Idiopathisch (grch.) nennt man diejenigen Sranthor⸗ Erscheinungen, die unmittelbar aus den Krankheitsursachen hervorgehen, im Gegensatz zu den sympathischen, durch Mileidenschaft entstehenden. Wenn z. B. nach einer Überladung des Magens außer Ekel und Erbrechen auch Kopfschmerzen und Schwindel erscheinen, so sind erstere Erscheinungen die idiopathischen (d. h. die des kranken Organs), letztere hingegen die sympathischen (d. h. die eines mitleidenden fernen Organs). Das Umgekehrte findet statt, wenn Blutandrang nach dem Gehirn, bei Kopfverletzungen und andern schädlichen Einwirkungen auf dieses Organ, mit Übelkeit und Erbrechen verbunden ist. „Idiosynkrasie (grch.) nennt man eine eigentümliche Empfindlichkeit des Organismus, die sich auf die Art, nicht auf die Stärke des Reizes bezieht. Mit J. Behaftete empfinden Reize in anderer Art als Gesunde, finden Gerüche, welche Gesunden widerlich sind, wie den verbrannter Federn, eines glimmenden Lichts, angenehm, während ihnen Wohlgerüche unausstehlich sind. Auch für andere Sinne (Geschmack z. B.) bestehen J. Hierher gehört auch das abweichende Verhalten mancher Menschen gegen gewisse Speisen und Getränke; so werden manche Personen regelmäßig nach dem Genuß von Erdbeeren, Krebsen u. dgl. von Nesselsucht befallen u. s. w. Wenn dagegen Reize in ihrer eigentümlichen Art, aber mit veränderter Stärke empfunden werden, wenn Hysterische bei dem starken Geruch von Blumen in Ohnmacht fallen, so ist dies keine Erscheinung von J., sondern die Folge einer Hyperästhesie, einer krankhaft gesteigerten Empfindlichkeit der Nerven, wiewohl beide Abänderungen der Sinnesempfindlichkeit nebeneinander vorkommen können. Die J. findet sich vorzugsweise bei der Hysterie (s. d.) und andern Nervenleiden.