FeedAbbas Mirza
GeschichteBrockhaus 1882

Abbas Mirza, 088 Prinz, bekannt durch seine Kriegführung gegen Rußland, wurde als zweiter Sohn des Oie Miutt Persien Feth-Ali um 1783 geboren. Da die Mutter des Prinzen aus dem regierenden Geschlechte der Kadscharen stammte, bestimmte ihn sein Vater mit übergehung des von einer Sklavin geborenen ältern Bruders Ali Mirza zum Thronfolger. A. besaß viel Talent, ungewöhnliche Kenntnisse, ein anmutiges, ritterliches Wesen und liebte abendländ. Sitte und Bildung. Noch sehr jung suchte er als Statthalter von Tebris und Aserbeidschan mit Hilfe von Europäern das Heer zu reformieren. Als Persien, durch franz. Einfluß bewogen, 1811 den Krieg gegen Rußland wieder eröffnete, befehligte A. die pers. Hauptarmee, war jedoch nicht glücklich. Persien verlor im Frieden zu Gulistan 12. Okt. 1813 seine Länder am Kaukasus und mußte die russ. Kriegsflagge auf dem Kaspischen Meere gestatten. Auf A.s Betrieb kam es zwischen Feth-Ali und Rußland 1826 abermals zum Kriege. Der Prinz focht von neuem mit groder Tapferkeit, unterlag wiederum den russ. Waffen unter den Generalen Jermolow und Paskewitsch und mußte 22. Febr. 1828 den Perden von Turkmantschai schließen, durch den Persien seinen Anteil an Armenien verlor. Als im Febr. 1829 der russ. Gesandte zu Teheran in einem Volksaufstande ermordet worden war * sich A. persönlich nach Petersburg zum Kaiser Nikolaus, um die Folgen abzuwenden, und ward sehr wohlwollend 7½ nommen. V den J. 1831 und 1832 kämpfte A. egen die Kurdenhäuptlinge von Chorasan und 05 auf einem Zuge gegen Cohn im Dez. 1833 zu essched. A.“ altester ohn, Mohammed Englands und Rußlands Schutz den pers. Thron. bbas Pascha, Vizekönig von Agypten, ein Enkel Mehemed-Alis von dessen jung verstorbenem Sohne Tussün, wurde während des Wahabitenkriegs 1813 zu Dschidda in Arabien geboren. Die Gunst seines Großvaters, der ihn in Kairo erzog, ließ ihn früh die höchsten Stufen der ägypt. Militär⸗ und Civilbeamtenhierarchie ersteigen; doch zeichnete er sich weder in den syr. Kriegen 1831 und 1840, noch in der Provinzialadministration aus. Nach dem Tode Ibrahim Paschas trat A. 10. Nov. 1848 die Regierung an und wurde alsbald von der Pforte bestätigt. Zunächst schaffte er einige Steuern ab, doch stellte er sich vor allem die Aufgabe, die in Agypten eingeführte neuere Civilisation wieder zu beseitigen, weshalb er die Europäer aus seinem Dienst entließ und die von seinen Vorgängern ge-Bercuand Bildungsanstalten vernachlässigte. Durch eschränkungen des Handels und Verkehrs und durch habgierige Willkürakte machte er sich bald unbeliebt, und als seine eigenen Verwandten gegen ihn klagend 2 2—— benutzte die Pforte die Gelegenheit, das so lose gewordene Band der Abhängigkeit Agyptens wieder straffer anzuziehen. So wurde A. ahnhren, un den Tansimat (s. d.) in Agypten einzuführen, und wenn er im Besitz einiger Ausnahmsrechte vorläufig verblieb, so mußte er dafür in eine Erhöhung des Tributs willigen. Doch verschaffte er sich 1852 von der Pforte weitere Zugeständnisse, die ihn 40· die Anfeindungen seiner nach Konstantinopel übergesiedelten Familienglieder sicherstellen sollten; auch bewies er seine Ergebenheit, indem er 1854 bei Ausbruch des russ. Kriegs dem Sultan seine Flotte und ein Korps von 15000 Mann zur Verfügung stellte. Aber schon 13. Juli 1854 ereilte ihn der Tod, angeblich durch einen Schlaganfall, wahrscheinlicher durch Ermordung. Er hinterließ einen 17jährigen Sohn Elhami der im Sept. 1860 starb. In der Regierung higt ihm sein Oheim Said Pascha (s. d.).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 18Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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