Aleander (Hieronymus), ital. Gelehrter und Kardinal im Zeitalter der Reformation, geb. 13. Febr. 1480 zu Motta in der Mark Treviso, studierte zuerst Medizin, wandte sich später der Theologie und Philologie zu, kam an den Hof Papst Alexanders VI., lehrte dann in Venedig, wo er sich mit Erasmus und Aldus Manutius befreundete, wurde vom Papst zu einer diplomatischen Sendung nach Ungarn benutzt und 1508 von Ludwig XII. auf den 15½½ der griech. und lat. Sprache und Litteratur an die Universität von Paris berufen. Seine Kränklichkeit bestimmte ihn jedoch zum Eintritt in die kirchliche Verwaltung, zunächst in Paris, dann bei dem Bischof Eberhard von Lüttich, der ihn zu Autere Domherrn und Kanzler machte. Dessen Aufträge führten ihn 1516 an den Hof Leos X., der den gewandten und gelehrten Humanisten als Bibliothekar im Vatikan zu fesseln wußte. Von hier aus führte er dann seine Mission als Gegner der luth. Reformation im Deutschen Reiche durch. Er ging als päpstl. Legat 1520 dem jungen Kaiser Karl V. auf dessen Krönungsreise entgegen. Die Versuche, die er schon in Aachen machte, den 8958. Ocht von Sachsen zum Verbrennen von Luthers Schriften oder gar zu seiner Auslieferung zu bewegen, schlugen fehl. Auch in Worms auf dem Reichstage (1521) wollte es ihm nicht gelingen, die divergierende Politik des Kaisers und die von antikurialen Stimmungen erfüllte Haltung der deutschen Stände nach seines Herrn Willen zu lenken. Allen seinen diplomatischen Iden Reiche. zum Trotz ward Luther hn Verhör vor den Reichstag citiert. Danach gelang es aber dem Legaten, einen Reichsspruch gegen den Ketzer zu bewirken, das sog. Wormser Edikt (8. Mai 1521). Später vom Papst Clemens VII. zum Erzbischof von Brindisi und zum Nuntius in Frankreich ernannt, begleitete er 1525 den König Franz I. auf dessen Feldzug nach Italien und wurde mit ihm in der Schlacht von Pavia gefangen. Von Clemens VII. 1531 zum zweitenmal als Nuntius nach Deutschland gesandt, um einen friedlichen Ausgleich der Katholiken und Protestanten zu verhindern, sah er durch den Feiner Mii Religionsfrieden von 1532 den Zweck seiner Mission scheitern. Vom Papst Paul III. 1537 zum Kardinal ernannt, erzielte er, 1538 zum drittenmal Nuntius in Deltschland abermals keinen Erfolg und kehrte bald wieder na Rom zurück, wo er 1. Febr. 1542 starb. Sein Lexicon graeco-latinumo (Par. 1512) ist das beste derartige Werk seiner Zeit. Auch gab A. eine griech. Grammatik und einige poetische Schriften Heraus. Die in der Bibliothek des Vatikan aufbewahrten Manuskripte seiner unvollendet gebliebenen Abhandlung „De Concilio habendo o (während des Tridentinischen Konzils oft zu Rate gezogen), seine Briefe und auf seine Nuntiaturen bezüglichen Schriften (vom Kardinal Pallavicino in seiner Istoria del concilio de Trentop benutzt) geben wichtige Aufschlüsse über die religiösen Bewegungen seiner Zeit. Vgl. Friedrich, Der Reichstag zu Worms im J. 1521. Nach den Berichten des päpstl. Nuntius Hieronymus A.» (Münch. 1871).