FeedHuronen
GeschichteBrockhaus 1882

Huronen, ein vormals mächtiger Indianerstamm Nordamerikas, zur großen irokesischen Sprachfamilie gehörig, nahmen im 17. Jahrh., etwa 30000 Seelen stark, einen ungefähr 6000 akm großen Landstrich an den östl. Ufern des nach ihnen benannten Sees ein. Die H. waren ein aus vier haneinander grenzenden Nationen gebildeter Bund, u dem später noch eine fünfte hinzukam. Der Stamm wurde in Clans geteilt und von Sachems oder Häuptlingen regiert, welche durch weibliche Erbfolge bestimmt wurden. Im J. 1632 setzten die Ion die bereits von Iu der lehten begonnene Mission bei ihnen fort. In der letzten Hälfte des 17. Jahrh. wurden die H. durch Hungersnot und einen Krieg mit den ihnen verwandten Irokesen (s. d.) teils vernichtet, teils versprengt. Einige er-Lirt sich ihren Feinden und wurden ihnen einvereibt, andere von den Jesuiten in die Umgegend von Quebec geführt, wo sie sich unvermischt nur in sehr geringer Zahl erhalten haben. Sie zählten 1736 60 oder 70 waffenfähige Männer; 1872 war der Stamm 264 Seelen stark. Die Tionnontates, jene fünfte, später hinzugekommene Nation des Bundes, flohen nach Wisconsin, nahmen jedoch nach ihrer übersiedelung nach Sandusky in Ohio den Namen Wyandot an und wanderten 1832 in der Stärke von 687 Köpfen nach Kansas aus, wo sie 1855 das Bürgerrecht erhielten. Die H. nannten sich Ontwaonwes, d. h. wahre Männer⸗, und als Stamm Wendat; ihren unter uns geläufigen Namen erhielten sie von den Franzosen wegen ihrer eigentümlichen Haartracht (hures, Wildschweinsköpfe). Vgl. Parkman, The jesuits in North-Americay (Boston 1867; deutsch, Stuttg. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 477Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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