FeedHolz
PflanzenreichBrockhaus 1882

Holz nennt man in der Pflanzenanatomie im Gegensatz zum Bast (s. d.) diejenigen Partien der Stämme von Dikotyledonen und Gymnospermen, welche innerhalb des Cambiumringes liegen, mit Ausnahme des Markes. (S. Cambium.) Jetzt ist der Name nur noch wenig gebräuchlich; man bezeichnet jene Partien allgemein als Xylem (s. d.). Im gewöhnlichen Leben, im technischen Sinne, versteht man unter H. die unter der Rinde liegende Hauptmasse des Stammes, der AÄste und Wurzeln der Bäume und Sträucher. Der anatom. Bau, die chem. Zusammensetzung des H. bedingen dessen Brauchbarkeit zu verschiedenen technischen Zwecken. Im gemäßigten Klima handelt es sich nur um „Dikotyledonen und Coniferen. Monokotyledonen 6. B. Palmen) kommen hier weniger in Betracht. Das H. setzt sich zusammen aus verschieden gestalteten Holzzellen und Gefäßen. In der gemäßigten Zone bildet sich um den Stamm jährlich ein sog. bar ist. In den Tropen finden oft fortwährend Neubildungen statt, der Querschnitt solcher Stämme läßt dann keine Jahresringe erkennen. Bei unsern Bäumen und Sträuchern unterscheiden sich letztere meist leicht dadurch, daß die im Frühjahr gebildeten Partien aus weiten, dünnwandigen Zellen bestehen und zahlreiche weite Gefäße enthalten, wo diese überhaupt vorkommen, während die später gebildeten Partien dickwandigere und in radialer Rich— tung zusammengedrückte Zellen besitzen. Diese ungleichmäßige Gestaltung des Frühjahrs⸗ und Herbstholzes eines Ringes erklärt Sachs durch den zunehmenden Gegendruck, welchen die im Laufe des Sommers austrocknende Rinde der Ausdehnung des wachsenden Holzkörpers entgegensetzt, während im Frühjahr, wo die Reservestoffe sich lösen und Wasser anziehen, eine Quellung des Rindenkörpers stattfindet, welche die Risse der Borke erweitert, äußere Teile derselben abstößt und so Platz für neue Holzbildungen schafft. Deutlich lassen sich die Jahresringe unterscheiden bei den Nadelhölzern, weil bei diesen der Unterschied in der Gestaltung der Zellen bedeutender — als bei den Laubhölzern, auch ist das Herbstholz meist dunkler gefärbt. Ebenso deutlich unterscheiden sich die Ringe bei den cringporigenv Laubhölzern, welche in der Frühjahrszone einen dichten Kranz größerer Gefäße führen, während in der Herbstzone Anzahl und Größe derselben abnimmt (Eiche, Ulme, Esche u. s. w.). Schwerer unterscheiden sich die Ringe bei den czerstreutporigen» Laubhölzern, bei denen die Gefäße entweder gleichförmig zerstreut oder zu verschiedenen Gruppierungen geordnet vorkommen (Buche, Hornbaum,‚ Ahorn, Pappel u. s. w.). Eine ganz sichere Bestimmung des Baumalters gibt die Anzahl der Jahresringe nicht, weil ausnahmsweise in einem Jahre zwei Ringe entstehen können, mitunter aber auch einzelne Ringe nicht den ganen Stamm umfassen. Die Breite der einzelnen Jahresringe ist bei einer und derselben Holzart, selbst bei demselben Baume sehr verschieden, sie wird in erster Reihe bedingt durch den Standort, je günstiger Boden und Klima, desto breiter werden sie; erhöhter Lichtgenuß bei reich entwickelter Baum— krone erweitert sie manchmal auf das Drei⸗ und Vierfache; feuchte fruchtbare Jahre zeigen stärkern Holzzuwachs, also auch breitere Jahresringe, als trockene; verschmälernd wirken Schäden durch Frost oder Insekten. Bei ganz regelmäßigem Verlauf des Wachstums nimmt die Breite der Ringe mit dem Alter des Baums allmählich ab, denn jeder nächstfolgende Ring bildet einen größern Kreis als der vorhergehende. Einen unbedingt richtigen Schluß auf die Qualität des H. gestattet die verschiedene Breite der Jahresringe nicht. Da jedoch bei den Nadelhölzern mit der Breite des Ringes das Frühjahrsholz meist verhältnismäßig mehr zunimmt, als das dichtere Herbstholz, so ist das engringige H. wegen der größern Menge seiner Herbstholzschichten schwerer und daher auch für viele technische Zwecke wertvoller. Umgekehrt verhalten sich die ringporigen Laub-Dond bei ihnen wechselt mit der Breite der Ringe esonders das dichte Herbstholz, während die poröse Frühjahrsschicht mehr oder weniger konstant bleibt. Bei den zerstreutporigen Laubhölzern hat die Breite der Ringe einen bemerkbaren Einfluß auf das Holzgewicht in der Regel nicht. Möglichst gleichförmiger Bau der Jahresringe, also nicht greller Wechsel zwischen breiten und schmalen Ringen, berechtigt stets zu günstigen Schlüssen bezüglich der Qualität des H. Auf die technischen Eigenschaften desselben hat ferner einen bedeutenden Einfluß die Größe und Anzahl der Markstrahleno oder «Spiegelfaserno; sie bestehen aus einem parenchymatischen Gewebe, welches den Holz⸗ und Rindenkörper in radialer Richtung bandartig durchsetzt. Von der Länge und Breite derselben hängt der Verlauf der Holzfaser ab. Dieser ist z. B. bei den meist langen, schmalen und zahlreichen Markstrahlen der Nadelhölzer fast gerade und parallel, daher deren leicht- und glattspaltiges Holz. Bei kurzen, breiten und bauchigen Markstrahlen nehmen die Holzfasern einen mehr oder weniger geschlungenen Verlauf um erstere, solche Hölzer sind in der Regel schwer- und nicht glattspaltig. Große, kräftige Markstrahlen erhöhen wieder die Spaltbarkeit, wie z. B. Eiche und Buche beweisen. Jedenfalls sind aber die Markstrahlen Ursache, daß sich alles H. in der Richtung ihrer Ebene, also in der radialen Richtung leichter spaltet, als in der tangentialen oder Sehnenrichtung. but manches H., namentlich für dessen Daueraftigkeit, ist von hoher Bedeutung sein Harzgehalt. Den Laubhölzern fehlt das Harz Len oder fast anz. Die meisten Nadelhölzer (alle Kiefern und zichten) besitzen Harzporen oder Harzkanäle, d. h. wandungslose, von harzbildenden Zellen umgebene Räume, welche nicht bloß in der Längsrichtung des Baums verlaufen und dann auf dem Querschnitt erkennbar werden, sondern sich auch in den Markstrahlen finden. Die Laubhölzer besitzen keine Harzkanäle, die übrigen Nadelhölzer, wie Weißtanne, Wacholder, Lebensbaum und Eibe sehr wenig oder ebenfalls keine. Das H. wird in Kern und Splint unterschieden. Unter ersterm versteht man die innern, ältern Holzschichten, welche nach außen von einem Ringe jüngern H., dem Splint, umgrenzt werden. Letzterer hat in der Regel einen größern Saftreichtum als der Kern, dieser ist bei vielen Holzarten dunkler gefärbt. Am auffallendsten ist dieser Unterschied in der Farbe bei vielen Hölzern der warmen Zone, so z. B. beim Ebenholz Diospyrus Melanoxylon Hocö.) und andern Ebenaceen. Unsere Holzarten zeigen diesen Unterschied teils deutlich, teils gar nicht. Man nennt deshalb «Kernholzbäume » jene, bei denen ein ausgesprochener Farbenunterschied zwischen Splint und Kern vorhanden ist (Eiche, Kastanie, Esche, Ulme, alle Kiefernarten, Lebensbäume, Lärche, Wacholder, Pappel, Weide); Reifholzbäumer, Holzarten, bei welchen dieser Farbenunterschied nicht besteht (Fichte, Tanne, Buche), die centralen Holzpartien sind nur trockener oder saftärmer als die äußern; «Splintholzbäumer, welche weder in der Farbe, noch im Saftreichtum einen deutlichen Unterschied erkennen lassen (Birke, Linde, Erle, Ahorn, Hornbaum, Aspe), bei ihnen ist der innere Holzkörper ebenso saftleitend wie der Splint. über die Kernholzbildung bestehen sehr verschiedene Ansichten. Nach R. Hartig ist die farbige Verkernung nur eine Ablagerung von Stoffen (Gerbstoff, Gummi, Harze u. s. w.) im Lumen und in den Wandungen der Holzorgane, verbunden mit einer Vermehrung der Substanz. Reif⸗ und Splintholzbäume zeigen im Innenholz entweder einen Substanzverlust (Stärkemehl) oder bleiben unverändert. Der sog. falsche oder kranke Kern, z. B. der rötliche Kern der Buche, wird durch beginnende Zersetzung oder durch Zufuhr von löslichen Zer-Uter und Stan aus andern Baumteilen bedingt. lter und Standort haben wesentlichen Einfluß auf die Kernholzbildung; im allgemeinen haben ältere, auf fruchtbarem Standort erwachsene Bäume mehr Kern⸗ und Reifholz, als jüngere von dürftigem Standorte. Technisch wichtig ist, daß Kern⸗ und Reifholz bei vielen Holzarten schwerer, härter und dauerhafter ist, als der Splint (3. B. Eiche, Kiefer, Lärche). Durch die so äußerst verschiedenartige Struktur und Art des Wachstums des H. teils verschiedener Baumarten, teils einer und derselben Holzart von verschiedenem Standort oder verschiedenem Alter werden dessen technische Eigenschaften bedingt, nämlich: äußere Form, Gewicht (Dichtigkeit), Härte, Spaltbarkeit, Biegsamkeit, Festigkeit, Ver-Trüi des H. zum Wasser, Dauer, Farbe und extur, Brennkraft. Da das H. kein homogener Körper ist, da ferner die individuellen Unterschiede des H. einer und derselben Baumart, ja selbst die der verschiedenen Holzteile eines und desselben Baums sehr groß sind, ist es äußerst schwierig, über die technischen Eigenschaften verschiedener Holzarten bestimmte Angaben zu gewinnen. Beeinflußt werden dieselben überdies noch durch Fehler und Krankheiten des H. Die äußere Form bedingt besonders die Verwendbarkeit des H. zu Bauzwecken; Geradschaftigkeit, Astreinheit, Vollholzigkeit zeichnen im allgemeinen die Nadelhölzer vor den Laubhölzern, am meisten die Fichte und Tanne aus. «Vollholzigeo ist ein Baumschaft, der sich in seiner Gestalt mehr dem Cylinder, cabholzigo oder abformigo ein solcher, welcher sich mehr der Form des Kegels nähert. Das spezifische Gewicht oder die Dichte des H. hängt ab von der Weite der Zellen und Gefäße und von der Dicke der Wandungen derselben, also von der Porosität. Die feste Holzmasse an sich ist stets schwerer als das Wasser, deren spezifisches Gewicht (Festgewichto) zeigt bei den verschiedenen Holzarten keinen großen Unterschied, man kann es 3. B. für Eiche, Buche, Fichte und Kiefer ungefähr zu 1,56 annehmen. Dagegen zeigen die verschiedenen Holzarten nicht bloß, sondern auch die verschiedenen Bäume einer und derselben Holzart und die verschiedenen Teile desselben Baums (Innen⸗, Außenholz, Schaft oben und unten, Ast⸗, Wurzelholz) Ae Verschiedenheit des spezifischen Gewichts. lle Zahlen sind daher sehr unsicher. Schmale Jahresringe der Nadelhölzer, breite Jahresringe der ringporigen Laubhölzer lassen in der Regel auf hohes spezifisches Gewicht schließen, zerstreutporige Laubhölzer gestatten solchen Schluß nicht. Sehr schwere Hölzer haben lufttrocken ein spezifisches Gewicht von 0,2 und mehr (Eiche, Esche, Eibe u. s. w.), in der gemäßigten Zone sehr selten jedoch über 1, während es in wärmern Ländern viel schwerere Hölzer gibt. Leichte Hölzer nennt man solche, die 0,55 und weniger haben (Fichten, Kiefern, Tannen, Erlen, Pappeln u. s. w.). In direktem Verhältnis zum spezifischen Gewicht steht die Härte des H., d. h. die schwerern Hölzer sind härter als die leichten. Harte sind unter den wichtigern einheimischen Hölzern: Kornelkirsche, Hartriegel, Hornbaum, Ahorn, Akazie, Buche, Eiche, Esche, Ulme, altes Kiefernkernholz; mittel-Fichte Birke, Eberesche, Hasel, Kiefer; weiche: ichte, Tanne, junge Kiefer, Erle, Aspe, Linde, Pappel, Weide. Die wärmere Zone erzeugt so harte Hölzer, daß sie sich nur schwer mit schneidenden Instrumenten bearbeiten lassen (3. B. Eben-, Eisenholz etc.); solches H. sinkt im Wasser sofort unter. Die verschiedenen Grade der Spaltbarkeit beruhen auf dem mehr oder weniger geraden oder geschlängelten Verlauf der zwischen den Markstrahlen befindlichen Holz- und Gefäßbündel. Leichtspaltig sind: Fichte, Tanne, gemeine Kiefer, Lärche, Erle, Linde; ziemlich leichtspaltig: Eiche, Buche, Esche, Edelkastanie, Schwarz- und Zirbelkiefer; schwerspaltig: Hornbaum, Ulme, Salweide, Birke, Ahorn, Pappel, Obstbäume, Legföhre. Biegsamkeit ist die Eigenschaft des Holzes, eine Formveränderung zu ertragen, ohne daß das— selbe seinen Zusammenhang verliert, sie äußert sich in der Elasticität und Zähigkeit. Beide Eigenschaften hängen bei derselben Holzart von den ver— schiedensten Umständen ab, Alter, Bau des H., Feuchtigkeitsgrad. Fichte, Kiefer, Lärche, Eiche, Esche u. a. gehören zu den elastischen Hölzern, wäh— rend das zäheste H. die jungen Stocklohden von Weiden, Birken, Eschen u. s. w., Wurzelstränge der Refern. und Kiefern, Aste der Fichten und Birken iefern. Die Zähigkeit wird erhöht, wenn man das H. durchdämpft, der Schiffbauer thut dies z. B. mit den Bohlen zur Bekleidung krummer Flächen; demselben Prozesse wird das H. bei der Fabrikation massiv gebogener Möbel unterworfen. Unter Festigkeit des H. versteht man den Widerstand desselben gegen Zerreißen, Zerdrücken, Zerbrechen u. s. w., überhaupt gegen die Störung des Zusammenhangs seiner Fasern. Man unterscheidet namentlich Tragkraft (relative oder Biegungsfestigkeit) bezüglich des Zerbrechens, z. B. eines Balkens, in Bezug auf das Zerreißen die absolute oder Zugfestigkeit, in Bezug auf das Zerdrücken rückwirkende oder Druckfestigkeit, endlich Drehungs- oder Torsionsfestigkeit, und Scherfestigkeit (Schub-⸗ oder Querfestigkeit). Für Bauzwecke ist die Tragkraft die Hauptsache; Eiche, Esche, Fichte, Lärche, Tanne, harzarme Kiefer sind unsere tragkräftigsten Holzarten. Das Verhalten des Holzes zum Wasser ist in vieler Hinsicht besonders wichtig; frisches H. hat überhaupt etwa 45 Gewichtsprozent Wasser, dessen Menge wechselt aber sehr nach Holzart, Jahreszeit, nach den einzelnen Baumteilen, Standort u. s. w., daher haben die bisher veröffentlichten Untersuchungen sehr verschiedene Resultate ergeben. „Waldtrockenes» H. hat noch etwa 20 Proz., alufttrockeneso 810 Proz. Wasser. Infolge der Wasserverdunstung zieht sich das H. zusammen, es eschwindeteo; die Schwindung erfolgt sehr ungleich, in der Richtung des Faserverlaufs kaum bemerkbar, in der des Radius (der Markstrahlen) bis zu 5 Proz. der Linearausdehnung, in der des Umfangs bis 10 Proz. Die Ungleichheit des Schwindens bewirkt das unangenehme «Reißen» und «Werfeno des H.; je schneller das H. schwindet, desto mehr reißt es. Ganz läßt sich dies nicht vermeiden, etwas hilft langsames Austrocknen des Ganzholzes, Verkleinerung der Sortimente, damit das H. schwinden kann, ohne zu reißen (3. B. Faßdauben sind aus frischem H. zu spalten). iter Luft wieder H. cquillto im Wasser oder in feuchter Luft wieder, und zwar ungleich, aber mit großer Kraft ifrüher übliche Sprengung von Steinblöcken mit Hilfe trockener Holzkeile, die angefeuchtet wurden). Das Schwinden und Quellen des H. erfordert besondere Vorsichtsmaßregeln bei Tischler- und Drechslerarbeiten, z. B. den Füllungen der Thüren läßt man einen Bewegungsraum im umfassenden Rahmen, sonst werfen oder reißen dieselben; Zusammensetzen der Parkettböden aus verschiedenen Hölzern in verschiedener Richtung, ebenso der Billardqueues etc. Überhaupt sollen Tischler nur ganz gut ausgetrocknetes H. verarbeiten, es ist am besten, dasselbe 2—3 Jahre vor der Verwendung liegen zu lassen. Auch gedämpftes Holz hält sich gut. Die Dauerhaftigkeit des H. ist namentlich wichtig für Bauzwecke. Ganz im Trocknen oder ganz unter Wasser dauert fast alles Holz gut. Im J. 1858 fand man unter anderm in der Donau beim Eisernen Thor Pfeiler der vor 1700 Jahren gebauten Trajansbrücke, das zum Bau der Pfeiler verwendete Eichen- und Lärchenholz war noch ganz gut erhalten; Beweis ferner Hölzer aus alten Torflagern, Pfahlbauten u. s. w. Häufiger Wechsel von Feuchtigkeit und Trockenheit, feucht-dumpfe Luft in Ställen, Kellern, Bergwerken u. s. w. beschleunigen die Zersetzung des H. Am dauerhaftesten von unsern Hölzern sind Eiche, harzreiche und engringige Lärche und Kiefern, am wenigsten dauerhaft sind harzarme Nadelhölzer, Buche, Ahorn, Hainbuche, Birke, Aspe, Linde, Pappeln und Weiden. Das spezifische Gewicht oder die Dichtigkeit des H. entscheidet nicht über dessen Dauerhaftigkeit, schwere Holzarten sind oft weniger dauerhaft als leichte (Buche, Ahorn weniger gut als Kiefer), vergleicht man aber Hölzer einer und derselben Holzart miteinander, so ist immer das schwerere H. das dauerhaftere. Mittel zur Vermehrung der Dauer des H. gibt es mancherlei, z. B. Schutz gegen den Zutritt äußerer Feuchtigkeit (Slfarben⸗, Teeranstrich u. s. w.), Imprägnation des H. mit Metallsalzen, Kreosot u. s. w., diese schützt zugleich gegen den Wurmfraß. — Farbe und Textur des H. spielt namentlich für manche Tischler⸗ und Drechslerarbeiten eine Rolle. So zieht man z. B. das H. der Fichte dem der Tanne für Zimmerdielungen u. s. w. vor, weil es seine gelbweiße Farbe behält, während Tannenholz grau wird. Feinere Arbeiten erfordern noch mehr Rücksicht auf Farbe, besondere Verwendung finden das rotbraune Mahagoni⸗- und Palisanderholz, das goldbraune Teakholz, das dunkelbraune Grenadill⸗ und Nußholz, das schwarze Ebenholz. Bezüglich der Textur genießen die dichtgebauten, an erster Stelle die exotischen schweren Hölzer in der Regel einen Vorzug vor den porösen, grobfaserigen. Nur zur Herstellung des Holzstoffs oder der Cellulose für die Papierfabrikation zieht man üppig erwachsenes, grobfaseriges H. dem dichtern vor. Die maserigen, geflammten, wimmerigen Hölzer mit schönen Asteinwüchsen, namentlich Nußbaum, Ulme, Zirbelkiefer, Birke, Eiche, Obstbäume, Esche, Ahorn u. s. w. werden oft sehr teuer bezählt und als Fourniere u. s. w. verwendet. Sehr verschieden ist endlich die Brenn- oder Heizkraft des H.; durch die Konkurrenz der Kohlen und infolge der feinern Forstwirtschaft tritt diese Eigenschaft des H. mehr und mehr in den Hintergrund. In den sächs. Staatswaldungen beträgt Im jetzt der Nutzholzausfall bereits 75 Proz. der gesamten Derbholzmasse, auf einzelnen Revieren 80 und noch mehr Prozent. Von heimischen Baumarten liefert die Buche das beste Brennholz, das schlechteste geben Pappeln und Weiden. Viele Fehler des H. beeinträchtigen dessen Brauchbarkeit mehr oder weniger, einige erhöhen dieselbe für bestimmte Zwecke. Zu erstern gehören „Kernrisse (Waldrisse), welche sich oft schon im lebendigen Baume infolge des Schwindens der innern Holzschichten bilden. «Frostrissev, d. h. radiale Längsrisse im stehenden Baum, welche bei starker Kälte durch die peripherische Zusammenziehung der äußern Holzschichten entstehen, oft Ursache von Fäulnis werden, namentlich bei manchen Laubhölzern infolge der sich fortgesetzt übereinander lagernden «überwallungsschichtene leistenartige Hervorragungen (nach Göppert «Frostleisteno) bilden. Drehwuchsso, d. h. ein spiralig um die Achse des Stammes gerichteter Verlauf der Holzfasern. Rechts oder «widersonnigy Hen W. ist ein Baum, wenn die von unten nach oben verfolgten Fasern beim stehenden Baume von der linken nach der rechten Seite des vor ihm stehenden Beobachters laufen; verlaufen die Fasern von rechts nach links, so ist der Baum links oder enachsonnigo gedreht. Starker Drehwuchs macht das H. 30 manchen Nutzzwecken ganz unbrauchbar, es spaltet nicht, ist weniger tragfähig u. s. w. Schwacher Drehwuchs schadet wenig, in manchen Gegenden schreibt man dem nachsonnig gedrehten Holze größere Verwendbarkeit zu, als dem widersonnigen (vielleicht Vorurteil?). Ursache des Drehwuchses ist unbekannt. Am meisten neigen zu Drehwuchs Kiefer, Eiche, Roßkastanie, Edelkastanie, Obstbäume, Fichte u. s. w. „Astigkeite des H., d. h. eingewachsene Aste, machen dasselbe unbrauchbar für Spalt⸗ und feinere Schnittwaren; durch Erhaltung des Bestandesschlusses, mitunter auch durch künstliche Entfernung der Äste mit Messer und Säge erzieht der Forstwirt möglichst astreines Holz. Ein nützlicher Fehler des H. ist für manche Verwendungszwecke verschlungener und wellenförmiger Verlauf der Fasern; hierher gehört »Maserwuchso, hervorgerufen durch örtliche Wucherung zahlreicher Proventivknospen, manchmal infolge von Verletzungen, besonders bei Pappeln, Ulmen, Erlen, Birken, Eichen, Ahorn, Linden (Fournierholz, H. zu Tabaksdosen, Pfeifenköpfen u. s. w.). Nicht Perschungenm, sondern nur wellenförmigen Verlauf der Fasern zeigt der wimmeriger Wuchs, am meisten zu finden bei Buchen, Eschen, Erlen, Eichen, besonders am Wurzelansatze; derartiges H. ist gut für Tischlerware, aber nicht gut als Bauholz zu brauchen. Fehler des H., welche durch Krankheit der Holzfaser bedingt werden, Fäulnis und Krebs, sind immer nachteilig für dessen Brauchbarkeit. Die verschiedenen Fäulnisprozesse, welche die Praxis nach der Farbe als Rotfäuler und «Weißfäules unterscheidet, werden meist eingeleitet durch parasitische Pilze, die entweder von oberirdischen Wundstellen oder von den Wurzeln aus in den lebenden Baum eindringen. Fäulnis scheint aber auch hervorgerufen werden zu können durch Einwirkung von Luft und Wasser auf Wundflächen, wobei sich Pilze nur sekundär beteiligen, oder als „Wurzelfäulev durch ungenügenden Sauerstoffgehalt des Bodens. Bei der Zersetzung des H. durch parasitische Pilze verliert es seinen Zusammenhang durch Auflösung der Zellwände und nimmt verschiedene Farben an. Diese Pilze gehören den Gattungen Trametes, Agaricus, Polyporus, Telephora, Hydnum u. s. w. an. Nach dem örtlichen Auftreten der Krankheit spricht die Raßerl von Wurzel⸗, Stock⸗, Ast⸗ und Kernfäule. lußerliche Fäulnis Sehed man gern mit dem Ausdruck «Krebsv. ahadihnndeir⸗ Frostrisse, Insekten sind oft Ursache, obgleich auch hier Pilze eine Hauptrolle spielen, so beim Krebs der Tanne Aecidium elatinum, bei dem der Lärche Peziza Willkommii, bei verschiedenen Laubhölzern verschiedene Arten der Gattung Nectria. Die Fäulnis tritt noch häufiger als in lebenden Bäumen in totem, bereits verarbeitetem Holze auf, und ist sie auch hier von verschiedenen Pilzen begleitet oder eingeleitet. Ein höchst gefährlicher Feind ist in dieser 2045 8 der Hausschwamm (s. d.). 8 5 ist Hauptprodukt der Forstwirtschaft. Nach der 1875 getroffenen Vereinbarung der deutschen forstlichen Versuchsanstalten unterscheidet man forstwirtschaftlich 1) nach den Baumteilen: „Derb-Dure d. i. die oberirdische Holzmasse über 7 em urchmesser (einschließlich der Rinde); «Reisigo, d. i. die oberirdische Holzmasse bis einschließlich 7 em Durchmesser; «Stockholzo, d. i. die unterirdische Holzmasse und der bei der Fällung daran verbleibende Teil des Schafts. 2) Nach der Gebrauchsart: a) Bau⸗ und Nutzholz; dieses zerfällt in Langnutzholzo (Stämme, Klötze, Stangen) und gs 9, nutzholzo, d. i. in Schichtmassen eingelegtes H., Nutzrinde (in der Hauptsache Gerbrinde); b) Brenn-Meit (Scheite, Knüppel, Reisig, Rinde, Stöcke). eist wird das H. als Rohprodukt aus dem Walde dem Markte zugeführt. Schon seit alter Zeit hat man sich vielsach mit der Frage beschäftigt, welche Jahreszeit für die Fällung des H. in Rücksicht auf dessen Qualität die beste sei. Bereits im 16. Jahrh. erschienen Forstordnungene, welche bestimmte Fällungszeiten vorschreiben, das Fällen außer diesen Zeiten nannte man eim bösen Wedelv hauen. Vielfach wird noch heute angenommen, daß das im Winter gefällte H. besser sei, als das im Sommer gefällte. Einige neuere Versuche haben gezeigt, daß diese Annahme nicht unbedingt richtig ist, sobald das H. nach der Fällung nur entsprechend behandelt wird. (Vgl. unter anderm: Untersuchungen über den Einfluß der Fällungszeit auf die Dauerhaftigkeit des Fichtenholzes» im «Tharander forstlichen Jahrbuch », Bd. 29.) Etwas hat die Winterfällung für sich, daß das Langnutzholz infolge langsamern Austrocknens weniger stark aufreißt. übrigens wird die Fällungszeit gegendweise sehr verschieden durch mancherlei andere wichtige forstwirtschaftliche Rücksichten auf Verjüngung, Transport, Arbeitskräfte, Gewinnung der Rinde, klimatische Verhältnisse u. s. w. bedingt. Im allgemeinen findet in den mildern klimatischen Lagen in welchen die Laubhölzer, auch Kiefern heimis sind, mehr die Winterfällung (Ende Oktober bis März) statt, während man gezwungen ist, in den höhern, rauhen Gebirgslagen, wo sich meist ausgedehnte Nadelholz⸗, namentlich Fichtenwaldungen finden, der Sommerfällung den Vorzug zu geben. Die der Fällung unmittelbar folgende Aufbereitung oder Ausformung des H. muß um so sorgfältiger geschehen, je wertvoller die Hölzer sind; im allgemeinen hat man sich dabei nach den lokalen Bedürfnissen des Marktes und Handels zu richten, weshalb die verschiedensten Sortimente auszuhalten sind. Bald kommt das H. als Langholz, bald gespalten, bald als Schnittware (Bretter, Latten) in den Handel. Form und Benennung der einzelnen Sortimente sind nach den verschiedenen Handelsusancen außerordentlich verschieden. Der Holzhandel hat infolge Verbesserung der Verkehrsmittel früher nicht geahnte Dimensionen erreicht. So belief sich beispielsweise die Einfuhr von europäischem, rohem und bearbeitetem Bau⸗ und Nutzholz über die deutschen Zollgrenzen 1880 auf 2147 149 t (1t 1000 kg), 1881 auf 2376 676 t, 1882 auf 2505 386 t; die Ausfuhr dagegen 1880 auf 999 350 t, 1881 auf 1084003 t, 1882 auf 1136 283 t. Namentlich über Danzig, Memel, Stettin, Königsberg, Hamburg, Lübeck und Bremen wird aus Deutschland H. russischer, galizischer und deutscher Herkunft nach England, Frankreich, Belgien, Holland und Dänemark nupdoat Hauptwasserstraßen für auswärtigen und inländischen Handel mit H. bilden unter andern die Weichsel für Rußland, die Oder für Oberschlesien, die Elbe für Böhmen und Sachsen, der Rhein für Baden, Württemberg und Bayern, die Weser für Bremen, die Donau mit Isar, Iller und Inn für Osterreichetc. Auch außereurop. Hölzer werden jetzt vielfach nach England, Frankreich und Deutschland eingeführt. In Deutschland belief sich die Einfuhr 1880 auf 35 430 t, 1881 auf 35 724 t, 1882 auf 37 215 t; die größte Masse dieses H. kam aus den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die Ausfuhr Deuts lands nach außereurop. Ländern ist nicht erheblich, sie belief sich 1880 auf 5075 t, 1881 auf 7625 t, 1882 auf 7945 t. über den bedeutenden Verkehr innerhalb der Zollgrenzen auf Eisenbahnen, Wasserstraßen und mit gewöhnlichem Fuhrwerk lassen sich Zahlenangaben nicht gewinnen. Das H. wird nicht bloß als solches zu den verschiedensten technischen Zwecken verwendet, sondern auch gewisse einzelne Bestandteile desselben, die durch verschiedene Prozesse dargestellt werden. Schon in alten Zeiten gewann man Holzkohlen durch die Köhlereiv, um namentlich für metallur-Gicht wecke einen möglichst wenig Asche gebenden rennstoff zu erhalten. Die Fortschritte der Technik haben indessen die Holzkohlen vielfach durch die billigern Steinkohlen verdrängt. Eine Erhitzung des H. bis auf etwa 300 C. unter vollständigem oder fast vollständigem Abschluß der Luft verwandelt dasselbe in Kohle. Es geschieht dies meist in „Meilerno, mitunter auch in Retorten. Bei diesem Prozeß, den man auch trockene Destillation des H. nennen kann, entweichen aus dem verkohlenden H. zahlreiche Stoffe, welche technisch benutzt und deshalb auch für sich allein dargestellt werden, nämlich Leuchtgas, Holzessig, Holzgeist, Kreosot, Teer u. a. m. Besonders letzterer wurde früher noch mehr als jetzt in dazu errichteten ofen aus harzreichem Kiefernholz dargestellt («Teerschwelereio). Durch vollständiges Verbrennen des H. ewinnt man Asche zur Darstellung der Pottasche, e nur noch in Waldungen, denen hinreichender lbsatz fast vollständig fehlt (z. B. in einigen Gegenden der Bukowina). Durch mechan. Zerkleinerungen des H. in den «Holzschleifereieno wird der Holzstoff für Papierfabrikation, durch Kochen des H. mit Soda zu demselben Zwecke «Cellulosev gewonnen. Die Anzahl der dazu dienenden Fabriken steigt von Jahr zu Jahr. (S. Papier.) Aus den lebenden Nadelhölzern gewinnt man Harz, indem man die Bäume auf verschiedene Weise verwundet, wodurch Harzausfluß entsteht. Das Harz wird zur Darstellung von Pech, Terpentinöl, Kienruß u. s. w. verwendet. Geeignet dazu sind vorzüglich shen Schwarzkiefer und Seekiefer. In den deut— chen Fichtenwaldungen verschwindet diese Nutzung mehr und mehr, weil sie die Gewinnung von Nutzholz sehr beeinträchtigt. Mancherlei Gerb⸗ und Farbstoffe werden meist aus exotischen Hölzern gewonnen. Der Cambialsaft der Coniferen liefert Vanillin u. s. w. Litteratur. K. Gayer, «Die Forstbenutzungo (6. Aufl., Berl. 1883); Nördlinger, «Die technischen Eigenschaften des H. (Stuttg. 1860); derselbe, „Querschnitte von 100 Holzarteno (10 Bde., deren jeder 100 natürliche, dünne Blättchen Hirnholz mit Text enthält, Stuttg. 1852—82); derselbe, «Anatom. Merkmale der wichtigsten deutschen Wald- und Gartenholzarteno» (Stuttg. 1881); Burkart, „Sammlung der wichtigsten europ. Nutzhölzerv (Wien 1880; 40 Tafeln mit Holzdurchschnitten); „Wiesner, Einleitung in die technische Mikro— kopier (Wien 1867); derselbe, Die Rohstoffe des flanzenreichsv (Lpz. 1873); W. Exner, Die mechanischen Eigenschaften des H.5 (Wien 1871); Mayer, „Chemische Technologie des H. als Baumaterialo (Braunschw. 1872); Gottgetreu, «Physische und chem. Beschaffenheit der Baumaterialieno (3. Aufl. 2 Bde., Berl. 1879—81); Karmarsch, „(Handbuch der mechanischen Technologiev (5. Aufl., 2 Bde., bearbeitet von E. Hartig, Hannov. 1875 76); R. Hartig, Die Zersetzungserscheinungen des H. der Nadelholzbäume und der Eiche (Berl. 1878); derrank, Die Krankheiten der Pflanzen » (Bresl. 1881); Buresch, Der Schutz des Holzes gegen Fäulnis und sonstiges Verderbeno (Dresd. 1880); Scheden, Rationell-praktische Anleitung zur Konservierung des H.» (2. Aufl., Lpz. 1860); Marchet und Erner, «Holzhandel und Holzindustrie der Ostseeländery (Weim. 1876); Sykytka, «Das H., dessen Benennungen, Eigenschaften, Krankheiten und Fehlerd (Prag 1882); Prinz, «Die Bau⸗- und Nutzhölzer oder das H. als Rohmaterial für technische und gewerbliche Zweckes (Weim. 1884).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 343Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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