FeedAbortivkur
HeilkundeBrockhaus 1882

Abortivkur nennt man jedes Heilverfahren, durch welches eine Krankheit in ihren ersten Anfängen geheilt, ihre Weiterentwickelung abgeschnitten, coupiert wird, im Den Fer zur exspektativen Methode, welche den Verlauf einer Krankheit durch keinerlei eingreifende Mittel zu unterbrechen sucht. Solange man wähnte, jede Krankheit beruhe auf einem Bestreben der Natur, einen schädlichen Stoff aus dem Körper zu entfernen, solange wollte man auch nichts von A. wissen, weil man glaubte der schädliche Stoff müsse auf irgend eine Weise doch entfernt werden. Dem entsprechend war die sog. Ableitungskur in Anwendung, bei welcher man die Krankheit auf das Organ zu leiten suchte, in wel-Weit er Krankheitsstoff auf die Ableieise seinen Ausweg nehmen könnte. (S. Ableitung.) Jetzt weiß man, daß * viele Krankheiten einen ganz örtlichen Ursprung haben, und daß die Gesamterkrankung des Organismus meist erst eine Folge der örtlichen Störung, also die rasche Beseitigung der letztern das beste Mittel gegen die Krankheit ist. Man unterscheidet örtliche und allgemeine A. Beispiele für die erstere sind Unterdrückung eines eben beginnenden Hautausschlags durch Kälte, die energische Anwendung von Eis auf einen beginnenden Schwär, das Atzen vergifteter Wunden, wobei das Gift 5. bie und seine Weiterverbreitung gehemmt wird, die Behandlung einer beginnenden Schleimhautentzündung mit Adstringentien (s. d.). Zu der allgemeinen A. gehört die Herstellung eines starken Schweißes, wenn nach einer Erkältung eine Krankheit auszubrechen droht, die Darreichung von Chinin bei ausbrechendem Wechselfieber, die Anwendung eines Abführmittels bei beginnendem Typhus u. a. m. **

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 63Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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