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ErdkundeBrockhaus 1882

Javanische Sprache und Litteratur. Die javanische Sprache ist ein Zweig des sog. malaiischpolynesischen, sich von der Malaiischen Halbinsel und der Insel Sumatra, seinen Centralpunkten, westwärts bis nach Madagaskar, östlich aber über den Malaiischen Archipel und dessen nordöstlichste Provinz, die Philippinen, bis zu den Carolinen und andern, noch östlicher gelegenen Inselgruppen im Stillen Ocean, wie den Archipelen der Freundschafts⸗ und Societätsinseln, Neuseeland u. s. w. ausbreitenden Sprachstammes. Die javanische Sprache ist einer der wichtigsten und interessantesten Zweige dieses Stammes. Sie verdankt diese Eigentümlichkeit dem Umstand, daß schon in einer sehr alten, chronologisch nicht mehr bestimmbaren Zeit zwischen Vorderindien und Java ebenso lange dauernde als ausgebreitete, in das ganze Volksleben auf dieser Insel eindringende und dasselbe durchdringende Beziehungen stattfanden. Auf die Bevölkerung von Java, die, wie man annehmen kann, zur Zeit, wo zuerst eine Einwanderung von Vorderindien nach dieser Insel geschah, noch in einem rohen Naturzustande verkehrte, übertrug sich das spezifisch ind. Kulturelement sehr bald und zugleich dauerhaft. Einer der Hauptfaktoren derselben aber war die Sprache. So entstand allmählich durch die Aufnahme einer Menge fremder, dem Sanskrit angehörender Elemente in das ursprünglich auf uudie Insel herrschende malaiisch-volynesische Idiom ie gegenwärtige javanische Sprache. Da die ausheimische, ind. Kultur und mit ihr die ind. Sprache nicht in gleichem Maße auf der ganzen Insel, und zwar in ihrem westlichsten Teile weniger als in ihrem östlichern Teile, ostwärts von dem Flusse Losari, Eingang und Verbreitung fanden, so entwickelten sich bei der Bevölkerung von Java sehr bald zwei die Grenzen einer bloßen Dialektverschiedenheit überschreitende Idiome. Es entstanden die sog. Sundasprache im Westen von dem Flusse Losari und die eigentliche javanische im Osten des— selben. Die erstere ist roher, unausgebildeter und der ursprünglichen Sprache auf Java, vor seinen Beziehungen zu der ind. Kultur, näher stehend als die letztere. Diese zerfiel wieder in einen Volksdialekt, Biasa Ngoko, den höher Stehende gegen Niedrigere, und einen feinern und gewähltern, Biasa Kromo, den Niedrigere gegen höher Stehende noch heute gebrauchen. Auch bildete sich auf Java eine litterarische, dem Sanskrit nahe stehende Sprache, das Kawi, heraus, von dem aber mehr als zweifelhaft ist, ob es jemals gesprochen wurde. Das Kawi ist dem Sanskrit sehr nahe verwandt und unterscheidet sich von diesem hauptsächlich durch seinen Mangel an Flexionen. Zu der Volkssprache auf Java, wie sie gegenwärtig noch besteht, verhält sich das Kawi ähnlich wie das Sanskrit zu dem Prakrit in Vorderindien. Gegenwärtig wird das Kawi nur noch von wenigen Javanen verstanden. Mit Bezug auf die Kawisprache ist das berühmte Werk von Wilhelm von Humboldt: Küber die Kawisprache auf der Insel Javav (3 Bde., Berl. 1836— 39) noch immer von großem Werte. Von litterarischen Werken, die erhalten geblieben, sind hauptsächlich zu erwähnen die Heldengedichte Ardjona— Wiwahar (herausg. von Friederich, Batavia 1851, und von Kern, Haag 1871), (Boma Kawjas (von Friederich, Batavia 1852), Brätä-Joudäs (von Kern, Haag 1873), «Inscription from the Kawi or ancient Javanian language, taken from a stone, found in Surabaja. Translated into the modern idiom by Nata Kasuma and rendered into English by Crawfurd (Batavia 1826), Kawi-oorkunden. Met inleiding and transcriptie door A. B. Cohen Stnarto (Batavia 1870), Romos (herausg. von Winter, Batavia 1847). Diese Dichtwerke im Kawi sind meistens nur libersetzungen aus den Mahabharata und Ramayana. Auch übersetzungen von ihnen in das Javanische sind vorhanden, wie z. B. (herausg. von Cohen Stuart, 2 Bde., Batavia Drie Jav. heldendichten in javaansche proza verkort door C. F. Winter, uitgeeven door T. Roordao (Amsterd. 1848), Bratawidjaga, Raden Demang. zedeédicht Bidajatoussaliko (Batavia 1864). Vgl. Dulaurier, KMémoire, lettres et rapports relat. au cours de langues malaye et javanaise, fait de 1840 —429 (Par. 1843).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 823Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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