FeedInduktion
TechnikBrockhaus 1882

Induktion (magnetische und elektrische). Nähert man einem Eisenstäbchen einen Magnetstab, so wird ersteres durch den Einfluß des letztern magnetisch; entfernt man beide Stäbe genügend weit voneinander, so verschwindet wieder der Magnetismus im Eisenstäbchen. Man sagt von einem Eisenstäbchen, das nur durch den Einfluß eines nahen Magnets magnetisch geworden, es ist dur Verteilung, Influenz oder J. magnetisch. Um die J. experimentell zu zeigen, nähert man (wie in beistehender Fig. 1) dem in einem Stativ lotrecht eingespannchens, welches dem erregenden Magnetpol zugewendet ist, mit demselben die entgegengesetzte Polarität, das uchen öun aber die gleichnamige. Auch Stahlstäbchen können durch I. magnetisch werden, jedoch viel langsamer und schwächer; dagegen bleiben dieselben, auch nach der Entfernung des verteilenden Magnets, magnetisch. In analoger Weise, wie durch Annäherung von Magneten durch J. Magnetismus erregt wird, entsteht auch in Leitern durch Annäherung elektrischer Körper eine J. Man unterscheidet die statische und dynamische Rerr üktion. Die erstere, welche in neuerer Zeit vorherrschend elektrische Influenz genannt wird, ist im Art. Elektricität behandelt. Die dynamische J. wird jetzt kurzweg als J. bezeichnet. Bei derselben entsteht in einem gebogenen und in sich zurückkehrenden, z. B. ringförmigen Draht, in dessen Nähe ein elektrischer Strom geschlossen wird oder ein schon vorhandener Strom an Stärke zunimmt, ein dem entstehenden oder wachsenden Stromentgegengesetzt gerichteter Strom. erner tritt in jener geschlossenen Drahtleitung ein trom auf, wenn in seiner Umgebung ein bis dahin vorhandener Strom schwächer wird oder ganz aufhört. Dieser Strom hat dieselbe Richtung wie der erregende. Man nennt den erregenden Strom den Haupt- oder Primärstrom, dagegen den erregten Strom Neben⸗, Sekundär⸗ oder Induktionsstrom. Die Induktionsströme sind stets nur von äußerst kurzer oder augenblicklicher Dauer. Um die Induktionsströme nachzuweisen, benutzt man für den Haupt-und für den Nebenstrom je eine Spule, um welche mit Seide umsponnene Drähte gewunden sind, um die Drahtläufe voneinander zu isolieren. So z. B. sieht man in Fig. 2 eine solche Drahtspirale B, welche aus dickem übersponnenem Kupferdraht gebildet ist, und welche in der Höhlung einer Spirale A steckt, die aus viel mehr Windungen eines weit dünnern übersponnenen Kupferdrahtes besteht. Die Spirale B heißt die Primär- oder Hauptspule, A nennt man dagegen die Sekundärinduktion oder Nebenspule. Die Drahtenden a und b der Nebenspule sind durch Leitungsdrähte mit den Drahtenden eines entfernt aufgestellten Multiplikators M verbunden. Von dem einen Pol enu eines konstanten Volta-Elements führt ein Leitungsdraht zu dem Drahtende d der Hauptspule, vom Pol p geht ein Draht zu einem Quecksilbernäpfchen J. Sobald nun ein Draht, welcher an dem Drahtende e der Hauptspule befestigt ist, gleichfalls in das Quecksilbernäpfchen eingetaucht wird, wird das Element E geschlossen, und es eirkuliert dann ein Strom in der Hauptspule B. In dem Moment, in welchem dieser Strom entsteht, wird auch ein Strom in der Nebenspule & induziert, was man aus der Ablenkung der Nadel des Multiplikators Nerkennt. Wenn aber der Hauptstrom in B geschlossen bleibt, so kehrt die Multiplikatornadel nach einigen Schwankungen wieder in ihre Gleichgewichtslage zurück; der Induktionsstrom dauert also nur sehr kurze Zeit und der fortdauernde Strom der Hauptspule bleibt ohne weitere Wirkung auf die Nebenspule. Zieht man dann, nachdem die Multiplikatornadel zur Ruhe gekommen ist, das von c kommende Drahtende aus dem Quecksilber des Näpfchens g, um den Strom im Haupidraht B zu unterbrechen, so erfolgt wieder ein nur sehr kurz dauernder Ausschlag der Multiplikatornadel, jedoch nach einer Richtung, welche der des ersten Ausschlags entgegengesetzt ist. Beim Schließen des Hauptstroms wird also im Nebendraht ein entgegengesetzt gerichteter, beim Offnen des Hauptstroms dagegen ein ihm gleichgerichteter Strom von nur augenblicklicher Dauer im Nebendräht induziert. Nicht nur durch Schlie— ßung und Offnung des Volta-Elements E allein, sondern auch, wie schon gesagt, durch Schwankungen der Intensität des Hauptstroms werden momentane Induktionsströme erregt. durchflossener Draht einem unelektrischen geschlossenen Draht genähert wird (oder auch der letztere dem erstern), entsteht in diesem letztern während der Dauer der Annäherung ein elektrischer Strom, aber in entgegengesetzter Richtung als im erregenden Leiter. Der Strom hört auf, sobald der angenäherte Leiter zur Ruhe kommt. Wird der induzierte Leiter aus dem Bereich des stromführenden Leiters entfernt, so entsteht in ihm der umgekehrte Vorgang wie bei der Annäherung, also ein Strom, welcher mit dem erregenden gleich gerichtet ist. Dies läßt sich erperimentell zeigen, wenn (Fig. 2) 5 mit e, unden mit d durch lange Drähte verbunden sind. Man kann dann die durchströmte Hauptspirale B in die Nebenspule A hinein- und herausschieben, wobei die Induktionsströme in ebenbesprochener Weise auftreten, was der momentane Ausschlag des Multiplikators Meanzeigt. Da der Induktionsstrom nur einen Augenblick währt und, während der Hauptstrom fortdauernd cirkuliert, bereits verschwunden ist, so wird man, um wiederholt Induktionsströme zu erhalten, den Hauptstrom rasch abwechselnd unterbrechen und wieder herstellen müssen. Dies kann in mannigfaltiger Weise bewirkt werden, am einfachsten jedoch durch ein Blitzrad (s. d.), welches in den Hauptstrom eingeschaltet wird. Mit den induzierten Strömen kann man alle Wirkungen der Voltaschen Ketten, besonders kräftig aber die physiologischen, hervor— bringen. Zu letzterm Zwecke versieht man die Induktionsrolle A bei a und b je mit einer Metallschnur, welche in je eine metallene Handhabe (Konduktor) endet. Wenn man dann den einen Handgriff in die eine, den andern in die zweite Hand nimmt, so empfindet man bei jeder offnung und bei jeder Schließung des Hauptstroms infolge der Induktionsströme einen Schlag. Diese Schläge werden unter sonst gleichen Umständen stärker, wenn man die Hände mit angesäuertem oder gesalzenem Wasser benetzt hat, indem dadurch die Haut ür die Elektricität besser leitend geworden ist. Weil man mit Hilfe eines Induktoriums — so nennt man im allgemeinen die verschiedenen, auf dem in Fig. 2 dargestellten Prinzip beruhenden Apparate — mittels eines oder zweier kleiner Volta-Elemente schon sehr empfindliche physiologische Wirkungen erzielen kann, so bedienen sich die Arzte derartiger kompen— diöser Induktionsapparate zu Heilzwecken. Auch wenn eine Drahtrolle nicht von einer zwei— ten umschlossen ist, entsteht durch die gegenseitige induzierende Wirkung der einzelnen Windungen, beim Schließen und Offnen des Hauptstroms in seinem eigenen Drahte ein Induktionsstrom, wel— chen man Extrastrom nennt. Dieser schwächt den Schließungs- und verstärkt den Trennungsschlag, weil er im ersten Fall dem Hauptstrom ent— gegengerichtet ist, im andern Fall jedoch mit dem— selben dieselbe Richtung hat. Der Nachweis ge— Dralt an einer Spule mit einem einzigen langen Draht, der an jedem Ende in zwei Teile ausläuft. Je ein Ast wird mit der galvanischen Kette verbun— den. Die andern beiden Zweige werden einander genähert. Man sieht nun am letztern bei jedem *— ta-Elements k ein Blitzrad u eingeschaltet, die Nebenschließung aber dadurch hergestellt wird, daß man in je eine benetzte Hand eine der beiden cylindrischen Metallgriffe Gonduktoren) nimmt. Beim raschen Umdrehen des Unterbrechungsrades u erhält der eingeschaltete menschliche oder tierische Körper die entsprechenden Trennungs- und Schließungsschläge vom Extrastrom. Die Stärke der Induktions- und Extraströme ist um so größer, je stärker der Hauptstrom und je länger die Drähte in den Spulen sind, also je mehr Windungen die letztern haben. Da ein Magnet ein System paralleler Kreisströme darstellt (s. Elek— trodynamik), so muß das Einschieben cines Magnetstabes NS (Fig. 4) in die Induktionsspule und ebenso das Herausziehen aus derselben wirken wie das Ein- und Zurückschieben der durchströmten Hauptspule B in Fig. 2. Je länger der Spulendraht, je kräftiger der Magnet und je größer die Geschwindigkeit bei seiner Bewegung ist, desto stärker ist der hervorgerufene Induktionsstrom. Diese durch bewegte Magnete entstehende J. nennt man magnetelektrische Induktion; im Gegensatz davon heißt dann die durch galvanische Ströme erzeugte Volta-Induktion. Beide Arten wurden von Faraday entdeckt (1831). Die magnetelektrische J. tritt auch ein, wenn man die Höhlung der Induktionsspule mit einem weichen Eisenkern oder weichen Eisenstäbchen füllt und diese durch Vorüberführen eines kräftigen Magnetpols magnetisch induziert. Denn das Magnetischwerden der Eisenkerne bewirkt dasselbe wie das Einführen eines Magnetpols in das Innere der Spule, während das Aufhören der magnetischen Induktion dem Zurückziehen des Magnetpols gleichkommt. Auf dieser magnetelektrischen J. beruhen die magnetelektrischen Maschinen, bei welchen mit Eisenkernen gefüllte Induktionsspulen vor kräftigen Magnetpolen schnell rotieren; auch den dynamoelektrischen Maschi-⸗ nen liegt die magnetelektrische J. zu Grunde. Versieht man die Hauptspule B eines Induktoriums (Fig. 2) mit einem weichen Eisenkern, so addiert sich zur induzierenden Wirkung der Unterbrechungen des Hauptstroms noch jene, welche beim Entstehen und Aufhören eines Elektromagnets auftritt. Diese Erregungsweise von Induktionsströmen heißt elektromagnetische Induktion. Auf derselben beruht der Funkeninduktor von Ruhmkorff, mit dem sich die Spannung der Volta-Elektricität bis auf jene der Reibungselektricität steigern läßt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 582Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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