FeedHertford oder Herts
ErdkundeBrockhaus 1882

Hertford oder Herts, eine der mittlern Graf-Middlesey, Buckingham und Bedford gelegen, ist nur an der Nordgrenze von der Kalkhügelreihe der Chiltern-Hills mit 240 —275 m hohen Gipfeln durchzogen, im übrigen eine Ebene, welcher die Thalfurchen des Lea, Colne u. s. w., nebst dem von Gehölzen, Baumpflanzungen, Wiesengründen und Getreidefeldern, von Landsitzen, Pachthöfen und Ortschaften ein ebenso freundliches als reiches Ansehen geben. Die Grafschaft zählt auf 1582,8 dEm (1881) 202 990 CE., die sich meist von Ackerbau und Viehzucht nähren. Weizen und Gerste gedeihen aufs vortrefflichste; auch wird viel Obst gezogen. Das kurzgeschwänzte Hertfordschaf hat ein vorzügliches Vlies. Die Industrie ist von geringer Bedeutung, doch gibt es eine Anzahl von Seidenspinnereien, und außerdem erzeugt man Strohgeflechte, Hüte und gutes Papier. Die Produkte der Landwirtschaft, Getreide und Malz, finden ihren Garund markt in London, dessen Nähe viel zur Bereicherung und Blüte des Landes beiträgt. Die Grafschaft schickt drei Abgeordnete in das Parlament, zwei andere die gleichnamige Hauptstadt. Die Hauptstadt Hertford ist eine Municipalstadt, 43 EKm im N. von London, links am schiffbaren Lea und an der Great-Northern⸗ und Great-Eastern-Eisenbahn, und zählt (1881) 7585 E., welche einträglichen Handel mit Korn und Malz betreiben. Der Ort hat acht Kirchen, darunter die Michaeliskirche mit einem Denkmal des Bacon von Verulam, ein Stadthaus mit Gerichtssaal, eine Kornbörse, ein großes Krankenhaus, eine Lateinschule, eine Zweiganstalt des Londoner Christ-Hospitals mit 450 Knaben und Mädchen, ein Handwerkerinstitut und einen Verein für gegenseitige Bildung. Die Reste des alten, von Eduard dem Alten 909 erbauten Schlosses, welches einst das Gefängnis der Könige Johann von Frankreich und David II. von Schottland war, werden jetzt als Schule benutzt. Außerhalb der Stadt liegt das Grafschaftsgefängnis. Das Haileybury-College der Ostindischen Compagnie ist aufgehoben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 162Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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