Jekaterinoslaw, Gouvernement in Süd⸗ oder Neurußland, zwischen Charkow und Pultawa im N., Cherson im W., Taurien im S., dem Asowschen Meere und dem Lande der Donischen Kosaken (in welchem Taganrog liegt) im O., zählt, mit dem Stadtgouvernement Taganrog und dem Lande der Asowschen Kosaken zu einem Verwaltungsbezirke verbunden, auf 67 720 akm (1882) 1532045 E. Das Land ist eine steppenartige, grasreiche Ebene, die nur im Westen des Dnjepr und längs dieses Stroms selbst einige Abwechselung erleidet, wo die unter dem Namen der Porogi bekannten Wasser⸗ —— durch zum Teil romantische und fast gebirgige egenden hindurchstürzen. Das Klima ist mild und gesund. Bei der südl. Lage des Landes wachsen Rau Aprikosen, Pfirsichen, Kirschen, Maulbeeräume, Mandel⸗ und Feigenbäume, und auch die Rebe, Melone und Arbuse gedeihen im freien Felde. Eine besonders häufig vorkommende Frucht ist der Schlehdorn, aus dessen Beeren man den Schlehenwein, Ternewka, bereitet. Außer dem Ackerbau bilden der Seidenbau und die veredelte Schafzucht durch span. Merinos das Hauptaugenmerk der Regierung, die den Wohlstand dieser in der Mitte des 18. Jahrh. erworbenen Gebiete eifrig zu heben sucht. Bereits sind hier Hunderte von Kolonien aus den verschiedensten Nationen angelegt. Man findet neben Deutschen Tataren und Perser, neben Großrussen und Kosaken Griechen, Georgier und Armenier, neben Magyaren und Serben Moldauer, Walachen, Bulgaren und Albanesen oder Arnauten nebeneinander. Chortitz ist der Hauptort der deutschen, Nachitschewan der armen. Kolonisten. Ackerbau und Viehzucht gewähren der Bevölkerung reichen Ertrag. Auch der Handel ist bedeutend und wird durch die Hafenorte Taganrog, Mariupol und Berdjänsk begünstigt; dagegen ist die Industrie noch sehr unbedeutend. Der Boden birgt auch Steinkohlen, was bei dem Holzmangel von Bedeutung ist. Das Land wurde 1802 zum jetzigen Gouvernement organisiert und zerfällt in acht Kreise. Die Hauptstadt Jekaterinoslaw, am rechten Ufer des Dnjepr oberhalb der Stromschnellen 1786 von Potemkin gegründet und nach Katharina II. benannt, durch Zweigbahn nach Sinelnikowo mit der Eisenbahn Losowo-Sewastopol verbunden, ist Sitz eines Civilgouverneurs und des Bischofs von J. und Taganrog und hat einen Domänenhof, ein Medizinalamt und ein chirurgisches Institut, eine evang., eine kath. und neun griech. Kirchen, eine Synagoge, ein Priesterseminar, ein Gymnasium, zwei Kreis⸗ und zwei Pfarrschulen, eine Realsch ule, sowie mehrere Hospitäler und Wohlthätigkeitsanstalten und (1882) 33 973 E. Auch befindet sich hier ein Palast Potemkins, schöne Parks und öffentliche Gärten, sowie ein Denkmal der Kaiserin Katharina II. Der Ort ist ein Hauptstapelplatz für den Handel nach Odessa und unterhält zwei Jahrmärkte. 2