FeedHistologie
HeilkundeBrockhaus 1882

Histologie, Histiologie, auch Phytotomie oder Anatomie der Pflanzen, heißt diejenige Disciplin der Botanik, die sich mit Untersuchung der Pflanzenzelle und der pflanzlichen Gewebe beschäftigt. Da es sich bei rein histologischen Untersuchungen zunächst nur um genaue Feststellung der Form der einzelnen Zelle und ihrer Teile, bezie hungsweise der einzelnen Gewebearten und der sie zusammensetzenden Zellen handelt, so kann man die H. eigentlich nur als einen Teil der ulebeichrend ansehen und wie diese stets nur als eine eschreibende, registrierende Wissenschaft gelten lassen. Daß die H. in diesem Sinne für das Gesamtgebiet der Botanik und für die Naturwissenschaft überhaupt nur einen beschränkten Wert hat, ist ohne weiteres klar. Es muß deshalb stets den histologischen Untersuchungen, wenn sie eine allgemeinere wissenschaftliche Bedeutung erlangen sollen, ein bestimmter dierucht Gesichtspunkt zu Grunde liegen; ist dieser nicht vorhanden, so ergeben sie bloß ein totes Material. Vor allem muß zu der bloßen Beschreibung der einzelnen Formen eine Vergleichung mit andern hinzukommen, und ferner ist immer die Frage aufzuwerfen, in welchen Beziehungen stehen die Zellen oder Gewebearten zu der Lebensthätigkeit der Pflanze, d. h. was für Funktionen haben sie zu erfüllen und in welcher Weise sind sie für die Ausübung derselben angepaßt. Diese letztern beiden Fragen mit Sicherheit zu entscheiden, ist bis jetzt allerdings nur in verhältnismäßig wenigen Fällen gelungen. Dies rührt einerseits davon her, daß die Pflantenphysiologie, auf welche sich derartige Untersuchungen stützen müssen, noch zu wenige bestimmte Anhaltspunkte in Betreff der physiol. Leistungen der Gewebe darbietet, andererseits, weil diese Art der histologischen Forschung, die man auch als anatomisch-physiologische Beactu hat, erst seit kurzer Zeit die ihr gebührende Beachtung gefunden hat. Während so auf der einen Seite eine Vergleichun des Baues mit der Funktion zu erstreben ist, mu andererseits auch das Entstehen der Form, d. h. die Vergleichung der einzelnen Entwickelungsstadien sowohl in ontogenetischer wie in phylogenetischer Hinsicht untersucht werden, und in diesem Sinne ist demnach auch die Entwickelungsgeschichte zur H. oder allgemeiner zur Morphologie zu rechnen. Die histologische Forschung I infolge der Kleinheit der zu untersuchenden Objekte fast ganz auf das Mikroskrop angewiesen, und daher erklärt es sich auch, daß erst verhältnismäßig 1 erst nachdem die Mikroskope mehr und mehr verbessert und leistungsfähiger wurden, sich eine ersprießliche Thätigkeit auf diesem Gebiete der Botanik entfalten konnte. (S. Botanik (Geschichte!, sowie Zellformen und Zellgewebe.) ö Die speziell über H. handelnde Litteratur ist zur Zeit eine sehr ausgedehnte, da gerade in den letzten Jahrzehnten eine große Anzahl einschlägiger Arbeiten erschienen sind; dieselben betreffen aber jast ausschließlich nur bestimmte Fragen, nur sehr wenige behandeln das ganze Gebiet der H. Zu diesen letztern gehören hauptsächlich: Mohl, Anatomie und Physiologie der vegetabilischen Zeller (Braunschw. 1852); Schacht, Lehrbuch der Anatomie und der Physiologie der Gewächses (Bd. 2, Berl. 1856—59); Hofmeister, «Die Lehre von der Pflanzenzeller (Lpz. 1867); De Bary, «Vergleichende Anatomie der Vegetationsorgane der Phanerogamen und Farney (Lpz. 1877).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 269Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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