Humboldt (Friedr. Heinr. Alexander, Freiherr von), der vielseitigste und bedeutendste Naturforscher des 19. Jahrh., geb. 14. Sept. 1769 zu Berlin, verlor schon im 10. Jahre den Vater, der im Siebenjährigen Kriege Major und Adjutant des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, nachher königl. preuß. Kammerherr war, und genoß gemeinschaftlich mit seinem ältern Bruder, Wilhelm von Humboldt (s. d.), einen von der Mutter, einer geborenen von Colomb, angestrebten sorgfältigen Privatunterricht. Nachdem er Herbst und Winter 1787—88 die Universität Frankfurt a. O. besucht, lebte er den folgenden Sommer und Winter wieder in Berlin, teils um Technologie, auf das Fabrikwesen angewendet, zu studieren, teils um Griechisch 5 lernen. Damals schloß er sich dem Botaniker Willdenow an, botanisierte viel und übersetzte Thunbergs Abhandlung De arbore macassariensi ins Französische (Sur le Bohon-Upas par un jeune gentilhommeo). Dies ist seine erste anonym Dag er litterarische Arbeit. Im Frühjahr 1789 bezog er die Universität Göttingen, besuchte mit seinem Bruder die philol. Kollegien des Heyneschen Seminars und schrieb eine kleine Schrift über die Webereien der Griechen, die jedoch nie im Druck erschienen ist. Die Liebe zu naturhistor. Studien wurde in Göttingen mannigfach genährt durch den Unterricht von Blumenbach, Beckmann, Gmelin, Lichtenberg und Link, sowie durch Reisen in den Harz und an die Rheinufer. Als Frucht der letztern Erkursion erschien H.s erstes selbständiges Buch: «Klüber die Basalte am Rhein, nebst Untersuchungen über Syenit und Basanit der Alteno (Berl. 1790). Im Frühjahr und Sommer 1790 begleitete H. von Mainz aus Georg Forster auf einer Reise durch Belgien, Holland, England und bet und Im Juli 1790 aus England zurückgekehrt und damals noch zu einer praktischen Laufbahn im Finanz⸗ und Kameralfach bestimmt, ging er nach Hamburg auf die Handelsakademie von Basch und Ebeling, wo er im Sommer und Herbst die günstigste Gelegenheit zur Üübung in lebenden Sprachen fand. Nach einem fünfmonatlichen Aufenthalt im mütterlichen Hause bezog er im Juni 1791 die Bergakademie zu Freiberg. Hier genoß er den Privatunterricht Werners und die Freundschaft Freieslebens, Leopold von Buchs und Andreas Del Rios. Die litterarische Frucht eines achtmonatlichen Aufenthalts im Erzgebirge war die Flora subterranea Fribergensis et aphorismi ex physiologia chemica plantarum (Berl. 1793). Durch Minister von Heinitz schon im Febr. 1792 zum Assessor im Bergdepartement ernannt, begleitete er letztern im Juli 1792 in das Markgraftum Bayreuth, ward alsbald Oberbergmeister in den fränk. rstentümern, ein Amt, das er bis 1797 mit verschiedenen Unterbrechungen verwaltete. Damals schrieb er über die Natur der Grubenwetter und konstruierte eine nicht verlöschende Lampe und eine Respirationsmaschine nach dem Prinzip von Beddoes. Schon seit 1792, wo er in Wien Nachricht von Galvanis Entdeckung erhalten, sammelte H. das Material zu seinem größern Werke aüber die gereizte Muskel- und Nervenfaser, nebst Vermutungen über den chem. Prozeß des Lebens in der Tier⸗ und Pflanzenwelt v (2 Bde., Berl. 1797—99). Der Tod seiner Mutter im Nov. 1796 reifte in H. den Entschluß zu großen wissenschaftlichen Reisen. Nachdem er im März 1797 seine amtlichen Verhältnisse gelöst, Nechrachte er zunächst drei Monate in inniger Verbindung mit Goethe und Schiller zu Jena, wo er unter Loder seine Kenntnisse in der Anatomie vervollständigte, und trat dann über Dresden, Prag und Wien die Reise nach Italien an, um hier die noch thätigen Vulkane kennen zu lernen. Wegen des Kriegs entschloß sich H. jedoch, mit Leopold von Buch den Winter in Salzburg und Berchtesgaden mit meteorolog. Beobachtungen zuzubringen. Unterdessen erhielt er von Lord Bristol die Einladung, sich ihm auf acht Monate einer Erpedition nach Oberägypten anzuschließen. Er wollte folgen und war schon nach Paris gereist, um Instrumente anzukaufen, als Bonaparte im Mai 1798 berh Agypten abging und Lord Bristol in Mailand verhaftet wurde. In Paris erfuhr H. die zuvorkommendste Aufnahme seitens der berühmtesten Gelehrten. Auch befreundete sich hier H. mit dem Botaniker Aimé Bonpland (s. d.), der später schwere Schicksale mit ihm geteilt hat. Infolge eines Anerbietens des schwed. Konsuls Skiöldebrand wollte er sich Uüber Algier nach Tunis der franz. Expedition nach Agypten anschließen. Aber auch dieser Plan scheiterte und H. mußte mit Bonpland den Winter in Spanien zubringen. Die außerordentliche Gunst, deren H. sich an dem span. Hofe in Aranjuez drei Monate lang durch Vermittelung des sächs. Gesandten Baron von Forell und des ersten Staatssekretärs, Don Mariano Luis de Urquijo, zu erfreuen hatte, eröffnete ihm den Zugang zu allen span. Besitzungen in Amerika und dem Indischen Ocean und gestattete ihm die weitesten wissenschaftlichen Beobachtungen, Sammlungen und Studien. Mitte Mai verließ H. Madrid, ging nach Corusa, schiffte sich mit Bonpland 5. Juni 1799 auf der Fregatte Pizarro ein und landete 19. Juni im Hafen von Sta.⸗Cruz auf Teneriffa. H. und Bonpland erstiegen den Pik und sammelten zahlreiche Beobachtungen über die Insel. Am 16. Juli 1799 betraten sie den Boden Amerikas bei Cumana. Eine Forschungsreise durch die 1715.N01 des jetzigen Freistaats Venezuela währte 18 Monate, dann Cud es von Caräcas und Puerto-Cabello nach Süden, über die Grassteppen von Calabozo zum Apure und Orinoco. Auf Indianerkähnen l(ausgehöhlten Baumstämmen) drangen H. und Bonpland durch die Katarakten von Atures und Maypures bis zum südlichsten Grenzvosten der Spanier, dem kaum zwei Breitengrade vom Aquator entfernten Fort San-Carlos am Rio Negro, durch den Tuamini und die Wälder von Pimichin, wo die Kähne über Land gezogen werden mußten, und Ormoeo⸗ durch den Cassiquiare wiederum in den Orinoco. Sie fuhren sodann den Strom bis Angostura hinab und erreichten Cumana am Ende einer Reise, die, 2810 km lang, nur durch unbewohnte Wildnisse gefhrt und zuerst auf astron. Bestimmungen ge ründete Kenntnis von der so lange bestrittenen Bifurkation des Orinoco geliefert hatte. H. und Bonpland schifften sich im Aug. 1800 nach Havana ein, lebten dort einige Monate und begaben sich im März 1801 nach Cartagena, dann auf dem Magdalenenstrom bis Honda und von da nach 4Hiegen Sept. 1801 bis 6. Jan. 1802 ging trotz der Regenzeit die Reise nach Süden fort, über Ibague, die Cordillera de Quindin, Cartago, Popayan, den Paramo de Almaguer und die große Hochebene von Los Pastos nach Quito. Andere fünf Monate, vom 6. Jan. bis 9. Juni 1802, vergingen hier mit Untersuchungen im Hochthale von Quito. Der Chimborasso wurde 23. Juni 1802 bis zur Höhe von 5810 m erstiegen. H. stand hier auf dem höchsten, je vorher von Men-q schen erstiegenen Punkte der Erde, und wurde nur durch eine tiefe Schlucht an der Erklimmung der äußersten noch um 500 m höhern Spitze gehindert. In Quito schloß sich Carlos Montufar den Reisenden an und begleitete sie durch Peru und Mexiko nach Paris. Über den Andenpaß des Paramo de Assuay, über Cuenca und die Chinawälder von Loxa stiegen sie in das Thal des obern Amazonenflusses bei Jean de Bracamoros hinab und erreichten über die Hochebene von Caramarca die Bergstadt Micuipampa und den westl. Abfall der Cordillera von Peru. Hier, von einer Höhe von 3000 m, erblickten sie zuerst die Südsee, gelangten bei Truxillo an die Küste und reisten durch die wasserarme Sandwüste von Niederperu bis Lima. Nach Beobachtung des 180pon Kauas schifften sie sich Ende Dez. 1802 von Callao nach Guayaquil ein und landeten am Schlusse einer zweiten ermüdenden Fahrt in Acapulco 23. März 1803. üÜber Tasco und Cuernavaca erreichten sie im April die Hauptstadt Mexikos, wo sie einige Monate verweilten und dann, nach Norden gewendet, Guanaxuato und Valladolid besuchten, die rovinz Mechoacan durchstreiften, nochmals Küste des Großen Oceans nahe, den Vulkan von Jorulla maßen und über Toluca nach Mexiko zurückehrten. Ein abermaliger Aufenthalt in dieser Stadt wurde zur Ordnung der reichen Sammlungen und Zusammenstellung der vielseitigen Beobachtungen verwendet. Im Jan. 1804 gingen die Reisenden, nachdem sie vorher den Vulkan von Toluca (4578 m) und den Cofre de Perote (4041 m) bestiegen und Verairnz durch die Eichenwälder von Xalapa nach eracruz und den 7. März 1804 nach Havana. Zwei Monate dauerte hier H.s Vervollständigung der Materialien zu seinem Essai politique sur Pisle de Cubap (Par. 1826). Hierauf schiffte er sich mit Bonpland und Montufar 4— hiladelphia ein, erfreute sich einige Wochen zu Washington der freundschaftlichen Aufnahme Jeffersons, verließ Amerika 9. Juli in der Mündung des Delaware und landete 3. Aug. 1804 in Bordeaux, reich an Sammlungen, besonders aber an Beobachtungen aus dem weitesten Gebiete der Naturwissenschaften, der Geographie, Statistik und Ethnographie. H. blieb zunächst in Paris, um seine Sammlungen und Manuskripte zu ordnen und mit Gay-Lussac über die Bestandteile der Atmosphäre zu arbeiten. Dann begleitete ihn der letztere 1805 nach Rom, zum Besuch des Bruders. Mit Leop. von Buch eilten sie zum Vesuv, endlich über die Alpen nach Berlin. Von hier begleitete er den Prinzen Wilhelm von Preußen im Spätherbst 1807 auf seiner schwierigen polit. Mission nach Paris. Der Aufenthalt des Prinzen dauerte bis Herbst 1808, und da Paris H. am eeransau erschien, hier seine vielumfassenden Werke herauszugeben, so erhielt er vom König die Erlaubnis, zu bleiben. Seitdem hatte er seinen dauernden Wohnsitz bis 1827 zu Paris, wo auch sein großes Reisewerk erschien. Die großen polit. Ereignisse zwischen dem ersten und zweiten Pariser Frieden boten H. Gelegenheit zu mehrern Reisen nach England und 1818 nach Aachen, wo ihn der König und Hardenberg während des Kongresses in ihrer Nähe zu haben wünschten. Auch begleitete er den König zum Kongreß nach Verona, Rom und Neapel. Der Wunsch des Monarchen, H. in seiner Umgebung zu behalten, wurde erst 1827 erfüllt. Im Winter 1827—28 hielt H. in der Universität und in der Singakademie die berühmten Vorlesungen über physische Weltbeschreibung. Im April 1829 unternahm H. mit Ehrenberg und G. Rose die auf Befehl des Kaisers Nikolaus großartig ausgestattete Expedition nach dem nördl. Asien (Ural und Altai, der chines. Dsongarei und dem Kaspischen Meere). Bergmännische Untersuchung der Gold⸗ und Platinlagerstätten, die Entdeckung von Diamanten außerhalb der Wendekreise, astron. Ortsbestimmungen, magnetische Beobachtungen, geognost., botan. Sammlungen, neue Ansichten über die Richtung der Gebirge, über die Bodenplastik des centralen Erdteils waren die Hauptresultate der Reise, während welcher in neun Monaten 17400 km zurückgelegt wurden. Diese Resultate sind in Roses «Mineralogisch-geognost. Reise nach dem Ural, Altai und dem Kaspischen Meere v (2 Bde., Berl. 1837—42) und H.s Fragments de géologie et de climatologie asiatique (2 Bde., Par. 1831; deutsch von Löwenberg, Berl. 1832) und in Asie centrale, recherches sur les chaines de montagnes et la climatologie comparéeb Hea Par. 1843; deutsch von Mahlmann, 2 Bde., erl. 1843—44) beschrieben. Die Reise hatte auch noch die Folge, daß die kaiserl. Akademie magnetische und meteorolog. Stationen von Petersburg bis Peking und später durch H.s Vorstellung an den Herzog von Sussex in der südl. Halbkugel anlegte. Unter mehrfachen polit.⸗diplomatischen Reisen und Missionen (mit dem Kronprinzen von Preußen im Mai 1830 nach Warschau, mit dem König nach Teplitz, dann nach Paris, um Ludwig Philipp von Friedrich Wilhelm III. die Anerkennung der Thronbesteigung zu überbringen und polit. Berichte nach Berlin einzusenden) fällt die Herausgabe des Examen critique de la géographie du Nouveau Continento (5 Bde., Par. 1835 —38; deutsch von Ideler, 5 Bde., Berl. 1836 —39). Außer einem abermaligen Besuch zu Paris vom Okt. 1847 bis Neit 1848 machte H. seitdem nur noch zwei kürzere eisen außerhalb Deutschlands, und zwar als Bend 1841, nach Dänemark 1845. Sein ständiger Wohnort blieb Berlin, wo er sein Hauptwerk, den «Kosmoso, verfaßte. H. starb zu Berlin 6. Mai 1859 im 90. Lebensjahre. Mit Ausnahme der Tagebücher seiner amerik. Reise, die der berliner Sternwarte verbleiben sollten, vermachte er Bibliothek, Naturalien und andere Sammlungen seinem langjährigen Diener Seifert. Die Bibliothek wurde bei einem Brande des Auktionslokals in London großenteils vernichtet, während der übrige Nachlaß einzeln in Berlin versteigert wurde. eit über zwanzig Jahre dauerte die Bearbeitung und Herausgabe des amerik. Reisewerks in Paris, welches die berühmtesten Fachmänner (Oltmanns, Kunth, Cuvier, Latreille, Valenciennes, Gay-Lussae, Vauclin, Thenard u. a.), die besten Künstler, Maler und Kupferstecher hilfreich förderten. Es gibt nur eine vollständige Ausgabe, die sog. cgroßev in 30 Bänden (20 in Fol. und 10 in 4.); die sog. ckleinev Ausgabe enthält nur einige einzelne Werke der cgroßen v Ausgabe in wiederholtem Abdruck in Oktav, oft mit Kürzungen und Zusätzen. Der Gesamttitel der vollständigen Ausgabe ist: Voyage au régions équinoxiales du Nouveau Continent, fait en 1790 — 1804 par Alexandre de H. et Aimé Bonpland, rédigé par Alexandre de H. Grande édition etc.o Sie zerfällt in folgende sechs Abteilungen: I. «Relation historiquer (3 Bde., 4., Par. 1811 — 29, oder 13 Bde., 8., Par. 1816—32); sie blieb unvollendet, reicht nur bis zur Reise nach Peru (April 1801) und erschien deutsch von Therese Huber (6 Bde., Stuttg. 1815—32, besser und nach H.s eigener Anordnung etwas gekürzt von Herm. Hauff, 4 Bde., Stuttg. 1859—60). Zur Originalausgabe gehören: „Atlas géographique et physique „ (39 Platten, Fol.) und AKtlas pittoresquep oder Vues de Cordillères etc.o (1810, 60 Platten, Fol.). II. «Observations de zoologie et d'anatomie comparéev (2 Bde. und 55 Platten, Par. 1805—32; mit Beihilfe von Cuvier, Latreille und Valenciennes). III. GEssai politique sur le royaume de la Nouvelle Espagnen (2 Bde., Par. 1811; deutsch, Stuttg. 1811; 2. Aufl., vermehrt durch Essai politique sur l'isle de Cubao, 6 Bde., Par. 1826—27). Hierzu gehört noch: Atlas géographique et physique du royaume de la Nouvelle Espagnen (1 Bd., Fol. u. 21 Platten, Par. 1812). IV. 4«Observations astronomiques, opérations trigonométriques et mesures barométriques, rédigées et calculées par Jabbo Oltmanns v (2 Bde., Par. 1808 — 10). Die Untersuchungen über die Geographie des Neuen Kontinents gegründet auf die astron. Beobachtungen und barometrischen Messungen Alexander von H.s und von Jabbo Oltmanns» (2 Bde., Par. 1810) wurden vernichtet und existieren nur in wenigen Exemplaren. V. «Physique générale et géologie: essai sur la géographie des plantes, accompagné d'un tableauo (Par. 1807; deutsch, Goethe gewidmet, Stuttg. 1807). VI. 1) Plantes équinoxiales, rédigées par A. Bonplando (2 Bde., Fol. mit 144 Platten, Par. 1809— 18); 2) KMelastomes et autres genres du mëme ordre, rédigés par A. Bonpland o (2 Bde., Fol. mit 120 Platten, Par. 1806 — 23); 3) Nova genera et species plantarum etc. adumbraverunt A. Bonpland et Alexandre de H., in ordinem digessit C. S. Kuntho (7 Bde., Fol. mit 700 Platten, Par. 1815—25). Hierzu gehört von H. die Einleitung: De distributione geographica plantarum secundum coeli temperiem et altitudinem montiumo (Par. 1817); 4) (Mimoses et autres plantes légumineuses, rédigées par C. S. Kuntho (1 Bd., Fol. mit 60 Platten, Par. 1819 —-24); 5) (Révision des graminées par C. S. Kuntho (2 Bde., Fol. mit 220 Platten, Par. 1829 -34); 6) K&Synopsis plantarum; auctor C. S. Kuntho (4 Bde., Par. 1822—26). Von der großen Zahl der kleinern Schriften Bde sind vor allem die «Ansichten der Natur v (2 Bde., Stuttg. 1808) zu nennen, die seitdem in zahlreichen Auflagen und auch in franz., engl., holländ., russ. Übersetzungen erschienen sind; nächstdem der erste (und einzige) Band «Kleinere Schriften, geognost. und physik. Erinnerungen» (Stuttg. 1853). Eine vollständige 4Bibliogr. übersicht von H.s Werken, Schriften und zerstreuten Abhandlungeno gibt J. Löwenbergim zweiten Bande von Bruhns' (Alexander von H., eine wissenschaftliche Biographiey (3 Bde., Lpz. 1872). Eine Auswahl seiner Werke erschien in 5Bänden (Stuttg. 1874). Umfangreich ist der Briefwechsel H.s, der nach seinem Tode erschien: mit Varnhagen (1. bis 5. Aufl., Lpz. 1860), mit einem jungen Freunde (Althaus, Berl. 1861), mit Heinr. Berghaus (3 Bde., Jena 1863), mit Bunsen (Opz. 1869), Cancrin (Lpz. 1869), mit Mare. Aug. Pictet (in Le Globen, Bd. 7, 1868), „(Corréespondance scientifique et littéraires, herausegeben von De la Roquette (Par. 1865), mit Euledr. von Raumer in dessen „Litterarischem Nachlaß » (Bd. 1, Berl. 1869), mit Goethe, herausegeben von Bratranek (Lpz. 1876), mit Gauß, hnansgegeben von Bruhns (Lpz. 1877), mit Joach. Heinr. Campe in dessen 4Lebensbildo von Leyser (Braunschw. 1877). (Briefe Alexander von H.s an seinen Bruder Wilhelm » gab die Familie von Humboldt (Stuttg. 1880) heraus. Die Herausgabe der Salede H.s mit den Jugendfreunden Wegener, Freiesleben, mit Bessel, Encke, Schumacher u. a. wurde vorbereitet, ist aber 44. unterblieben. In seiner wissenschaftlichen Thätigkeit vereinigte er zwei Richtungen. Er war groß in der Aneignung und Crörterung des einzelnen, doch ebenso groß auch in der Auffassung und Begründung der allgemeinen Gesetze. Wie kein anderer hat er ein unermeßliches Material auf den verschiedenen Gebieten der Naturwissenschaft, ja selbst der histor. Forschung angehäuft, daneben aber auch jederzeit die Aufgabe festgehalten, den innern Zusammenhang, die „(Gesetzlichkeito der Dinge zu ergründen und die Spezialitäten zu einer empirischen Gesamtanschauung zusammenzujassen. Schon aus einem seiner frühesten Werke: «über die gereizte Muskel⸗ und Nervenfasery (1797), spricht dieser Geist, und nach Verlauf von einem halben Jahrhundert erkennt die inzwischen weit vorgeschrittene Physiologie die Genauigkeit und Schärfe jener Versuche über Galvanismus und die Wahrheit der meisten aus ihnen gezogenen Folgerungen. Auf seinen Reisen Höhenmessungen mit Untersuchung der thermometrischen Verhältnisse und der Beschaffenheit des Bodens verbindend, und neben diesen tiefern Arbeiten es nicht verschmähend, Herbarien zu sammeln, gelangte H. 10 einem reichen Material, durch dessen geistvolle Kombination unter seinen Händen eine neue Wissenschaft, die Rune und einige seis entstand. Zwar hatten schon Linne und einige seiner Nachfolger manche der hervorstechendsten Erscheinungen in der Verbreitung der aund Betrach bemerkt, doch ohne Höhenangaben und etrachtung der Temperaturen. Es blieb H. das große Verdienst, eine große Menge von Thatsachen, die zum Teil in den entlegensten Orten der Erde beobachtet worden waren, mit den eigenen Erfahrungen in Zus ammenhang zu bringen, ihre Verbindung mit den Lehren der Physik nachuweisen und die Gesetze zu erläutern, na welchen ie unendlich formenreiche Pflanzenwelt über den weiten Erdkreis verteilt ist. Es gelang ihm ferner nachzuweisen, welche Einwirkung die Pflanzenwelt auf Bildung des Bodens, auf den Zustand der Völker und auf die geschichtliche Entwickelung des Menschengeschlechts seit der Urzeit geübt hat. Zu der sachlichen Gediegenheit der H.schen Leistungen gesellt sich die poetische Auffassung der Natur da, vo es darauf ankommt, anschauliche Gesamtbilder u entwerfen. Die Arbeiten H.s in einzelnen Fächern sind staunenswert durch ihren Umfang und die Mannigaltigkeit ihrer Richtung. Sie sind am gründlichsten von einzelnen Fachmännern gewürdigt in K. Bruhns 4 Alexander von H., eine wissenschaftschaftliche Biographier (3 Bde., Lpz. 1872). Es besprechen hier seine Leistungen: K. Bruhns in Mathematik, Astronomie und mathem. Geographie; G. Wiedemann in Erdmagnetismus, einzelnen physik. und chem. Forschungen: H. W. Dove in Meteorologie; Jul. Cwald in Geologie; O. Peschel in Erd⸗ und Volkerkunde, Staatswirtschaft und Geschichtschreibung; A. Grisebach in Pflanzengeographie und Botanik; J. V. Carus in Zoologie und vergleichender Anatomie und W. Wundt in Physiologie. Vortreffliches von Peschel über H. findet sich noch in Peschels „Abhandlungen zur Erd⸗ und Völkerkunde (Bd. 1, Lpz. 1877). Populäre Bearbeitungen seiner Reisen verfaßten Klettke, Löwenberg, Wimmerz; kürzere Len anteie lieferten Wittwer, Klencke, Ule. Von den zah reichen na seinem Tode und an seinem säkularen Geburtstage erschienenen Gelegenheitsgedichten und Denkreden sind die besten von Agassiz, Bastian, A, Bernstein, von Dechen, H. W. Dove, Ehrenberg, Encke, Gerland, Martius, Peschel, Quetelet, Virchow, Weber. Die Kunst, Malerei und Plastik, haben ihn oft dargestellt, die uch, Benas, Bilder sind von Gerard, Steuben, Wach, Begas, Hildebrand; Büsten von David, Rauch, Bläser, die bei Gelegenheit der 100jährigen Jubelfeier der Unabhängigkeitserklä— rung der Union, 4. Juli 1876, im Fairmount-Park zu Viladelphia enthüllte kolossale Bronzestatue ist von Drake; eine Statue H.s von Ferdinand von Miller dem jüngern wurde 1878 in St. Louis enthüllt; die Humboldt-Denkmäler vor der berliner Universität, Wilhelm von H.s von Paul Otto und Alexander von H.s von Reinhold Begas, wurden 28. Mai 1883 enthüllt. H.s Namen tragen in Berlin auch der KHumboldts-Haino, ein großer, schöner Park mit Anlagen zur unentgeltlichen Belehrung des Volks in der Naturwissenschaft, und die Humboldt-Stiftung unter dem Kuratorium der Akademie der Wissenschaften, mit der Aufgabe: cher Reiß der Naturwissenschaften und wi enschaftlicher Reisen.