Iberer (lat. Ibéri, Ibéres) nannten die Alten ein Volk, welches nicht nur die ganze Pyrenäis Halbinsel, sondern au Aquitanien und die nordwestl. Küsten und Inseln des Mittelmeers bis zum untern Rhöne hin bewohnte und mit seinen verschiedenen Unterabteilungen einen ganz selbständigen und eigentümlichen Sprachstamm bildete, dessen letzte Reste die heutigen Basken (. d.) sind. Wie die Hrni . von W. von Humboldt und neuerdings von Kiepert bekundet haben, läßt sich der größte Teil der auf uns gekommenen iber. Orts⸗ und ůe onennamen aus dem Baskischen erklären. Auf der Pyrenäischen Halbinsel (s. Hispa— nia) zerfielen die J. in eine bedeutende Anzahl von Völkerschaften, deren Kulturstufe jedoch eine sehr verschiedene war. Ackerbau und Viehzucht stand in vielen Gegenden in Blüte. Unter den Industriezweigen hatte im Süden namentlich die künstlerische Bearbeitung der Metalle eine hohe Stufe erreicht, und der Bergbau wurde ziemlich schwungvoll betrieben. Die J. hatten eine weitverbreitete nationale Schrift, die sich in zwei Hauptarten spaltete und deren Ursprung in sehr frühe Zeit hinaufzureichen scheint. Für die civilisierteste iber. Völkerschaft galten die Turdetaner im untern Andalusien, welche geschichtliche Aufzeichnungen, alte Helden— lieder und geschriebene Gesetze besaßen. Auch die Turduler, die einen Teil Lusitaniens innehatten, standen auf einer ziemlich hohen Bildungsstufe. Für den kriegerischsten Stamm galten die Cantabrer im Norden des spätern Altcastilien, welche die letzten Kämpfe mit den Römern (24—18 v. Chr.) bestanden. Als die Vorfahren der Basken sind die Vasconen zu betrachten. Die Stämme der Celtiberer waren durch Mischung von J. mit eingewanderten Celten entstanden. Mit den Karthagern standen die J. in einem lebhaften Handelsverkehr, wodurch ihnen auch mancherlei fremde Kulturelemente zugeführt wurden. Iber. Söldner bildeten einen bedeutenden Teil der karthag. Heere. Die röm. Kultur fand bei den civilisierten Völkerschaften bald festen Fuß, sodaß die Latinisierung der Pyrenäischen Halbinsel (seit Augustus) verhältnismäßig rasch vor sich ging. Unter den erhaltenen Resten der altiber. Kultur sind besonders eine Anzahl Münzen hervorzuheben, die Boudard in der Numismatique ibériennen (Par. 1859) beschrieben hat.