Humanismus ist die wissenschaftliche Richtung der Renaissance, welche aus der Einseitigkeit und Beschränkung des mittelalterlichen Denkens zu einer allgemein menschlichen, chumaneny Bildung dadurch zu gelangen suchte, daß sie mit begeistertem Studium in die Litteratur der Griechen und Römer eindrang, das Leben der klassischen Völker zu einem Musterbilde menschlicher Vollkommenheit idealisierte und dasselbe litterarisch, politisch, sozial nachzubilden trachtete. Der H. erwarb sich damit das ungeheure 408rede den lang und vielfach verkannten Bildungsgehalt des klassischen Altertums wieder auszugraben und für die Kunst und Wissenschaft der europ. Völker lebendig zu machen, und wenn er sich auch in manche Einseitigkeiten verlor, so bleibt es doch unbestreitbar, daß er für die gesamte moderne Bildung die wesentliche Grundlage geschaffen hat. Er begann mit dem 14. Jahrh. in Italien und breitete sich im 15. und 16. allmählich mit siegreicher Kraft, welche sich vielfach gegen die mittelalterliche Scholastik und ihr gesamtes Bildungssystem richtete, über ganz Europa aus und wurde ein mächtiger Bundes⸗ — — der Reformation. Ein weiteres Verdienst r Humanisten besteht in der durch sie angeregten Reform der Dmeunn Miteldr für welche sie die klassischen Studien zum Mittelpunkte machten. Wenn hier ursprünglich die Einführung der Jugend in die Litteratur und in den Geist der alten Völker der leitende Gesichtspunkt war, so ist nicht zu verkennen, daß in der Folge vielfach das Mittel dazu, der Sprachunterricht, zum alleinigen Zweck wurde und an die Stelle der frischen Lebendigkeit ein geistloser Formalismus trat. Vgl. zur Geschichte des H.: L. Heeren, Geschichte des Studiums der klassischen Litteraturs (2 Bde., Gött. 1797 u. 1802); E. A. Erhard, «Geschichte des Wiederaufblühens wissenschaftlicher Bildungo (Magdeb. 1828 fg.); G. Voigt, «Die Wiederbelebung des klassischen Altertumso (Berl. 1859; 2. Aufl., 2 Bde., 1880—81); „Burckhardt, Die Kultur der Renaissance in stalien (3. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1877 u. 1878).