FeedHyères
ErdkundeBrockhaus 1882

Hyères, Stadt im franz. Depart. Var (Provence), 16 km östlich von Toulon, Station der Zweiglinie La-Pauline-H. der Paris-Lyon-Mittelmeerbahn und 4 kKm vom Meere, amphitheatralisch auf und an einer 204 m hohen Anhöhe gelegen, zählt (1876) 6797, als Gemeinde 12289 E., hat in seinem alten obern, noch von Wällen umgebenen, durch ein festes Schloß aus dem 13. Jahrh. dominierten Teile ein finsteres, in dem neuern ein freundlicheres Ansehen und ist seiner herrlichen Lage und des milden Klimas wegen berühmt, deshalb auch ein Sammelplatz vieler, besonders brust- und gemütskranker Nordländer. Orangen, Citronen, Granatäpfel, Oliven und andere Südfrüchte gedeihen hier im Freien, Wein und Obst aller Art werden in Menge gewonnen. Der Haupterwerbszweig der Einwohner ist Gartenbau und die Kultur von Südfrüchten, ferner Seidenraupenzucht und Seidenspinnerei, Fabrikation von Olivenöl, Branntwein, Parfümerien, Korkpfropfen und Töpferwaren, sowie die Aus beutung der benachbarten Küstensalinen. Mit den Produkten wird ein nicht unbeträchtlicher Handel getrieben. Der neugeschaffene Hafen der Salinen hat 1881 den Namen Port Pothuau erhalten. — H. war das röm. Castrum Arearum, an dessen Fuß im Mittelalter ein kleiner, vielfach von den Sarazenen beunruhigter Ort entstand. Diese letztern zerstörten die 5 Km südlicher gelegene alte Handelsstadt Olbia. H., im Mittelalter Hiedera genannt, hat noch überreste mittelalterlicher Befestigungen, zwei Kirchen aus dem 12. und 13. Jahrh., ein Stadthaus (ehemals Komturei der Tempelherren), vor welchem das Standbild des hier geborenen Kanzelredners Massillon steht, und in der Umgebung eine Menge moderner Gebäude und Villen. An der Küste hat man durch die seit 1843 veranstalteten Nachgrabungen Reste von Mauern, Gewölben, Brunnen, Wasserleitungen, Fresken, Skulpturen der röm. Stadt gefunden. Die Reede von H., im W. von der Halbinsel (früher Insel) von Giens, im O. von einem mit dem Kap Beénat endigenden Küstenvorsprung, im S. von den Hyerischen Inseln begrenzt, dient den Geschwadern der franz. Mittelmeerflotte gewöhnlich zu ihren Seemanövern. Vgl. Denis, «H., ancien et modernen (4. Aufl., Hyeres 1882). Hydrische Juseln (Iles d'Hyères), bei den Alten Stoechades Insulae, im Mittelalter Areae oder Aureae genannt, Inselgruppe vor der Reede von Hyeres, drei größere Inseln, mehrere kleine Eilande und Klippen mit wenig Bewohnern, aber vielen Kaninchen und Vögeln. Ile du Levant, die östlichste und größte, die längste, aber schmalste, bis 129 mhoch, dicht bewaldet und mineralogisch interessant wegen des Vorkommens von Krystallen, Granaten, Turmalin, Asbest, Titan, Rutil u. s. w., hat ein Leuchtfeuer und eine Kolonie von jungen Strafgefangenen. Porteros, die mittlere, unebenste und wildeste, 4 EKm lang und 2,5 km breit, bis 207 m hoch, hat 20 E., mehrere Batterien und den tiefen Hafen Port-Maye. Porquerolles, die westlichste, 8 kKm lang und 2 km breit, bis 150 m hoch, hat starke Befestigungen, einen Leuchtturm und 300 E., sowie lebhaften Verkehr der Küstenfahrer. Franz I. erhob die Inseln 1531 als Iles d'Or zu zwei Marquisaten und gab Porquerolles dem Gascogner Ornegan und die übrigen dem Deutschen Rockendorf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 498Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Erdkunde 6