Holbein (Franz Ignaz, Edlervon Holbeinsberg), bekannt als Dramaturg und dramatischer Dichter, geb. 27. Aug. 1779 zu Zizzersdorf bei Wien, wurde in seinem 17. Jahre bei der Lottoadministration in Lemberg angestellt und bereiste dann Rußland als Guitarrespieler. Auf Veranlassung des Theaterdirektors Döbbelin betrat er sodann die Bühne, lebte dann einige Zeit in Berlin und nahm 1799 ein Engagement bei dem königl. Hoftheater. Seine Versuche in der Oper fanden Beifall, im Schauspiel aber war ihm seine österr. Mundart nachteilig. Bald darauf wurde er in Glogau mit der Gräfin Lichtenau (der frühern Geliebten König Friedrich l Wilhelms II. von Preußen) bekannt, vermählte sih mit dieser, ließ sich aber nach fünf Jahren von ihr scheiden. Er wandte sich nun in Wien wieder Bühne zu; nachdem er an mehrern Bühnen teils als Direktor, teils als Regisseur fungiert hatte, übernahm er 1825 in Hannover die Direktion des Hoftheaters und 1841 die des Hofburgtheaters in Wien, welche Stellung er bis Ende 1849 behielt. Im J. 1848 hatte er außerdem die Leitung des Hofoperntheaters erhalten, von der er 1853 zurücktrat. Er starb zu Wien 15. Sept. 1855. H. war in jeder Beziehung ein tüchtiger Bühnenleiter. Er führte für Wien die Autoren-Tantieme ein und bearbeitete geschickt die Dichtwerke anderer für die Bühne. Von seinen eigenen Dramen, die sheniWerts: gehalten sind, aber des höhern poetischen Werts entbehren, haben sich einige auf der Bühne erhalten, so «Das Turnier von Kronstein) (1820) und „Der Doppelgänger» (Hannov. 1828; 3. Aufl., Wien 1843). Seine Stücke erschienen zum Teil gefammelt als «Theater » (2 Bde., Rudolst. 1811—12), «Neuestes Theaterv (5 Nummern, Pest 1820 — 23; neue Aufl. 1835) und «Dilettantenbühner (Wien 1826). Die Schrift Deutsches Bühnenwesen (Wien 1853) bildet den ersten Band seiner Memoiren, die nicht weiter erschienen sind.