FeedHelianthus L.
PflanzenreichBrockhaus 1882

Helianthus L., Sonnenblume, Gattung ein⸗ oder mehrjähriger Gewächse Amerikas, zur Familie der Kompositen gehörig und so genannt, weil die großen Blütenköpfe mit ihrem ausgebreiteten gelben Strahl mit der Sonne verglichen werden können. Der Kelch ist unregelmäßig dachziegelförmig, die äußern Schuppen desselben blattartig, spitz, mit nicht angedrückten Anhängseln, die innersten kleiner; der Fruchtboden ist flach oder gewölbt, mit spitzen Spreublättchen besetzt, die Früchtchen sind fast vierkantig, mit zwei grannenförmigen Schüppchen gekrönt. Die in den Blumengärten häufigste Art ist H. annuus L., die einjährige Sonnenblume, eine 2—3 mhohe Zierpflanze mit 30 em und darüber breiten nickenden Blütenköpfen und scharfhaarigen, herz-eiförmigen Blättern. Man kultiviert von ihr in den Gärten, besonders in landschaftlichen Anlagen, wo sie eine ausgezeichnete Rolle spielen, mehrere konstante Arten, die einblumige (Far. uniflorus) mit höherm und viel stärkerm Stengel, sehr großen Blättern und mit nur einem einzigen Blütenkopfe, dessen Scheibe aber gegen 50 em breit ist; die gefüllte (var. flore pleno), bei der die gewölbte Scheibe dicht mit dachziegelig geordneten Blüten besetzt ist, die in der Form den Strahlblüten ähnlich sind; die kugelblütige (var. globosus), Ohrie Strahl und auch die der Scheibe verlängert-röhrig, sodaß die Blume, da der Rand der Scheibe nach hinten umgebogen ist, eine fast kugelige Gestalt eelts und andere Spielarten. Man pflanzt diese effektvollen Pflanzen durch Aussaat im März und April fort. Die Sonnenblume verlangt zum Gedeihen ein sehr nahrhaftes, gut gedüngtes Erdreich, in welchem ihre Stengel bis 4m hoch werden. Da sie den Boden sehr aussaugt, so ist sie zur Trockenlegung sumpfigen Bodens geeignet. Von großer wirtschaftlicher Bedeutung ist sie als Olpflanze. Das aus der Frucht gewonnene OÖl ist ein wichtiger Produktions⸗ und Handelsartikel, besonders für Rußland. Dort betrug die Produktion schon 1870 mehr als 80000 Doppelcentner, welche einen Wert von etwa 4 Mill. Rubel repräsentieren. Der Anbau dieser Pflanze nimmt aber von Jahr zu Jahr zu. Von Zierpflanzen dieser Gattung ist noch zu erwähnen I. argophyllus, ebenfalls einjährig, die anze Pflanze mit dichtem, silberweißem Seidensitz bedeckt, die Blumen mit orangegelbem Strahl und schwarzpurpurner Scheibe, welche letztere bei der gefüllt blühenden Varietät mit blumenblattartigen, braungerandeten Blümchen ausgefüllt ist. Der ausdauernde H. multiflorus besitzt zwar viel kleinere Blumen, aber desto zahlreichere Blütenstengel und ist eine stattliche, für Ziergärten sehr zu empfehlende Pflanze, besonders die gefüllt blühende Varietät. Vor der Einführung der Kartoffel von größerer Wichtigkeit als jetzt war der Topinambur. I. tuberosus, eine Pflanze Nordamerikas, in allen Teilen kleiner als die einjährige Sonnenblume, ausdauernd mit birnförmigen Knollen, welche der Wurzelstock erzeugt. Sie sind von der Größe mittelgroßer Kartoffeln und eßbar, jedoch weniger reich an Nährstoffen als diese. Ihr etwas starker Geschmack erinnert an Artischocken. Als Gemüsepflanze wird der Topinambur wenig mehr Uahzus dagegen verdient er mehr Beachtung als iehfutter, da er mit dem schlechtesten Boden fürlieb nimmt und keiner Pflege bedarf. Die Knollen werden besonders gern von Schweinen gefressen, gedämpft aber auch vom Rindvieh. Die Blätter geben gutes Schaffutter und können auch als Streu und zur Düngerbereitung Verwendung finden. Diese Pflanze ist so anspruchslos, daß ihre Kultur fast gar keine Mühe weiter erfordert als die Pflanzung ein allemal. Man pflanzt sie durch Knollen im Frühjahr fort und erntet im Herbst, wenn die Stengel trocken geworden sind. Heliasten, s. unter Heliäa.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 82Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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