FeedHunter (William)
HeilkundeBrockhaus 1882

Hunter (William), berühmter Anatom, Chirurg und Geburtshelfer, geb. 23. Mai 1718 zu Long-Calderwood in der schott. Grafschaft Lanark, besuchte die Schule zu Glasgow und begann daselbst Theologie zu studieren. Seine Bekanntschaft mit Cullen führte ihn zu dem Studium der Heilkunde, dem er sich von 1737 an in Cullens Hause zu Hamilton widmete, worauf er zu weiterer Ausbildung 1740 nach Edinburgh und 1741 nach London ging, wo er zunächst Unterarzt am St. Georgshospital wurde und 1746 mediz. Vorlesungen begann. Im J. 1747 machte er eine wissenschaftliche Reise nach Holland und Frankreich und beschäftigte sich dann in London vorzugsweise mit Geburtshilfe und Anatomie. Nach der glücklichen Entbindung der Königin wurde er 1764 zum Leibarzt, bei der Errichtung der Akademie der schönen Künste 1768 zum Professor der Anatomie ernannt. Sein bedeutendes Vermögen wendete er dazu an, ein schönes Gebäude aufzuführen, in welchem er ein anatom. Theater für seine Vorlesungen einrichtete und seine bedeutenden Sammlungen an anatom. Präparaten, Büchern, Mineralien und Münzen aufstellte, die nach seinem Tode, 30. März 1783, erst an seinen Neffen und dann in den Besitz der Universität zu Glasgow gelangten. Das Hauptwerk His ist sein berühmtes Prachtwerk „Anatomia humani gravidi uteris (Birmingh. 1774; engl., Lond. 1794; deutsch von Froriep, Weim. 1802), welches die Grundlage aller spätern Darstellungen dieses Gegenstandes wurde. Außerdem schrieb er viele Abhandlungen in den XThilosophical Transactionso, in den Schriften der Medizinischen Gesellschaft in London und in seinen Medical commentarieso (Lond. 1762, nebst Supplement 1764), welche von Kühn gesammelt und übersetzt (2 Bde., Lpz. 1784—85) wurden. Sein jüngerer Bruder, John H., als Anatom und Chirurg ebenfalls berühmt, geb. 14. Jan. 1728, wurde in seinem 17. Jahre nach einer wenig sorgfältigen Erziehung zu seinem Schwager, einem Kunsttischler in Glasgow, in die Lehre gebracht, widmete sich aber zwei Jahre später, unter Leitung seines Bruders anatom. Studien. Dabei trieb er sehr eifrig die Chirurgie, studierte dann in Orford und wurde 1756 Wundarzt am St. Georgshospital. Im J. 1760 nahm er als Stabschirurg Dienste in der Armee und wohnte der Expedition nach Belle-Isle und dem Feldzuge der Engländer in Portugal bei. Nach London zurückgekehrt, widmete er sich der chirurg. Praxis und dem Studium der vergleichenden Anatomie und Physiologie. Er wurde 1768 dirigierender Wundarzt am St. Georgshospitale, 1776 Wundarzt des Königs, 1786 zweiter und 1790 erster Generalchirurg der Armee und Generalinspektor der Militärhospitäler und 1792 Vizepräsident des neuerrichteten Tierarzneikollegiums in London. H. starb 16. Okt. 1793. Seine große Sammlung anatom. Präparate wurde nach seinem Tode von der Regierung angekauft und dem königl. Kollegium der Wundärzte überlassen, in welchem noch alljährlich von den berühmtesten Chirurgen eine Gedächtnisrede auf H. Hunterian oration) gehalten wird. Eine Gesamtausgabe seiner Schriften lieferte Palmer (4 Bde., Lond. 1838, mit Biographie von Drewry Otley). Die bemerkenswertesten davon sind: Natural history of the human teéetho (2 Bde., 1771—78), 4On the venereal diseases (1786), &On the nature of the blood, inflammation and gunshot woundse (1794). Aus seinem Nachlasse veröffentlichte Rich. Owen ESssays and observations on natural history, anatomy, physiology, etc.„ (2 Bde., Lond. 1861). Vgl. J. Adams, Memoirs of the life and doctrines of the late John H. (2. Aufl., Lond. 1818).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 475Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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