten Juristen, der ihn in sein Haus aufnahm, und eine eise nach Petersburg, wohin er 1760 einen russ. Lieutenant von Keyser begleitete. Ungeachtet sich ihm hier bedeutende Aussichten eröffneten, kehrte er doch wieder nach Königsberg zurück, wo er eine Hauslehrerstelle erhielt, sich aber bald dem Studium der Rechte widmete. Zunächst als Rechtskonsulent thätig, wurde er 1780 dirigierender Bürgermeister in Königsberg und Polizeidirektor, 1786 Geh. Kriegsrat und Stadtpräsident. Als solcher ließ er den Adel seiner Familie durch den Kaiser erneuern. Er starb 23. April 1796. H.s Leben und Charakter waren voll Sonderbarkeiten und Widersprüche. Ebenso eigentümlich bewies er sich in seinen Schriften, bezüglich deren er ein strenges Incognito liebte, und die er namentlich in der Zurückgezogenheit auf seinem Landgute in dem Dorfe Huben bei Königsberg ausarbeitete. In allen strömt ungeachtet ihrer mehr oder weniger mangelhaften Form eine reiche Ader des Witzes und der Laune. Auch sind seine Werke durch geistvolle Beobachtungen und Schilderungen bekannter Zeitgenossen sehr anziehend. Am berühmtesten sind seine Schriften Küber die Ehey (Berl. 1774; neue Ausg., von E. Brenning, 2 1872), Küber die bürgerliche Verbesserung der Weiber» (Berl. 1792) und «über weibliche „Hieinee (Berl. 1801). Nicht minder bekannt sind die „Lebensläufe nach auf-Dert. 17 Linie, nebst Beilagen A. B. C. v (4 Bde., erl. 1778 —81; neue Aufl., bearbeitet von A. von Sttingen, Lpz. 1883; vgl. Ottingen, (Vor hundert Jahren. Ein Gedenkblatt zur Säkularfeier des ältesten deutschen Romanso, Dorpat 1878). Eine eigentümliche Laune, lebendige, oft glühende Einbildungskraft und reger Wahrheitssinn haben gleichen Anteil an diesem Werke, an welchem er als reflektierender Dichter unter dem glänzenden Gewande kühner Bilder und witziger Aussprüche die Grundsätze einer ernsten Philosophie und einer gewandten Lebensweisheit mitteilt. Besonders suchte er in diesem Werke Kants philos. Ideen, dessen Kritik' damals durch den Druck noch nicht bekannt geworden war, mitzuteilen und zu verbreiten. Auch mit Hamann stand er in freundschaftlichem Verkehr. In dem Werke «Zimmermann I. und Friedrich II., von Joh. Heinr. Friedr. Quittenbaum, Bildschnitzer in Hannover. London, gedruckt in der Einsamkeit 1790», sowie in den «Kreuz⸗ und Querzügen des Ritters A. bis Z.v 3 Bde., Berl. 1793—94) berührt er viele polit. ustände und Zeitereignisse mit scharfer Satire. Auch gab er geistliche Lieder und andere poetische Versuche heraus, unter welchen die idyllischen (Handzeichnungen nach der Naturp (Berl. 1790) ein poetisches Interesse gewähren. Als dramatischer Dichter versuchte er sich in dem Lustspiel Der Mann nach der Uhr» (2. Aufl., Berl. 1770), welches reich an drolligen Einfällen ist und Lessings Beifall erhielt. Auch gab er eine Schrift «über das königsberger Stapelrecht (Berl. 1791) heraus. Für Schlichtegrolls «Nekrologo lieferte er eine interessante Selbstbiographie, die auch in einem besondern Abdruck (Gotha 1801) erschien. Seine „Sämtlichen Schrifteno wurden gesammelt (14 Bde., Berl. 1827—38). Sein Neffe, der als pensionierter preuß. Regierungspräsident zu Bromberg 10. Juni 1843 verstorbene Theodor Gottlieb von H., war der Verfasser des 1813 beim Beginn des Befreiungskriegs von Friedrich Wilhelm III. erlassenen Aufrufs An mein Volko. 1— derselbe Beiträge zur Charakteristik Friedrich Wilhelms III.»(Bromb. 1841) heraus. Vgl. Bach, «Theodor Gottlieb von H.» (Bresl. 1863). engl. Grafschaft York.