Arles (Arelate), Hauptstadt eines Arrondissements des franz. Depart. Rhönemündungen in der Provence, am linken Ufer des östlichen Hauptarms des sich hier teilenden Rhöne, 45 km von dessen Mündung ins Meer und an der Mittelmeerbahn gelegen, in reizender Umgebung zwischen Gärten und Wiesen, zählt (1876) 15 563 (Gemeinde 25 095) E., die ziemlich lebhaften Handel mit Weinen, Getreide, Vieh, berühmten Würsten, Früchten und Öl sowie Schiffbau treiben, auch einige Maschinen⸗, Waggon⸗, Seiden⸗, Hut⸗ und Tabaksfabriken unterhalten. In den großen Maschinenbau- und Reparaturwerkstätten der Eisenbahn sind 1200 Arbeiter beschäftigt. Die Stadt hat ein Collége, ein Handelsgericht, eine hydrographische Schule, eine öffentliche Bibliothek, ein naturhistorisches und ein reichhaltiges Antiquitätenkabinett. Zur Austrocknung der Sümpfe, welche die Gegend ungesund machen, sowie in Rücksi t auf die vielen Hindernisse, welchen die Schiffahrt auf dem Rhöne unterliegt, ist ein 47 Km langer, 60 mbreiter und 79 m tiefer Kanal (Kanal von A.) bis zur zus uuhet nach Bouc geführt worden. Über den Rhöne führt eine Schiffbrücke nach Trinquetaille, das als Vorstadt von A. an der Spitze der durch bedeutende Viehzucht ausgezeichneten Delta-Insel Camargue liegt. A. ist eine der ältesten Städte Frankreichs, deren Glanz noch eine Menge wohlerhaltener antiker Denkmäler bekunden. Unter diesen sind bemerkenswert: das Amphitheater von 140 m Länge und 103 m Breite mit doppelter Bogenstellung, 1846 restauriert, jetzt Schauplatz für Stierkämpfe; die Reste eines Theaters, zu denen der sog. Rolandsturm gehört; es hatte 102 m Breite und faßte 16000 Zuschauer; vorhanden sind noch ein Seitenthor davon, fünf Bogen, zwei korinth. Säulen, Proscenium, Orchester und die ersten Kreisstufen; unbedeutende Reste des Palastes Konstantins d. Gr., jetzt Le Chäteau de Trouille genannt; der 1389 aufgefundene und seit 1676 vor dem Stadthause aufgestellte Obelisk aus Granit, von 15,2 m Höhe; Ruinen zweier Tempel, eines Triumphbogens und vieler Grabmäler; ferner im O. der Stadt ein schon von den Römern benutzter Begräbnisplatz, die (altcrbtl. Eurto (oder Alyscamps), woselbst viele altchristl. arkophage aufgefunden worden sind, u. s. w. Das Theater ist der Nenns ausgezeichneter Statuen, darunter der Venus von A.v, die 1683 in das Louvre zu Paris kam. Aus dem 12. Jahrh. stammt die St.-Trophime-Kathedrale in altroman. Stil mit hob emen Portalbogen; das dazu gehörige Kloster at einen höchst bemerkenswerten Kreuzgang mit vier Galerien, welche alle Arten des Rund⸗ und des Spitzbogenstils aufweisen; das Stadthaus wurde von Mansard erbaut. Die alte Annenkirche dient als Museum der Antiquitäten. A. wurde 53 v. Chr. von Cäsar erobert und zur Militärkolonie eingerichtet, war später Residenz des Kaisers Maximianus, dann zeitweise Konstantins d. Gr., unter welchem es als Constantia ihre Blütezeit erlebte, dann Hauptstadt der Präfektur Galliien und im 5. Jahrh. einige Zeit Residenz des Westgotenkönigs Eurich. Die Stadt kam 508 an das Ostgotenreich, später an die Franken und wurde 879 Hauptstadt des Königreichs Arelat (s. d.). Seit 1213 Reichsstadt, unterwarf sie sich 1251 dem Herzog Karl von Anjou, Grafen von Provence; 1481 mwurde sie mit Frankreich vereinigt. Die Bedeutung ihres Handels glich im Mittelalter der von Marseille, Genua und Pisa. In den ersten Jahrhunderten der christl. Kirche wurden zu A. mehrere bedeutende Synoden, die Arelatischen Synoden, abgehalten. Auf der ersten, 314, wurden unter anderm die Streitigkeiten zwischen Cäcilian und Donatus gegen letztern entschieden und die Geistlichen von allen Lasten freigesprochen; auf der zweiten, 354, ward Athanafius verdammt und Paulin von Trier verwiesen; auf der dritten, 452, regelte man mehrere Punkte der Kirchen⸗ und Klosterdisciplin; auf der vierten, 475, wurde die Prädestinationslehre des Presbyters Lucidus verdammt und dieser zum Widerruf genötigt. ö