Jakob, nach der hebr. Stammsage Isaaks zweiter Sohn und der Stammvater der Israeliten. Die volkstümliche Überlieferung hat seine Lebensgeschichte mit sichtlicher Vorliebe ausgemalt. Nach derselben wußte er von seinem ältern Bruder Csau (s. d.) das Recht der Erstgeburt durch ein Linsengericht an sich zu bringen und erschlich später auf Anstiften seiner Mutter Rebekka von seinem Vater auch den Segen des Erstgeborenen und mit diesem die Verheißung Abrahams. Die Rache des schwer beleidigten Bruders fürchtend, floh er zu seinem Verwandten Laban in Mesopotamien, welchem er 14 Jahre um den Preis seiner Töchter Lea und Rahel, und noch 6 Jahre, um eine Herde zu erwerben, diente. Danach entzog er sich diesem mit Weibern, Kindern und Eigentum durch die Flucht und, als er verfolgt wurde, durch gütlichen Vergleich, kehrte nach Kanaan zurück und weidete auf dessen Triften, nachdem er sich mit seinem Bruder ausgesöhnt hatte. Es werden ihm nach der Sage zwölf Söhne zugeschrieben, sechs von Lea: Ruben, Simeon, Levi, Juda, Isaschar und Sebulon; zwei von Rahel: Joseph und Benjamin; je zwei von seinen beiden Mägden Bilha und Silpa: Dan und Naphtali, und Gad und Asser. Joseph erscheint als Lieblingssohn des Vaters, den die neidischen Bruder verderben wollen und in die Sklaverei nach Agypten verkaufen, wo er schnell zum Statthalter aufsteigt und Vater und Brüder zu sich nach Agypten beruft. Hier weist Joseph ihnen Wohnsitze an im weidereichen Land Gosen, wo J. im 147. Lebensjahre gestorben sein soll. Vgl. Bernstein, «Ursprung der Sagen von Abraham, Isaak und J.» (Berl. 1871).