Joerisse, eine Figur der franz. Komödie. Er bildet eine der zahlreichen Typen der Rumcher Bedienten und ist namentlich die volkstümliche Ver— körperung der Albernheit und Ungeschicklichkeit. Dann ist er aber auch ein tölpischer CEhemann, der unter dem Pantoffel steht und sich im Haushalt um die kleinen Geschäfte bekümmert, die dem Mann am wenigsten zukommen, also soviel wie Topfgucker. Jocus (lat.), Scherz; auch der Genius des Scherzes; Jocusstab, Stab mit einem Brustbilde, welches die Freude oder auch ein Zerrbild mit Schellenkappe vorstellt; Jo ci causa (im klassischen Latein: per jocum), Spaßes halber; extra jo:- eum oder joco remoto, Spaß beiseite; inter jocos et seria, unter Scherz und Ernst; jocds, scherzhaft, spaßig; Jocosa, scherzhafte Dinge, Possen; Joculator, Spaßmacher Gaukler; davon Jongleurs (s. d.). Jod, Haloid, s. unter J(als Vokal). Jodelle (Etienne), Sieur de Lymodin, geb. zu Paris 1532, der Dramatiker des Dichterkreises des sog. Siebengestirns (Pleiade), ist als solcher von Bedeutung, insofern er zuerst mit den mittelalterlichen Formen des Dramas, den Mysterien, Moralitäten und Farcen, brach und den Versuch unternahm, nach dem Vorbilde der antiken Tragödie und . Komödie komponierte Dramen in franz. Sprache zu verfassen. Durch die beiden noch unvollkommenen, litterarhistorisch aber interessanten Tragödien Cléopätre captivey (1552) und Didon se sacrifianto (1553), sowie eine etwas leichtfertige Komödie Eugène wurde er der Begründer des. klassizierenden franz. Dramas. Bei dem Mangel an gebildeten Schauspielern im 16. Jahrh. wurden seine Stücke nur selten gespielt. Eines besondern Charakters entbehren seine lyrischen Gedichte (Sonette, Oden, Elegien, Chansons), meist erotischen Fubalt; und im Geschmacke seiner Zeit. Seine i Eitelkeit und Unzuverlässigkeit brachten ihn nach einigen Jahren ungeteilter Bewunderung um Ansehen und Freundschaften, und ein ungezügeltes 4 Leben führte ihn in ein frühes Grab (Juli 1573). Nach seinem Tode erschienen seine «Oeuvreso (Par. 1574; beste Ausg. von Marty-Laveaux, 2 Bde., Par. 1868—70). J. war auch Maler, Bildhauer und Architekt. Jodeln, eine bei den Bewohnern der Alpen ursprüngliche Gesangsart, deren Eigentümlichkeit im Übergange von den Brusttönen zum Falset (Fistel) besteht. Bald bildet es den Refrain eines Gesangstextes, bald auch tritt es selbständig 5.22 Jodoru s. Jod (mit J als Vokah. odoeus oder Jobst, Markgraf von Mähren seit 12. Nov. 1375, war ein überaus unruhiger und ländersüchtiger Fürst, welcher die Verlegen-Iönen und Zwistigkeiten seiner Vettern von der önigl. Linie der Luxemburger, der Könige Wenzel von Böhmen und Sigismund von Ungarn, benutzte, um als Freund oder Feind ihnen ihre Länder abzudrängen. J. erwarb so nach und nach den Pfandbesitz von Luxemburg, der Landgrafschaft Elsaß, der Mark Brandenburg und der Lausitz, des nordwestl. Ungarn und einmal sogar der Regentschaft in Böhmen. Aber da diese Pfänder ihn in viele Kriege verwickelten, hatte er von ihnen geringen Vorteil und sie dienten ihm nur als Quellen der Erpressung. Nach dem Tode des deutschen Königs Ruprecht von der Pfalz bewarb J. sich um die Nachfolge und wurde wirklich 1. Okt. 1410 erwählt, starb aber, ehe er ins Reich kommen konnte, 17. Jan. 1411 angeblich an Gift. Da er kinderlos war, fielen die Pfandgüter an ihre Herren zurück. Jodocus Pratensis, s. Josquin Desprez. Jodoigne (lat. Geldonia, vläm. Geldenacken), Städtchen im Bezirk Nivelles der belg. Provinz Brabant, 38 Km im OSO. von Brüssel, an der Geete, Station der Linie Tirlemont-Ramillies der Belgischen Staatsbahnen, mit 4332 E., Wollspinnerei, Tabaksfabriken und Steinbrüchen. Der Ort wurde 1194 durch Herzog Heinrich II. von Brabant zur Stadt erhoben. — In der Nähe, bei Ramillies, siegte 23. Mai 1706 der Herzog von Marlborough über den Marschall de Villeroi.