Homiletik (grch.) nennt man die wissenschaftliche Anweisung zur kirchlichen Beredsamkeit oder zum Abfassen und Halten kirchlicher Reden, Homilien (s. d.) und Predigten. Sie ist der wichtigste Teil der praktischen Theologie und enthält, nächst der Lehre über die Bedeutung und Aufgabe der Predigt im Kultus überhaupt, die speziellen Regeln über die Wahl und Auffindung des Rede⸗ und Predigtstoffs (Heuristik, meditatio), über dessen Anordnung (die Disposition) und Ausführung in seinen Teilen, wie auch über Vortrag, Deklamation (oratio) und Gestikulation. Der H. liegen die Regeln der allgemeinen Rhetorik zu Grunde, obschon sich deren Anwendung nach dem Inhalt und Zweck der Predigt Hr modifiziert. Nächst der Anweisung zur eigentlichen Predigt pflegt die H. auch Anleitung zu anderweiten kirchlichen Vorträgen, wie Bibelstunden, Kasualreden u. s. w., zu geben. Die Geschichte der H. umfaßt zugleich die Geschichte des Predigtwesens. Hand⸗ und Lehrbücher der H. haben in neuerer Zeit geliefert Niemeyer, Hüffel, Nitzsch, Schleiermacher, Gaupp, Vinet (aus dem Französischen von Schmidt 1857), Palmer (5. Aufl., Stuttg. 1867), Alex. Schweizer (Lpz. 1848), Gust. Bauer (Gießen 1848), Beyer, „Das Wesen der christl. Predigt » (Gotha 1861); Hagenbach, «Grundlinien der Liturgik und H. » (1863); Henke, „Vorlesungen über Liturgik und H.» (herausg. von Zschimmer, Halle 1876). Die Geschichte der H. behandelten Ammon (Gött. 1804) und Paniel (Bd. 1, Lpz. 1839—40). Vgl. außerdem Stiebritz, «Zur Geschichte der Predigt in der evang. Kirches (Bd. 1, Gotha 1875).