Jüngling und Jungfran, Bezeichnung für die menschlichen Individuen der beiden Geschlechter während der Periode ihrer geschlechtlichen Entwickelung. Das Jünglings⸗, resp. Jungfrauenalter umfaßt denjenigen Lebensabschnitt, in welchem sich die Geschlechtsthätigkeit zu entwickeln beginnt und ihre Reife erlangt, also etwa die Zeit vom 13. bis zum 18. oder 20. Jahre; an diese Periode schließt sich die Zeit bis zum vollendeten Wachstum, bis zum 25. bis 28. Jahre, an. Der Unterschied in den körperlichen und geistigen Verhältnissen beider Geschlechter tritt schon sehr früh hervor, indes auffallend eigentlich erst um die Mitte der Kindheit. Schon hier beginnt der Knochenbau der Knaben wesentlich stärker, die Muskulatur kräftiger, die Formen weniger gerundet und eckiger zu werden. Schon jetzt „Made bei den Knaben das Bauchatmen, bei den Mädchen das Brustatmen vorzuwiegen, auch die Stimme bei den Knaben eine etwas nefert Lage einzunehmen. In gleicher Weise neigt schon jetzt das Gemüt des Knaben mehr zu dem Kräftigen, Starken, das des Mädchens zu dem Zarten, Weichen. (S. Kind.) In allmählicher Ausbildung dieser Unterschiede rückt die Zeit heran, in welcher die Geschlechtsthä— tigkeit beginnt. Bis dahin sind beide Geschlechter rasch in die Länge, weniger in die Breite gewachsen; von jetzt ab geschieht das Längenwachstum weniger schnell, und der Körper nimmt mehr an Breite und Fülle zu. Die Ausbildung des Knochengerüstes und der Muskeln wiegt beim Jünglinge bedeutend vor, seine Brust wird breit, der Kehlkopf ist stark entwickelt und die Stimmlage geht, oft ziemlich schnell, um eine Oktave und mehr herab; Bart- und Schamhaare sprossen, die Bildung des Spermas deginnt. Bei der Jungfrau füllen und runden sich die Formen immer mehr ab, das Becken gewinnt an Umfang, die Fortpflanzungsorgane bilden sich aus. Wie im ganzen Habitus und in den Gesichtszügen prägt sich auch im Charakter, in der geistigen und gemütlichen Sphäre der Unterschied immer stärker aus, welcher sich späterhin zwischen Mann und Frau so ausgesprochen und entschieden geltend macht; nur stehen die psychischen und physiol. Eigentümlichkeiten im Junglingsalter noch in ihrer Entwickelung. Zugleich weckt die Pubertätsentwickelung zahlreiche neue Empfindungen und Begierden; die Unbefangenheit der ersten Jugend hört auf und es nehmen gemessene Beziehungen zu dem andern Geschlecht und zu den Erwachsenen Platz. Während der Jüngling seiner Anlage und Thätigkeit nach mehr zum selbständigen Handeln getrieben wird, schließt sich die Jungfrau mehr abwehrend von der Berührung mit Fremdartigem ab. Das Jünglingsalter ist die Zeit der Ausbildung aller Kräfte. Das rasche Wachstum, die Umgestaltung von Körper und Seele, der Eintritt neuer Körperthätigkeiten können zahlreiche Störungen im Gesundheitszustand bedingen. Häufig sind bei kräftigen Individuen Blutwallungen nach dem Kopf (Kopfweh, Nasenbluten), nach der Brust (Beklemmung, Herzklopfen, wirkliche Herzerkrankung, Bluthusten, Brustentzündung, Tuberkulose), bei den Mädchen nach den Geschlechtsorganen (Schwere und Druck im Kreuz, Schmerzen vor dem Eintritt der Regel). Typhus und Rheumatismus sind gewöhnliche Krankheiten, im allgemeinen die Erkrankungen häufig, die Sterblichkeit indes unbedeutend. Die rasche Entwickelung des Gehirns ist oft verknüpft mit extravaganter Stimmung, unklarem Schwärmen, religiösen und geschlechtlichen Verirrungen und häufig unmotiviertem Lebensüberdruß. Daher die in diesem Lebensalter ausbrechende Melancholie, der erotische und religiöse Wahnsinn, der Veitstanz, der Beginn der Epilepsie, bei Mädchen hysterische Krämpfe u. dgl., ferner Bleichsucht, Knochenleiden. Schwächliche erstarken aber hinwieder oft und frühere Leiden heilen. Eine zu angestrengte körperliche und geistige Thätigkeit, geschlechtliche Aufregung muß vermieden, verkehrter Geistesrichtung energisch entgegengewirkt werden. Schwächlinge bedürfen besonderer Pflege: methodischer Übung der Kräfte, guter Luft, kräftiger Nahrung. In den spätern Jünglingsjahren sind die Erkrankungen seltener, aber schwerer, besonders häufig Entzündungskrankheiten (der Brust und des Herzens), Rheumatismus, Typhus, Rotlauf; die Tuberkulose schreitet rasch fort. Bei den Mädchen ist besonders Geneigtheit zur Bleichsucht und zu verschiedenen Nervenleiden vorhanden; kräftige geistige und körperliche Anstrengung ist hier am Platze. (Vgl. Alter, physiol.). schrittspartei. unglitauen (Fraktion), s. unter Fortungmann oder Leichtmatrose ist auf Handelsschiffen die Zwischenstufe zwischen Schiffsjunge und Vollmatrose. Der Jungmann muß zwei Jahre zur See gefahren haben und entsprechende Körperkräfte besitzen. Sein Gehalt beträgt 10—15 Mark weniger als das eines Matrosen.