FeedAldringer oder Altringer
GeschichteBrockhaus 1882

Aldringer oder Altringer, auch Aldringen (Joh., Graf), kaiserl. General im Dreißigjährigen Kriege, geb. 10. Dez. 1588 zu Diedenhofen (nicht wie gewöhnlich angegeben wird 1591 zu Luxemburg im Grund, Pfarre St. Ulrich), war zuerst Sekretär bei dem General Madruzzi und 1.556 Bruder, einem Kardinal, trat dann ins kaiserl. Heer, wo er ich durch Tapferkeit, Gewandtheit des Geistes und ertigkeit in schriftlichen Arbeiten emporarbeitete und sich an der Spitze einer Freicompagnie hervorthat. Schon 1622 war er während der Belagerung Heidelbergs durch Tilly Oberst; 1626 befehligte er einige zu Dessau stehende Regimenter, mit welchen er vom 11. bis 24. April den dortigen Brückenkopf gegen Graf Ernst von Mansfeld bis zur Ankunft Wallensteins mit Erfolg verteidigte. Er ward 1627 vom Kaiser zum Freiherrn, 1632 zum Grafen erhoben; 1628 erhielt er den Auftrag, als Kommissar Mecklenburg für Wallenstein, dessen besonderer Gunst er sich erfreute, in Besitz zu nehmen. Nach dem Abschlusse des Friedens mit Dänemark (1629) wurde er als Generalmajor unter Colalto mit einigen Regimentern nach der Lombardei gesendet, wo er an der Eroberung von Mantua (18. Juli 1630) teilnahm. Die Plünderung dieser Stadt legte den Grund zu seinem Vermögen. Der Friede von Chierasco (1631) führte ihn nach Deutschland zurück. Während der Schlacht bei Breitenfeld stand er in Württemberg, welches er unterwarf, vereinigte sich aber nachher in Hessen mit + Als dieser im April 1632 die Schweden am Üübergange über den Lech verhindern wollte, wurde A. fast zu gleicher Zeit mit Tilly schwer verwundet. Nach des letztern Tode (30. April) erhielt er den Oberbefehl über das liguistische Heer, welches er bald nachher zu Wallenstein nach Eger führte, mit dem er gemeinschaftlich gegen Nürnberg vorrückte. Bei dem Sturme Gustav Adolfs auf das kaiserl. Lager bei Burgstall (2. und 3. Sept. neuen Stils) befehligte A. mit großer Umsicht auf den schwierigsten Punkten. An der Schlacht bei Lützen hatte er keinen Teil, da er bei der Trennung des bayr. vom kaiserl. Heere den Oberbefehl über das erstere erhalten hatte. In dieser Zeit wurde er Feldmarschall. In dem schwierigen Verhältnisse zwischen Wallenstein und dem Kurfürsten bewegte sich A. mit großer Gewandtheit. In Bayern und Schwaben operierte er, vereinigt mit dem aus Italien herbeigeführten span. Heere des Herzogs von Feria, vielfach gegen Horn und Bernhard von Weimar, On jedoch einen wesentlichen Vorteil zu erringen. In den Sturz Wallensteins ist A. tief verwickelt. Wallenstein hatte gehofft, auch ihn, wie die andern Offiziere, bei seiner Sache festzuhalten, A. aber ließ sich vom Hofe gegen ihn gewinnen. Schon die Pilsener Erklärung unterzeichnete er nicht; als ihm dann von Wien der Befehl kam, Wallenstein bei der zweiten Versammlung in Pilsen festzunehmen, verstand er sich allerdings nur zögernd zur Ausführung und blieb unterwegs, eine Krankheit vorschützend, in Frauenburg. Hier verband er sich I mit Gallas, Marradas u. a. gegen den 1 dherrn. Nun ward er mit der Direktion der militärischen Vorbereitungen gegen den Abtrünnigen betraut. Nach dem Tode Wallensteins kämpfte er gegen die Schweden an der Donau, fiel aber bei der Verteidigung von Landshut (22. Juli 1634). Von seiner Gemahlin, einer Gräfin Arco, hatte er keine Kinder. Seine großen Reichtümer, welche durch Verleihungen aus den konfiszierten Gütern Kinskis noch angewachsen waren, erbte seine Schwester, die sich mit einem Grafen Clary vermählte und deren Nachkommen 1635 vom Kaiser erdinand II. gestattet wurde, den Namen Claryldringen zu führen. Das Haus Clary⸗-Aldrin1 blüht gegenwärtig noch fort. Unter den großen esitztümern der Familie sind die zu Teplitz in Böhmen die umfangreichsten und wertvollsten.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 367Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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