Jud oder Judae (Leo), Mitarbeiter Zwinglis in der schweiz. Reformation, geb. 1482 zu Germar im Elsaß, studierte in Basel, wirkte später als Pfarrer zu St. Pilt im Elsaß, ward 1519 Nachfolger Zwinglis zu Einsiedeln, 1523 Pfarrer an der Peterskirche zu Zürich, wo er 19. Juni 1542 starb. Mit unermüdlichem Eifer stand er Zwingli zur Seite, übersetzte die meisten seiner Schriften ins Deutsche oder ins Lateinische, schrieb einen großen und einen kleinen Katechismus und war der eigentliche Urheber der schweiz. Bibelübersetzung. Vgl. C. Pestalozzi, Leo J.» (Elberf. 1860). Juda erscheint in der israel. Stammessage als der vierte Sohn Jakobs (s. d.) von der Lea und spielt in einer der beiden Uberlieferungsreihen der Josephgeschichte eine hervorragende Rolle. Von ihm wird der beim Auszuge aus Agypten zahlreichste und bevorzugte Stamm J. abgeleitet, welchem beim Eindringen des Volkes Israel in Kanaan der ganze Suden des Landes mit dem damals fruchtbaren Gebirge J.» in der Mitte, der (Wüste J.v östlich davon bis zum Toten Meere, der reichgesegneten „Niederunge (Sephela) westlich bis zum? kittelmeere (größtenteils von Philistäern besetzt) und dem eigentlichen Südlandes (Negeb) mit Weidetriften zufiel, die den Übergang 0 den Wüsten des Peträischen Arabien bildeten und hauptsächlich von Simeoniten bewohnt wurden. In der zweiten Hälfte der Rich— terperiode hatte der Stamm J. die Hegemonie über die andern Stämme und gewann die größte Bedeutung, seitdem David aus demselben zumKönigerkoren wurde. Mit der Reichstrennung (975 v. Chr.) unter Rehabeam ging der Name J. auf das kleinere Südreich über, welches, aus den Stämmen JI., Benjamin, Simeon und Levi bestehend, dem Königshause Davids treu blieb, sich unter den Segnungen der Erbmonarchie stetiger und glücklicher entwickelte als das Nordreich Israel, und seinen natürlichen, polit. und religiösen Mittelpunkt in Jerusalem mit seinem Tempel besaß. Gegen die Gefahren religibser und polit. Art, von denen das Reich J. allerdings auch fast jederzeit bedroht war Hfüberhandnehmen heidnischen Wesens, äußerer Ceremoniendienst und Werkheiligkeit, Angriffe von außen und Parteiung im Innern), eiferten nicht nur die Propheten, sondern dagegen richteten auch theokratische Könige, wie Asa und Josaphat, Joas, Hiskia und Josia ihre Reformbestrebungen. Gleich— wohl wurde das Reich J. schon seit König Ahas assyrischer, vorübergehend auch ägyptischer und zuletzt seit Eljakim chaldäischer Vasallenstaat. Schließlich eroberten und zerstörten die Chaldäer unter Nebukadnezar Jerusalem, führten den letzten König (den 19. der ganzen Reihe), Zedekia, mit dem größten Teile seines Volks ins Babylonische Exil (588 — 538 v. Chr.) weg und machten so dem Reiche ein Ende. Da das aus dem Exil zurückkehrende Volk fast ausschließlich den Stämmen J., Benjamin und Levi angehörte, so ging der Name J. auch wieder auf die auf den Trümmern Jerusalems und der Umgegend sich ansiedelnde neue Volksgemeinde über und hat sich als Nationalitätsbezeichnung bis auf den heutigen Tag erhalten. Judäa, s. Palästina. Juda ha-Levi (ben Samuel), arab. Abulhassan, jüd. Dichter, lebte um 1080 — 1140 in Castilien, von wo er gegen Ende seines Lebens nach Palästina wanderte. Dem Lebensberufe nach Arzt, war er einer der berühmtesten jüd. Dichter des Mittelalters. Von seinen Liedern, die sich durch Innigkeit der Empfindung und Wohllaut der Sprache auszeichnen, sind die meisten religiösen Inhalts und in fast alle Ritualien, zumal die orientalischen aufgenommen; eine Sammlung derselben ist von Luzatto begonnen, aber nicht zu Ende geführt worden. Nicht minder bekannt ist J. durch sein Werk Kusaris, welches in fünf Abschnitten die wichtigsten Gegenstände des Judentums in Gesprächsform behandelt. Das arab. Original ist bisher nicht veröffentlicht. Die hebr. UÜbersetzung durch Jehuda ibn Tibbon ist (seit 1506) oft gedruckt, kommentiert und übersetzt worden; von Buxtorf in das Lateinische 1660, von Dav. Cassel in das Deutsche 1853 und 1869. J. heißt nicht Juda Ben Halevi und ist nicht ö Verfasser des «Sabbatliedes Lecha Dodiv, wie H. „Heine im Romanceror angibt. Vgl. Geiger, Diwan des Abu'l Hassan Juda ha-Leviv (Bresl. 1851). ö Judas der Galiläer, nach seiner Vaterstadt Gamala am Ostufer des Sees Gennezareth von Josephus der Gaulanite genannt, leitete in Ge-Jmeinschaft mit einem Pharisäer Sadduk den gegen den röm. Census des Quirinius gerichteten Aufstand der Galiläer (7n. Chr.), die aber zersprengt „wurden. Ohgleich dabei auch J. selbst ums Leben 1kam, so gab es doch seitdem eine radikale phariusäische Partei unter den Juden, die sich an die Fa⸗ „ milie des J. anschloß, den gewaltsamen Widerstand gegen die Römerherrschaft predigte und schließlich den großen Jüdischen Krieg der Jahre 66—70 n. Chr. herbeiführte. (S. Zeloten.) Indasbaum, s. unter Cereis. ö JIudas Ischarioth, so genannt von seiner Vaterstadt Karioth im Stamme Juda, hieß derjenige unter den Jüngern Jesu, welcher ihn nach der evang. Erzählung an das jüd. Synedrium verriet, danach aber, von Reue über das Geschehene übermannt, sich selbst das Leben nahm. Nach Matthäus hatte er sich erhängt, die Apostelgeschichte läßt ihn einen Abhang herabstürzen und mitten entzwei bersten. Als Motiv des Verrats setzen der erste und der vierte Evangelist Habsucht voraus, was, abgesehen von allem andern, schon im Hinblick auf die geringe Summe, die Matthäus als Verräterlohn nennt (30 Silbersekel 60 Mark), wenig wahrscheinlich ist. Daher erklären Neuere den Verrat aus der Absicht des Judas, Jesum dadurch zur schleunigern Aufrichtung des Messiasreichs zu zwingen, was freilich in den Quellen nicht angedeutet ist und psychologisch ebenfalls seine Bedenken hat. Am wahrscheinlichsten bleibt die Annahme, daß J. in Jerusalem bei dem Zögern Jesu, das Messiasreich aufzurichten, und unter dem mächtigen Eindrucke des Tempels und seiner Herrlichkeit an der Sache seines Meisters irre geworden und mit dem Fanatismus eines Renegaten der jüd. Obrigkeit die Hand geboten habe, ihn als Empörer wider die gesetzliche Ordnung zu richten.