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TierreichBrockhaus 1882

Alter (physiologisch). Das Leben eines jeden tierischen Organismus sowie des Menschen selbst durchläuft eine Reihe von Entwickelungsperioden, die man als die verschiedenen Lebensalter zu bezeichnen pflegt. Diese einzelnen Perioden gehen in den meisten Fällen allmählich durch langsame Umändeweil des Organismus ineinander über, und zuweilen nur erscheinen sie wie plötzliche Abschnitte, die durch irgendeinen äußern Vorgang scharf getrennt hervortreten. So sind z. B. bei den Insekten mit vollkommener Verwandlung die verschiedenen Lebensalter, welche man als Ei, Larve oder Raupe, Puppe und vollkommenes Insekt zu bezeichnen pflegt, durch die bekannten Vorgänge scharf voneinander geschieden, während freilich die innern Umwandlungen, welche sich im Körper vollziehen, nur stufenweise und allmählich sich ausbilden. Beim Menschen findet nur ein langsamer und allmählicher Übergang aus einem A. in das andere statt, weshalb denn auch die verschiedenen Forscher in der Bestimmung der Grenzen dieser Lebensalter durchaus nicht miteinander übereinstimmen. Eine scharfe, mathem. Grenze, die aber in Beziehung auf das Individuum sehr wechselt, läßt sich nur an einem Punkte ziehen mit dem Aufhören des Längenwachstums, alle andern Grenzen sind nicht fest bestimmbar. Im allgemeinen unterscheidet man indessen als Altersstufen: das Fötus⸗, Säuglings-, Kindes⸗, dennanagr „. Mannes⸗ und Greisenalter, jedes mit besondern Eigentümlichkeiten, deren Bestimmung um so wichtiger ist, als häufig die ge10.— Medizin Fragen über diesen Punkt aufuhellen hat. Das Fötusalter dauert von der Befruchtung des Eies bis zu der Geburt und läßt einzelne Perioden erkennen, von denen namentlich für die gerichtliche Medizin der Beginn der selbständigen Lebensfähigkeit, nämlich der siebente Monat der Schwangerschaft, wichtig ist. Während des Säuglingsalters bildet sich das Kind zum selbständigen Leben heran, wenn es gleich hauptsächlich auf die Ernährung 1e Müch⸗ mütterlichen Organismus, nämlich die Milch, angewiesen bleibt. Die Ausbildung der Lungenatmung bewirkt bedeutende Veränderungen innerhalb der Kreislaufsorgane, während Men das schnelle Wachstum des Säuglings eine Menge von Kennzeichen hervorbildet, die bei Beurteilung gerichtlicher Fälle Anhaltspunkte zur Entscheidung werden, ob das Kind geatmet habe oder nicht, und welches A. es in einem bestimmten Momente gehabt habe. Mit dem Zahnen, also mit dem Durchbrechen der Schneidezähne, gewöhnlich im neunten oder zehnten Monate, beginnt das Kindesalter, das bis zu dem Wechsel der letzten Milchzähne, mithin etwa bis zum 13. oder 14. Jahre, dauert. Während des Jünglingsalters, das man von dem letzten Rehunn ud bis zur völligen i des Lange Entwickelung und bis zum Aushören es Längenwachstums, also etwa bis zum 20. Jahre, bestimmen kann, bilden sich wesentlich die Verschiedenheiten aus, welche die beiden Geschlechter kennzeichnen. Das Mannesalter, das man häufig auch in ein jugendliches und ein reifes Mannesalter ges Ittad hat, charakterisiert sich besonders durch die vollständige Reife aller körperlichen und geistigen Funktionen und durch die Zunahme des Körpers namentlich im spätern Mannesalter an Gewicht und Umfang. Bei dem weiblichen Geschlechte tritt meistens zwischen dem 40. und 50. Jahre eine Rückbildungsperiode ein, indem dann die monatlichen Regeln und namentlich die Befruchtungsfähigkeit aufhört. Die Rückbildung sämtlicher Funttionen, der körperlichen wie der geistigen, die allmähliche Abnahme der Ernährung charakterisieren endlich das Greisenalter, welches meistens schon gegen das 60. Jahr, häufig dagegen schon früher und selten nur später eintritt. ie jede der verschiedenen Altersepochen ihre eigentümlichen Funktionen hat, so auch jedes Lebensalter seine eigentümlichen Krankheiten. Weiteres über die körperliche und geistige Eigentümlichkeit der verschiedenen Lebensalter s. unter Fötus, Kind und Kindheit, Jüngling und Jungfrau, Mann, Frauen, Greis.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 492Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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