Instinkt (lat.) oder Naturtrieb nennt man bei tierischen Wesen jeden bewußtlosen und unwillkürlichen Antrieb ihrer Thätigkeit. Er äußert sich teils im Begehren oder Vermeiden, teils im Schaffen oder Zerstören u. dgl. Der J. ist meist angeboren, da er sich oft sogleich mit dem Dasein eines tierischen Wesens äußert; doch mag manches, was d man aus Unkenntnis der Tierseele oder aus Unachtsamkeit auf dieselbe für J. erklärt, wohl ein Er-Nacha teils wiederholter Beobachtung, teils der achahmung und Angewöhnung sein. Es gibt J., welche allen tierischen Geschöpfen gemein sind, 3. B. der Nahrungs⸗ und Geschlechtstrieb, andere, welche i nur besondern Tierarten eigen sind, z. B. den Wasservögeln der Trieb, im Wasser zu schwimmen. Noch andere Triebe sind an periodische Bedingungen und Verhältnisse gebunden, z. B. bei Zugvögeln der Trieb zu Versammlungen und Wanderungen. In den J. der Tiere, insbesondere insofern sie sich, z. B. bei den Bibern, Bienen u. s. w., als Kunsttriebe äußern, ist viel überraschendes und Unerklärbares, indem manches Tier in demjenigen, was seine Interessen angeht, vermöge seines J. klüger und scharfsinniger zu Werke zu gehen scheint, als fi der denkende Mensch nur irgend könnte. Man hat daher den J. auch wohl als eine unbewußt und blind wirkende Vernunft aufgefaßt, weil er einerseits mit den Wirkungen der Vernunft wetteifert, andererseits ohne Willkür und ohne Bewußtsein seine Bewegungen mit derselben Blindheit verrichtet, womit die sog. Reflerbewegungen im Muskelsystem auf die ihnen entsprechenden Reize eintreten. Am bestimmtesten und ausgeprägtesten treten die J. bei den Tieren auf, während die Naturanlage des Menschen auf die Entwickelung der vernünftigen überlegung berechnet ist. Beim Menschen wird daher der J. von der geistigen Bildung verdrängt; bei Verwilderung tritt er wieder hervor und macht auch in Zuständen der Krankheit sich nicht selten geltend. So zeigt sich z. B. in Fiebern ein größeres Verlangen nach Flüssigkeiten; bei großer Schwäche Durst nach Wein; bei Personen, die viel Säure im Magen haben, ein Trieb zu erdigen Mitteln (Kreide, Thon). Ofters ist dies ein J., welcher ein inneres, der Krankheit angemessenes Bedürfnis verkündigt, dessen Befriedigung nicht nur unschädlich, sondern sogar heilsam ist. Aus demselben J. picken die Hühner viel Kalk zu der Zeit, wo sie Eier legen; aus demselben J. trinkt der Eskimo in der strengen Polarkälte Thran in Menge, um den intensiven Atmungs⸗ und Verbrennungsprozeß im Innern seines Körpers durch reichliche Zufuhr von Kohlen- und Wasserstoff zu unterhalten. Aber auch mitten in die Thätigkeiten der bewußten Vernunft mischt häufig ein gewisser J. sich wirksam und erfolgreich ein. Denn das, was man einen richtigen Takt zu nennen pflegt sowohl im Urteil als in der Handlungsweise, ist vielfach ein der bewußten Überlegung zu Hilfe kommender dunkler Antrieb, welcher dort ergänzend fortwirkt, wo die bewußte Überlegung ur sich allein nicht ausreicht. Während die ältere Auffassung an Stelle der Vernunft des Menschen dem Tiere den J. zusprach, erkennt die neuere Naturforschung (Darwin und Aichen Selt nur quantitative Unterschiede der gleichen Seelenvermögen bei Mensch und Tieren an und erklärt die instinktiven Handlungen als gererbte Gewohnheitens. Das Wandern der Zugvögel, früher als ein unbegreiflicher Naturtrieb angesehen, erklärt sich sehr einfach als eine Anpassung an die äußern Verhältnisse, wenn man annimmt, daß diese Vögel ursprünglich Standvögel waren, die unter ganz allmählich sich einstellenden klimatischen Anderungen im Laufe der Jahrtausende Strichvögel und schließlich Zugvögel wurden, sodaß die zu überfliegenden Meere und der Wandertrieb sich miteinander bildeten und kein Individuum merklich anders lebte, als seine nächsten Ahnen und Enkel. Triebe gesellig lebender Tiere (sowie des Menschen), welche zu gemeinsamen Handlungen führen (der Nestbau der Bienen, das Töten der Drohnen und Räuber), werden als Sozialinstinkte bezeichnet; die Eigentums- und Lebensachtung bei dem Menschen, die Nächstenliebe, Vaterlandsliebe u. s. f. als analoge 01 aufgefaßt.