Johannes II. Komnenos, byzant. Kaiser, Sohn des Komnenen Alexios J. und der Irene Dukana, Bruder der Geschichtschreiberin Anna Komnena, geb. etwa 1088 n. Chr., 1104 mit der magyar. Prinzessin Pyriska(Ladislas I. Tochter) vermählt, folgte 15. Aug. 1118 seinem Vater als Kaiser. Als tüchtiger Heerführer und Diplomat gewann J. den Seldschuken in Kleinasien einen erheblichen Teil dieses Landes wieder ab, vernichtete am Balkan die Petschenegen und übte nach Ausgleichung eines gefährlichen Konflikts mit Venedig (1126)den bedeutendsten Einfluß auf Ungarn, wie auf die fränk. Staaten in Syrien aus, während er zugleich sein Reich, durch den Minister Axuchos unterstützt, im Innern tüchtig verwaltete. Der Graf Raimund von Antiochia mußte im J. 1137 Lehnsmann des Kaisers werden. Unter den Vorbereitungen zu einem großen militärischpolit. Zuge nach Jerusalem starb J. 8. April 1143 in Cilicien; ihm folgte sein Sohn anuel. Iopanges III., byzant. Kaiser, s. unter Dukas. Kaiser pon Abessinien,führte ursprünglich den Namen Kasa (Lidi Kassai), und war Untergouverneur von Adowa und Umgegend. Seit 1863, als der Wägschüm Göbäze von Lastä den rechtmäßigen Gouverneur von Tigré, Ras Bariu, vertrieben, war er Untergebener des Göbäze. Aber gegen diesen, den mächtigen Feind und Nebenbuhler des Kaisers Theodoros, rebellierte er, unterwarf sich 1867 den Hailu, Gouverneur von Hamasen, eroberte die für uneinnehmbar geltende Bergfeste Amba Zion in Tigré, und nahm schon im Oktober 1867 die Stellung eines Königs von Tigré ein. Während der Vorbereitungen des englisch-abessinischen Feldzugs unterhandelte er im November 1867 mit dem engl. Oberst Merewether, später mit Major Grant, und schloß am 25. Febr. 1868 mit dem engl. Oberkommandanten Sir Robert Napier einen Vertrag, worin er Neutralität versprach. Nach dem Falle des Theodoros belohnte ihn Napier durch berlassung vielen Kriegs— materials und reicher Vorräte. Bald nach dem Abzug der Engländer begann zwischen Kasa und Höbäze der Kampf um den Kaiserthron. Schließlich vurde Göbäze, welcher mit fünffach berlegenemHeer oor Adowa gerückt war, von Kasa am 14. Juli 1871 geschlagen, gefangen und auf Amba Salämä eingeschlossen, wo er bald starb. Darauf ließ sich Kasa am 21. Jan. 1872 in Arum krönen und nahm den Namen J. an. Indessen war seine Stellung noch wenig befestigt; Räs Adal, der Herrscher von God—⸗ jam, rebellierte noch im selben Jahre. Durch ihn be— schäftigt, mußte J. die Wegnahme der Provinzen Bogos und Halhal durchdie Agypter unter W. Munzinger geschehen lassen. Als jedoch 1875 die ägyptischen Truppen unter Arakel Bei von Massaua aus durch Hamasen anrückten, machte J. mit Räs Adal Frieden, und rieb die Agypter in dem Thale Gudda— Guddi (nach der linken Bergwand auch Gundet genannt) vollständig auf, 18. Nov. 1875. Zu gleicher Zeit wurde eine ägypt. Heeresabtei— lung, die unter Munzinger von Tadjura aus nach Schoa eindringen und gemeinschaftlich mit Menilek, Rönig von Schoa, gegen J. vorgehen sollte, durch die Galla bei Aussa niedergemacht. Eine neue ägypt. Armee, welche unter Prinz Hassan im Februar 1876 von Massaua aus bis zum obern Mareb vordrang und bei Gura ein starkes Fort errichtete, wurde 7. März 1876 bei Gura vollständig bis auf wenige Flüchtlinge (darunter Prinz Hassan) vernichtet. Seit dem Sommer 1879 unterwarf sich auch König Menilek von Schoa J. Oberhoheit, sodaß jetzt wirklich Abessinien unter ihm geeinigt ist. Seit 1879 hat sich J. wiederholt schriftlich an verschiedene europäische Höfe mit der Bitte gewandt, ihm zur Wiedergewinnung der von den Agyptern geraubten Landschaften und eines Stücks Meeresküste mit einem Hafen 1phe O zu sein; auch an Kaiser Wilhelm kamen solche Schreiben, welche dann die Mission G. Rohlfs' an ihn im Winter 1880/81 zur Folge hatten; unter dem 10. April 1883 hat er die Bitte an Kaiser Wilhelm wiederholt. J. arbeitet mit Energie an der Ordnung und Einigung seines Reichs. Die wilden Gallastämme wurden gezüchtigt, die Mohammedaner im Reich, welche den Übertritt zum Christentum verweigerten, zur Auswanderung ge— zwungen. Nach einem am 3. Juni 1884 in Adowa unterzeichneten Vertrag zwischen der britischen Re— gierung und König J. (vermittelt durch Admiral Hewett) wurde die Ein⸗ und Ausfuhr über Massaua freigegeben und 1. Sept. 1884 das von Agypten weggenommene Bogosland wieder an Abessinien zurückgegeben. Hauptresidenz des J. ist Samarä in der Landschaft Dabra Tabor. Vgl. Gerh. Rohlfs, Meine Mission nach Abessinienv (Lpz. 1883).