FeedJugurtha
GeschichteBrockhaus 1882

Jugurtha, König von Numidien, der Sohn des Mastanabal, eines unehelichen Sohnes des Masinissa, erhielt an dem Hofe seines väterlichen Oheims Micipsa, der dem Masinissa in der Herrschaft über Numidien folgte, eine so sorgfältige Erziehung wie dessen eigene Söhne Adherbal und Hiempsal. Er war schön und stark von Körper, mit großen Talenten begabt und bildete sich früh zum Krieger. Vor Numantia, wohin ihn Micipsa, der ihn zu fürchten begann, 134 v. Chr. den Römern zu Hilfe geschickt hatte, erwarb er sich durch Klugheit und Tapferkeit deren und ihres Feldherrn, des jungen Scipio, Achtung und Freundschaft. Als er zurückgekehrt war, suchte ihn Micipsa durch Güte zu fesseln, nahm ihn an Kindesstatt an und erklärte ihn mit seinen Söhnen zum gemeinschaftlichen Er— ben seiner Krone. I.s kein Mittel scheuende Herrsch— sucht zeigte sich bald nach Micipsas Tode. Bereits 117 v. Chr. ließ er den Hiempsal ermorden; Adherbal aber floh vor ihm nach Rom. Der dahin durch J. geschickte Gesandte gewann durch Bestechung den größten Teil des Senats. Die röm. Gesandtschaft, die unter Lucius Opimius nach Numidien zur Ordnung der Verhältnisse geschickt wurde, entschuldigte, von ihm gewonnen, Hiempsals Ermordung und gab bei der Teilung Numidiens zwischen Adherbal und J. diesem die bessere Hälfte. Nach ihrer Abreise fiel J. wieder in Adherbals Gebiet ein, eroberte, obwohl zweimal durch die Römer von der Belagerung abgemahnt, 112 die Stadt Cirta, in die er den Adherbal eingeschlossen hatte, und ließ diesen sowie die dort ansässigen Römer grausam töten. Da setzte der Tribun Memmius es in Rom durch, daß J. der Krieg erklärt wurde, den der Konsul Lucius Calpurnius Piso Bestia und sein Legat, der Konsular Marcus Ämilius Scaurus, mit Erfolg führten, bis sie beide von J. durch Bestechung gewonnen wurden. Doch ward der Friede in Rom nicht bestätigt, J. vielmehr auf den Antrag des Memmius nach Rom vor das Gericht des Volks beschieden. Zwar stellte er sich; als er sich aber verantworten sollte, legte ihm der Tribun Cajus Bäbius, den er erkauft hatte, Stillschweigen auf und vereitelte so eine Entscheidung der Sache. J. trieb seinen übermut in Rom so weit, daß er den Massiva, einen unehelichen Sohn des Gulussa, Bruders des Micipsa, in welchem er einen Nebenbuhler durch Gunst der Römer fürchtete, ermorden ließ. J. verließ jedoch Rom unter sicherm Geleit. Der Krieg gegen ihn wurde 110 vom Konsul Spurius Postumius Albinus ohne Erfolg fortgesetzt; ja nach dessen Abreise gelang es dem J., zu Anfang des J. 109 des Konsuls Bruder, Aulus Postumius, samt dem Heere einzuschließen und durchs Joch gehen zu lassen. Quintus Cäcilius Metellus, der nun als Konsul nach Numidien kam, blieb allen Bestechungskünsten unzugänglich. J. wurde von diesem im J. 109 in der Schlacht am Flusse Muthul geschlagen und 108 nach einer zweiten Schlacht und der Eroberung von Thala genötigt, zum mauretanischen Könige Bocchus zu flüchten. Nachdem Metellus auf den Betrieb des Marius zurückberufen worden, führte dieser den Krieg wider J. und Bocchus. Nach einigen Erfolgen der Römer über J. allein und sodann auch, als Boechus sich mit J. vereinigt hatte, über beide Könige lieferte Bocchus den J. an Sulla, damals Quästor des Marius, aus. Bei dem Triumph, den Marius 1. Jan. 104 in Rom feierte, wurde J. als Gefangener aufgeführt, dann in den Kerker geworfen und dem Hungertode preisgegeben. Eine Geschichte des Jugurthinischen Kriegs schrieb Sallustius (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 916Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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