Imponderabilien (neulat.), oder unwägbare Stoffe nannte man in der Physik die unbekannten Ursachen, durch welche man die Erscheinungen des Lichts (s. d.), der Wärme (s. d.), der Elektricität (s. d.) und des Magnetismus (s. d.) erklären zu können glaubte. Man nahm für jede Klasse dieser Erscheinungen die Existenz einer eigenen oder, wie bei der Elektricität und dem Magnetismus, gar zweier polar entgegengesetzter, sehr feiner, nicht schwerer, spezifischer Materien an, durch deren Bewegung oder Ruhe, Mangel oder Überfluß u. s. w. unter verschiedenen äußern Bedingungen jene Erscheinungen hervorgebracht würden. Neuere Unter— suchungen haben aber darauf geführt, daß die Annahme solcher imponderabler Stoffe als Ursache der genannten Erscheinungen nicht statthaft ist, weil die Erscheinungen des Lichts und der strahlenden Wärme sich als schwingende Bewegungen eines als höchst fein und höchst elastisch vorausgesetzten, im ganzen Weltraume und in den Poren der Körper verbreitet angenommenen Stoffs, d. i. des sog. Weltäthers, ableiten lassen. Und da die Erscheinungen des Lichts und der Wärme vielseitig mit jenen der geleiteten Wärme, der Elektricität und des Magnetismus zusammenhängen und sich manche Erscheinungen des einen Gebiets in solche des andern umwandeln lassen, so müssen auch alle Erscheinungen des Lichts, der Wärme, der Clektricität und des Magnetismus teils auf periodischen Bewegungen jenes Athers, teils auf Bewegungen der kleinsten Körperteilchen beruhen. Obwohl demnach die J. aus der modernen Naturlehre verschwunden sind, hat man dennoch, analog wie in der neuen Astronomie verglichen mit der ältern, des leichtern Ausdrucks halber, die ältere Sprechweise beibehalten, und man spricht bildlich doch immer von Mengen des Lichts, der Wärme, der Elektricität und des Magnetismus, als ob sie stofflich wären, meint jedoch dann die Stärken dieser Naturkräfte. Man nimmt zwar auch den obenerwähnten Weltäther als nicht schwer an, doch lag das Wesen der früheren J. in der spezifischen Verschiedenheit der verschiedenen Materien, während jetzt die verschiedenen Bewegungsformen des einen unwägbaren Äthers die verschiedenen Naturkräfte begründen.