Aas. Alle organischen Körper, deren Leben auf-Dehun hat, fallen einem Zersetzungsprozeß anheim, ei welchem Wasser und Luft die wesentlichste Rolle spielen. Dieser Zersetzungsprozeß beginnt unmittelbar nach dem Tode und läßt sich mit einer langsamen feuchten Verbrennung vergleichen, durch welche eine Reihe von Zwischenprodukten erzeugt wird, die zum Teil, namentlich bei tierischen Körpern, einen sehr unangenehmen Geruch haben und der Gesundheit höchst verderblich sind. Aser nennt man nun vorzugsweise die Leichname der Tiere, besonders der größern Säugetiere, welche in Verwesung übergehen. Es ist eine der ersten Aufgaben der Gesund die Aser wegzuschaffen und unschädlich zu machen, während die Nationalökonomie 2. muß, dieselben möglichst zu verwerten. Zur Aufarbeitung der Aser größerer Tiere, so- wie derjenigen, welche wegen Krankheit oder aus ese Sunzin Gründen getötet werden (3. B. herrenlose Hunde), gehören die Schindanger, über welche überall in der civilisierten Welt sanitätspolizeiliche Bestimmungen getroffen sind, und an welche die Kadaver der gefallenen und verunglückten Tiere gewöhnlich in kürzester Frist nach dem Tode abgeliefert werden müssen. Nur in solchen Staaten, wo die Sanitätspolizei noch uf der Stufe der Kindheit sich befindet, oder auf einsamen Höfen ist es den Besitzern erlaubt, das A. selbständig zu verwerten, was gewöhnlich durch Verscharren unter dem Miste oder in Jauchegruben ges chieht, wo man zur Beschleunigung des Zersetzungsprozesses Atzkalk zufügt. Aun den unie 3. . und namentlich in größern Austalten, wie z. B. Montfaucon bei Paris, wo ungeheuere Mengen von Material zu bewältigen sind, wird die Verwertung der Aser durchaus systematisch betrieben. Von dieser Verwertung sind nur die Leichname an gefährlichen, ansteckenden Seuchen erkrankter Tiere, wie z. B. Milzbrand oder Rinderpest, ausgeschlossen. Cons wird das Fleisch der frischen Leichname teils roh, teils gekocht an Tiere verfüttert, besonders an Schweine und Hunde. In der Bresse, der Bretagne, der Normandie und dem Perigord erhält das Geflügel einen bedeutenden Anteil seines Futters in gekochtem und gehacktem Fleisch gefallener Tiere. Die Häute, Klauen, Hörner und Haare derselben werden zu verschiedenen technischen Zwecken ebenso benutzt wie diejenigen der geschlachteten Tiere, nicht minder das Fett zur * von Stearin, Seife, Wagenschmiere und zu ähnlichen Zwecken. Die Knochen werden zum Teil verkocht mit Knorpeln und Sehnen, um den Leim daraus zu ziehen, sodann zu Knochenmehl oder Beinschwarz verarbeitet, nachdem vorher die zu Knöpfen, Messerstielen und andern beinernen Gerätschaften geeigneten Stücke ausgesucht sind. Nach all diesen Ausnutzungen, zu welchen noch die Bereitung von Blutlaugensalz und verschiedenen trockenen Destillationsprodukten gebörpe bleibt nur ein unbedeutender Rest des Tierörpers, namentlich aus Fleisch und Eingeweiden bestehend, welcher zu sog. Poudrette oder künstlichem Dünger verarbeitet wird. In Gegenden und Ländern, wo die menschliche Polizei nicht für das Wegschaffen der Aser bemüht ist, sorgt die Natur dafür, indem eine Menge von Tieren sich von diesen verwesenden Stoffen nährt. Unter den Säugetieren sind es namentlich die Hyänen, Schakale, Hunde, Pharaonsratten, Spitzmäuse und ganz besonders die großen Wanderratten, welche den Namen von Aastieren verdienen; unter den Vögeln die Geier, die Adler und unedeln Falken, die Kropfstörche, Raben und Krähen; unter den Fischen die Weißfische und die Haie. Auch sämtliche Krustentiere, die Krebse und Krabben, die Flohkrebse und Asseln gehen vorzugsweise gern auf A.; stark riechendes faules aase eins der besten Mittel, um Krebse anzuziehen. Unter den Insekten gibt es ein unzähliges Heer, namentlich von Larven aus allen Gattungen, welche — A. und faulenden Stoffen nähren; besoners ist dies der Fall bei den Aaskäfern (s. d.), den Mücken und Fliegen, wo die Larven der bekannten Fleisch-, Schmeiß⸗ und Aasfliegen (die sog. Aasmaden) nur allgemeiner bekannte Glieder des großen Heers der Aasfliegen darstellen. Nicht minder äufig finden sich verschiedene Würmer und Infuionstiere in den im Wasser faulenden Asern.