FeedHomberg (Wilh.)
HeilkundeBrockhaus 1882

Homberg (Wilh.), Chemiker, geb. 8. Jan. 1652 als Sohn eines zu Batavia lebenden Quedlinburgers, der dort Kommandant des holländ. Arsenals war, aber später mit seiner Familie nach Europa zurückkehrte. H. studierte in Jena und Leipzig Jurisprudenz und ließ sich 1674 als Advokat in Magdeburg nieder. Durch den Verkehr mit Otto von Guericke wurde sein Interesse für Naturwissenschaften erweckt, wodurch er bestimmt wurde, seine Advokatur niederzulegen. Er begab sich studienhalber auf Bulog nach Italien, wo er längere Zeit in Padua, Bologna, Rom Naturwissenschaften und Medizin studierte; von hier ging er nach Frankreich und nach England, wo er sich an Boyle anschloß und in dessen Laboratorium sich mit Chemie beschäftigte. Er kehrte nach Deutschland zurück und erwarb in Wittenberg den Doktorgrad der Medizin. Neue Reisen führten ihn nach Ungarn, Schweden und wieder nach Frankreich. Im J. 1682 trat er in Paris zur kath. Religion über. Von 1688 bis 1691 nahm er seinen Aufenthalt in Rom, wo er sich als praktischer Arzt auszeichnete. In letzterm Jahre kehrte er nach Paris zurück, wurde Dutet Mitglied der Akademie erwählt, 1704 zum Leibarzt des Herzogs von Orléans ernannt und starb daselbst 24. Sept. 1715. Als Chemiker nahm er den Standpunkt der damaligen Zeit ein und war noch von der Möglichkeit der Metallverwandlung überzeugt. Er lieferte iser reiche Abhandlungen in den Memoirenv der pariser Akademie von 1692 bis 1714. Von seinen Arbeiten — zu nennen: die Bereitung eines Pyrophors urch Calcinieren von Alaun mit verbrennlichen Substanzen; die Entdeckung der Phosphoreszenz des eschmolzenen Chlorcalciums; die Abscheidung der Borsäure (deren Natur ihm jedoch fremd blieb) aus dem Borax; die leichte Schmelzbarkeit der Legierungen von Zinn, Blei und Wismut; die Bereitung von Karminlack und Tusche; verschiedene Untersuchungen über die mittels des Brennspiegels konzentrierte Hitze auf Metalle u. s. w.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 9, S. 369Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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