FeedIrradiation
TechnikBrockhaus 1882

Irradiation nennt man in der physiol. Optik jene Erscheinung, vermöge welcher ein recht heller Gegenstand auf dunklem Grunde aus der Ferne vergrößert erscheint. Umgekehrt verhält es sich mit einem dunklen Gegenstand auf sehr lichtem Grunde. Vermöge der J. erscheint, wie dies die nachstehende Fig. 1 zeigt, z. B. bei kräftiger Beleuchtung und weitem Abstand vom Auge von den beiden gleichen innern Quadraten das weiße auf dunklem Grunde größer als das schwarze auf hellem Grunde; ersteres zeigt sich also größer, letzteres kleiner als sie wirklich sind. Vermöge der J. scheint die beleuchtete Mondessichel zu einer größern Kugel zu gehören, als der dunkle Teil desselben. Ebenso sieht man die Fixsterne mit freiem Auge als Scheibchen, obwohl sie sich wegen des unmeßbar kleinen Sehwinkels als helle Punkte zeigen sollten. Infolge der J. greifen bei genügender Entfernung vom Auge die benachbarten weißen Stellen im Mittelpunkt der Fig. 2 über ihren schwarzen Verbindungspunkt hinaus, sodaß sie durch einen weißen Streifen verbunden erscheinen. Deshalb wird auch ein feiner Draht im hellsten Sonnenlicht und ein Haar vor dem lichtesten Teil einer Leuchtflamme nicht wahrgenommen. Die J. wurde seit Kepler (160) nach verschiedenen Hypothesen erklärt. Nach „dem jetzigen Stande der Wissenschaft nimmt man an, daß selbst bei der vollkommensten Accommodation, wegen der Abweichungen im Auge, statt der 1Bildpunkte kleine Zerstreuungskreise oder, wegen „der eigentümlichen Gestalt des Auges, kleine Zer1streuungsellipsen auf der Netzhaut zu Stande kommen; das Licht auf der letztern greift infolge dessen über die idealen Grenzen des Bildes hinaus. eigentlich eine Zahl, die sich weder durch ganze Einheiten noch durch Teile der Einheit völlig genau (ausdrücken läßt, also in Bezug auf die Einheit inkommensurabel ist. Dahin gehören alle Wurzeln ganzer Zahlen, die sich nicht selbst unter den ganzen Zahlen befinden, also die meisten Wurzeln und die rrationalismus (neulat.), Vernunftwidrigkeit, Mangel an Vernunft. rredenta oder Italia irredenta (das unerlöste Italien) ist ein aus radikalen, republikanischen und sozialdemokratischen Elementen bestehender Verein, der alle Ländergebiete, in welchen der größte Teil der Bevölkerung italienisch spricht, mit dem Königreich Italien vereinigt wissen will. Er bildete sich zu einer öffentlichen, auf der ganzen Halbinsel verbreiteten Partei 1878 nach dem Berliner Kongreß. Die Thatsache, daß bei der dortigen Verteilung der orient. Welt Italien leer ausging, während Osterreich zur Besetzung Bosniens und der Herzegowina ein europ. Mandat erhielt und England den Besitz der Insel Cypern sich bereits ge— sichert hatte, rief große Aufregung in Italien hervor. Eine 21. Juli 1878 in Rom gehaltene Volksversammlung, in welcher Menotti Garibaldi den Vorsitz führte, verlangte die Besetzung von Triest und Trient und anderer Gebietsteile. Die Ministerien Cairoli und Depretis sahen diesen Kundgebungen, welche zunächst gegen OÖsterreich gerichtet waren, ruhig zu. Auf der Liste der von Italien zu annektierenden Länder standen folgende Gebiete: Südtirol, Görz, Triest, Istrien, Dalmatien, Kanton Tessin, Nizza, Corsica, Malta. Die unter dem Titel «Italicae Reso veröffentlichte Broschüre, welche von dem Militärattaché bei der österr.⸗ungar. Botschaft in Rom, dem Oberst Haymerle, verfaßt war, wies die Verzweigungen, die Agitation und die Ziele der J. genau nach und machte die Regierung Italiens selbst für die Excesse dieser ertremen Partei verantwortlich. Menotti Garibaldi wagte sogar 1881 dem Ministerium mitzuteilen, daß er und seine Partei beschlossen hätten, 100 Bataillone Freiwilliger zu errichten und bat, nicht um die Erlaubnis zur Aufstellung dieser Bataillone, sondern nur um die Genehmigung einer Uniform, und der Kriegsminister hatte viele Mühe, das Ministerium zu einem Beschlusse zu vermögen, wonach die Bildung solcher Bataillone nicht geduldet werden sollte. Der Haß der Irredentisten gegen Österreich ging so weit, daß mehrere derselben den Beschluß faßten, den Kaiser Franz Joseph, der 17. Aug. 1882 seinen Einzug in Triest hielt, während desselben zu ermorden. Von den zwei Attentätern wurde den Tag vorher der eine, der triestiner Deserteur Oberdank, verhaftet und durch den Strang hingerichtet, der andere, der Apotheker Ragosa, welcher entflohen war, auf ital. Gebiet bechuntet und von den Geschworenen in Udine freigesprochen. Die Regierung fing endlich an, gegen die Kundgebungen der J. schärfer einzuschreiten, zumal da sie zu Anfang des Jahres 1883 dem deutsch-österr. Defensivbündnis beizutreten wünschte. In der Kammersitzung vom 13. März 1883 sprach sich der Minister Mancini aufs schärfste über die I. aus und warf ihr vor, daß es ihr weniger um Triest und Trient, als um den Sturz der Monarchie zu thun sei. ö rreformabel (lat.), unabänderlich. rregulär (neulat.), unregelmäßig. rreguläre Truppen werden diejenigen Truppenkörper genannt, deren Organisation und dee ö weise von der in Europa üblichen abweicht. So können bezüglich der russ. Armee teilweise die Ko-ll saken hinzugerechnet werden, obgleich sie speziell diese Bezeichnung nicht führen, wogegen andere Formationen auch offiziell diesen Namen tragen, wie z. B. die Kutais Irreguläre Reitende Division, das Dagestan Irreguläre Reiterregiment u. s. w. Werden in besondern Fällen Truppenaufgebote gebildet, die außerhalb des Rahmens des regulären Heeres stehen, wie die Freischaren Garibaldis, mit denen er nach Sicilien und Neapel zog, die franz. Francs-Tireurs im Kriege 1870 und 1871 u. s. w., so müssen auch diese in gewissem Sinne als irreguläre Truppen bezeichnet werden.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 671Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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