Heyse (Karl Wilh. Ludw.), verdienter Sprachforscher, Sohn des vorigen, n. 15. Okt. 1797 zu Oldenburg, erhielt seine Bildung erst in seiner Vaterstadt und in Nordhausen, dann in einem Privatinstitut zu Vevey, bis ihn 1815 W. von Humboldt zum Führer seines jüngsten Sohnes wählte. Nachdem er mit diesem ein Jahr in Frankfurt a. O. verbracht, wandte er sich nach Berlin und wurde 1819 Lehrer im Hause Mendelssohn-Bartholdys, in welcher Stellung er bis 1827 verblieb. Hierauf habilitierte sich H. an der berliner Universität in der philos. Fakultät, in der er w1829 eine außerord. Professur erhielt. Während seine Studien anfänglich besonders auf die Erklärung griech. und röm. Autoren gerichtet waren, wandte er sich seit dem Tode seines Vaters, den er schon vorher litterarisch unterstützt, vorzugsweise den deutschen Sprachstudien zu. Außer neuen Ausgaben des (Fremdwörterbuch' und der Lehrbücher des Vaters veröffentlichte er eine «Kurzgefaßte Verslehre der deutschen Sprachev (Hannov. 1825), das Ausführliche Lehrbuch der deutschen Sprachen (2 Bde., Hannov. 1838—49), in welchem er die Ergebnisse der neuern histor. und vergleichenden Sprachforschung den Laien zugänglich zu machen suchte, so- wie das bereits vom Vater vorbereitete 4Handwörterbuch der deutschen Spracher (3 Bde., Magdeb. 1833—49). Letzteres empfiehlt sich besonders durch seine Reichhaltigkeit, sowie durch sorgfältige histor.⸗ etymolog. Begründung und Entwickelung der Wortformen und Bedeutungen unter beständiger Rücksicht auf die Praxis des gegenwärtigen Sprachbenr 505 H.s wissenschaftlich bedeutendste Arit, das »System der Sprachwissenschafte (Berl. 1856), wurde erst nach seinem Tode, der 25. Nov. 1855 erfolgte, von Steinthal herausgegeben. Sein jüngerer Bruder, Theodor Friedrich H., geb. 8. Okt. 1803 zu Oldenburg, besuchte die .— zu Nordhausen und Magdeburg und widmete sich 1822—25 zu Berlin vorzugsweise klassisch-philol. Studien. Nachdem er seit 1827 als Lehrer an der Lippeschen Erziehungsanstalt auf Schloß Lenzburg gewirkt, wandte er sich 1832 nach Italien, wo Rom seine 1 Heimat wurde. Daselbst widmete er seine Thätigkeit bibliothekarischen Iuercheun und Handschriftenvergleichungen im eresse auswärtiger +—π und war als Lehrer und Erzieher in röm. Fürstenhäusern thätig. Besondere Aufmerksamkeit wandte er der Texteskritik der griech. und röm. Kirchenväter zu. Von seinen selbständigen Arbeiten sind Polybü historiarum excerpta gnomica (Berl. 1846) und Catulls Buch der Lieder» mit kritisch verbessertem Text (Berl. 1855) hervorzuheben. Im J. 1861 kehrte H. nach Deutschland zurück, nahm seinen Wohnsitz zu München, ging aber 1865 wieder nach Italien. Er starb 10. Febr. 1884 in Bun Eine von ihm begonnene Ausgabe der lat. Vulgata des Alten Testaments nach dem Codex Amiatinus wurde von Tischendorf beendet (Lpz. 1873).