Jus vocandi (lat.), Berufungs⸗, auch Appellationsrecht. Jüslik bedeutet im Türkischen Hunderter. Sarre-jüslik, d. h. gelber Hunderter, Goldmedschidieh (Medjidie) sind andere Namen für die türk. Lira (s. d.). Bejas-jüslik, d. h. weißer Hunderter, auch Jüs⸗-pära ( 100 Para), ist der Name einer ältern, seit 1844 nicht mehr geprägten türk, Silbermünze, deren Edelmetallgehalt durchschnittlich 0,3se Mark beträgt. Juspara, Jüspara, s. unter Jüslik. Viss., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Jussieu (Antoine Laurent de). Jussien, eine franz. Familie, die eine Reihe berühmter Botaniker zählt. Der erste derselben war Antoine de J., geb. zu Lyon 6. Juli 1686, gest. zu Paris 22. April 1758. Von botan. Reisen in Spanien und Portugal 1716 zurückgekehrt, trat er als Schüler und Nachfolger Tourneforts am botan. Garten zu Paris auf und bekleidete die botan. Professur bis zu seinem Tode. Außer mehrern Abhandlungen gab er eine neue Auflage von Tourneforts eInstitutiones botanicaer (Par. 1719) heraus. Nach seinem Tode erschien der Traité des vertus des planteso (Nancy 1771, Par. 1772). Das berühmteste Mitglied der Familie ist sein Bruder, Bernhard de F., geb. zu Lyon 17. Aug. 1699, gest. zu Paris 6. Nov. 1776, ein Zeitgenosse Linnés und diesem ebenbürtig, studierte zuerst Medizin und wurde 1720 zu Montpellier Doktor, wandte sich aber der Botanik zu und ließ sich 1722 von seinem Bruder als Unterlehrer in der Botanik anstellen. Im J. 1758 wurde er Aufseher des Gartens von Trianon, welchen er nach einer natürlichen Anordnung der Pflanzen einrichtete. Damit gab er die Anregung zur Aufstellung eines natürlichen Pflanzensystems, welches von seinem Neffen Antoine Laurent de J. ausführlicher begründet wurde. Dasselbe wird nach ihm Jussieusches System genannt und hat allen spätern natürlichen Anordnungen des Pflanzenreichs zur Grundlage gedient. Seine Werke sind nicht zahlreich und bestehen nur in ausgezeichneten, für die Akademie geschriebenen Abhandlungen, die ebenso wie sein System auf einer staunenswerten Kenntnis botan. Einzelheiten beruhen. Die Ergründung der Pflanzenverwandtschaften blieb die Aufgabe seines Lebens. Obgleich er nur wenig geschrieben hat, ist er dennoch das Haupt einer großen Schule geworden. Der jüngste Bruder, Joseph de J., geb. zu Lyon 3. Sept. 1704, gest. zu Paris 11. April 1779, hatte ursprünglich Medizin studiert, wendete sich aber der Mathematik zu und schloß sich als Botaniker der Expedition an, welche Maurepas zum Behuf der Gradmessung unter dem Aquator 1735 nach Quito abgehen ließ. Während ihrer Dauer zu ärztlichen Leistungen genötigt, blieb er nach ihrem Schlusse allein in Peru zurück, um zu botanisieren, bereiste die Cordilleren bis Potosi, wurde aber, als er in Lima sich einzuschiffen versuchte, von den Spaniern gewaltsam zurückgehalten und zu Ingenieurdiensten gezwungen. Er verfiel infolge dieser Behandlung in Geisteskrankheit, die ihn nie verließ, obgleich er 1771 in sein Vaterland zurückkehrte. Seine Samm⸗ * gelangten später nach Paris. Antoine Laurent de J., Neffe des vorigen, geb. zu Lyon 12. April 1748, hatte ursprünglich auch Medizin studiert, bekleidete aber seit 1770 die Professur der Botanik am Pflanzengarten zu Paris, die er jedoch 1785 niederlegte. Seit 1773 Mitglied der Akademie, seit 1777 zum Direktor des Gartens ernannt, wurde er 1808 unter Napoleon Titularrat der kaiserl. Universität. Unter Ludwig XVIII. wirkte er als Professor der Arzneimittellehre in der mediz. Fakultät und als Professor der Botanik am Museum der Naturgeschichte. Die Botanik verdankt ihm außerordentlich vieles, namentlich wurde von ihm erst das von Bernhard de J. aufgestellte System bekannt gemacht und zur wirklich praktischen und brauchbaren Klassifikation weiter ausgebildet. Die Ansichten, welche er in seinem berühmtesten Werke, „Genera plantarum secundum ordines naturales dispositab (Par. 1789), entwickelt, werden zu allen Zeiten als bestimmte Gesetze gelten. Seine Untersuchungen waren ebenso gründlich als zahlreich. Bis zu seinem 17. Sept. 1836 zu Paris erfolgten Tode war er bemüht, die naturlichen Verwandtschaften der Pflanzen immer weiter zu verfolgen und sein System nach Maßgabe neuer Entdeckungen zu verbessern. Sein Sohn, Adrien de J., geb. zu Paris 23. Dez. 1797, seit 1826 Professor der Botanik am Pflanzengarten und Mitglied der Akademie, gest. 29. Juni 1853, hat sich durch viele tüchtige Arbeiten als würdiges Mitglied seiner berühmten Familie bewiesen, deren Andenken schon Linné eine artenreiche exotische Pflanzengattung (Jussiaea) gewidmet hat. Von seinen zahlreichen Monographien über einzelne Pflanzengattungen sind hervorzuheben die über die Ratuceen (Par. 1825), Meliaceen (Par. 1830), Malpighiaceen (Par. 1843) u. s. w.; seine „Botaniqueo Par. 1843; 10. Aufl. 1875) wurde don Schmidt, Göbel und Pfund (Prag 1844), so- wie von Kißling (Stuttg. 1845) übersetzt. Laurent Pierre de J., Neffe Antoine Launalicil geb. zu Lyon 7. Febr. 1792, hat sich vorzüglich um die Einfuhrung des wechselseitigen Unterrichts und philanthropische Bestrebungen, wie die Verbesserung der Gefängnisse in Frankreich, verdient gemacht. Von seinen Schriften, die alle eine moralische Tendenz haben und teilweise von der Akademie gekrönt worden sind, ist besonders zu nennen das in vielen Auflagen verbreitete und mehrfach übersetzte Volksbuch cSimon de Nantua, ou le marchand forain (Par. 1818; deutsch, Ulm 1849). J. starb zu Passy 23. Febr. 1866. Jussion (lat.), Befehl; jussiv, befehlend; jussu, auf Befehl.