Irokesen oder IJroquois ist bei den neuern Ethnographen der gemeinsame Name für eine Gruppe mehr oder minder sprachlich nahe verwandter, einst mächtiger und einflußreicher Indianerstämme des östl. Nordamerika geworden. Die Iroquoisnation zerfällt in zwei Gruppen, eine größere nördliche und eine kleinere südliche. Die nördl. Gruppe zerfällt abermals in zwei Abteilungen, eine östliche und westliche. Jene wurde von den sog. Fünf Nationen, wie sie die Engländer, oder Iroquois, wie sie die canad. Franzosen nannten, diese durch die Wyandots oder Huronen (s. d.) und die Attionandarons oder Neutrale Nation gebildet. Die eigentlichen J. oder die Fünf Nationen, nämlich die Mohawks, Oneidas, Onondagas, Cayugas und Senecas, hatten ihre Wohnsitze im Süden des St. Lorenz und des Ontariosees und breiteten sich von dem Hudson bis zu den obern Zweigen des Alleghanyflusses und zum Eriesee aus. Die polit. Konföderation, welche dieselben bildeten, war schon vor Ankunft der Europäer sehr mächtig und in stetigen blutigen Kriegen teils mit stammverwandten, teils mit fremden Nationen begriffen. In der Kriegfuhrung zeigten sie weit mehr Intelli-Kn als die ihnen benachbarten Nationen des lgonkin-Lenapestammes und waren auch in der Agrikultur, der Anfertigung der Waffen wie der übrigen Kunstfertigkeiten weiter vorgeschritten. Ihre Macht und ihre Vorteile über ihre Nachbarn wurden bald noch dadurch erhöht, daß sie zuerst mit den Europäern in Berührung kamen und von diesen den Gebrauch der Feuerwaffen kennen lernten. Ihr Anteil an den Kriegen zwischen Engländern und Franzosen in jenen Gegenden ist nicht unbedeutend. Seitdem ihre Nachkommen aus dem Gebiet der Union nach dem Westen versetzt worden Rah leben nur noch einige Reste in Canada in der ähe der großen Seen. In den J. 1714 und 1715 wurden von der Konföderation als sechste Nation noch die Trümmer der Tuscaroras aufgenommen. Letztere waren nach unglücklichen Kriegen mit den Bewohnern Carolinas ausgewandert, wo sie einst die mächtigste Nation waren und mit den ausgestorbenen Meherrins (Tutelos) und den Nottoways die Gruppe der südl. Iroquois bildeten. Durch den amerik. Sprachforscher H. Hale ist in neuester Zeit die Verwandtschaft der Irokesen-Idiome mit der hewurher der im Süden wohnenden Tschirokesen nachgewiesen worden. Vgl. Schoolcraft, «Ilistory of the Iroquoiso (Neuyork 1846). ronie (grch.). Der Begriff der J. ist hauptsächlich durch Sokrates in die Welt gekommen. Dieser pflegte gewöhnlich so zu philosophieren, daß er irgend einen, der auf sein Wissen stolz war, veralaßte, über einen Gegenstand des menschlichen Wissens zu sprechen. Wenn nun dieser seine Weisbar darlegte, machte ihm Sokrates Einwürfe, scheinar um sich zu belehren, in Wahrheit aber, um den Vortragenden auf die Lücken und innern Wider-Duuch seines Wissens aufmerksam zu machen und urch diese Kritik des falschen Wissens in ihm und andern die Lust zum wahren philos. Wissen anzuregen. Sokrates war also unter dem Scheine des Richtwissens recht eigentlich der wahrhaft Wissende. So ist es gebräuchlich geworden, unter dem Namen der J. eine Redewendung zu verstehen, die spottend das Gegenteil von dem sagt, was sie eigentlich meint, lobt, was sie tadeln, tadelt, was sie loben will. Eine tiefere Bedeutung hat die J. wieder durch die sog. Romantische Schule erhalten. Insofern Sokrates, um die Gedanken seiner Gegner zu widerlegen, diese nicht nur klar überschauen, sondern frei und bewußt über ihnen stehen mußte, verstanden die Romantiker, namentlich Novalis, Fr. von Schlegel, Solger und Tieck, unter der J. das notwendige Gegenstück der kunstlerischen Begeisterung, das Schweben des Künstlers über seinem Stoff, sein freies Spiel mit ihm, oder, wie es Tieck ausdrückt, jene letzte Vollendung eines Kunstwerks, jenen Athergeist, der befriedigt und unbefangen über dem Ganzen schwebt. Diese romantische Theorie der J. war anfänglich von F. von Schlegel aus der Fichteschen Lehre von der Freiheit des absoluten Ich mit Beziehung auf die Form der Goetheschen Dichtung entwickelt worden; aber freilich ging auch Schlegel zuerst so weit, daß die J. zu einem Hinwegsetzen über alles Wesentliche und jeden Ernst, zu einem blasierten überalleshinaussein wurde. Gegen diese Bedeutung der J. hat Hegel angekämpft, und diese vornehmlich ist es, die man im Auge hat, wenn in neuerer Zeit von der «berüchtigtendo romantischen J. gesprochen wird. ronside (engl., spr. Eir'nseid, d. h. Eisenseite), Beiname des engl. Königs Edmund (s. d.).