FeedJongleurs
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Jongleurs, von dem mittellat. joculator, proveng. joglar, joglador, altfrz. joglére oder jogléor, hießen bei den Provengalen und Nordfranosen die Spielleute von Profession, zum Unterschied von den gelehrten und höfischen Kunstdichtern, den Troubadours und Trouveres im engern Sinne. Die J. befanden sich entweder in deren Sold, verrichteten Botendienste und trugen deren Lieder unter Instrumentenbegleitung vor, was übrigens, wenn auch seltener, die Kunstdichter bisweilen selbst thaten, oder sie gehörten zu dem Hofrsonal kleinerer und größerer Fürsten Frankreichs, als welche sie auch den Namen Ménéstrels, in England Minstrels, führten, besonders, wie es scheint, wenn 0 selbst dichteten und Musikinstrumente zu handhaben verstanden, oder sie lebten unabhängig, vom Vortrage epischer, satirischer Dichtungen und Verserzählungen, vom Spiel musikalischer Instrumente, womit sie adeligen, bürgerlichen und ländlichen Kreisen auf Burgen und Märkten Unterhaltung schafften, und waren als solche teils wegen ihres Lebenswandels, teils weil sie meist auch Kunste niederer Art, wie Tanz, guymnastische und Gauklerspiele, mimisch-dramatische Vorstellungen, Produktion abgerichteter Tiere danit verbanden, bei allem Wohlgefallen, das ihre Künste bereiteten, verachtet, sodaß Kirchenbann und Landesverweisung über sie verhängt wurden. In Begleitung der tiefer stehenden, der eigentlichen Vorfahren unserer Jahrmarktskünstler, befanden sich auch weibliche Kunstgenossinnen (Jongleresses). Die an größern Höfen dienenden J. standen gewöhnlich unter einem Roi des ménéstrels, Direktor oder Kapellmeister, und in den Städten bildeten die Spielleute eine besondere Zunft (Corporation des ménétriers), die durch Ordnungen geregelt war. Dem französischen J. entspricht in Deutschland der spilman. (Vgl. Freymond, J. und Menestrelso, Halle 1883; Vogt, 4Leben und Dichten der deutschen Spielleutev, Halle 1876.). Gegenwärtig versteht man unter J. lediglich die Meister in allen Übungen der Körpergewandtheit und Aquilibristik. Schon die Alten, namentlich die Römer, kannten diese Tausendkünstler, die man im allgemeinen Praestigiatores, d. i. Wundermänner, nannte. Bekannt waren besonders die Messerwerfer (Ventilatores) und die in steter Bewegung sich umhertreibenden Ballspieler und Kugelwerfer (Pilarii). Die größten Meister dieser Art aber lieferten aus tausendjähriger EIaün em Indien und zum Teil Vorderasien. Von den Hindu zu einer Kunst erhoben, wurden diese Jonglerien ein Gewerbe, das in China, an der Küste Koromandel und auf den beiden Halbinseln diesseit und jenseit des Ganges noch gegenwärtig betrieben wird.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 883Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 2

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Handwerk & Gewerbe 6