FeedAbd-ul-Hamid II.
GeschichteBrockhaus 1882

Abd-ul-Hamid II., der 34. Sultan der Osmanen, zweiter Sohn des Sultans Abd-ul-Medschid, geb. 22. Sept. 1842, folgte seinem Bruder Murad V., welcher schon drei Monate nach seiner Thronbesteigung wahnsinnig geworden war, 31. Aug. 1876 in der Regierung. Die Lage des Reichs war eine höchst mißliche, der Staatsbankrott von 1875 hatte den Kredit vernichtet, in Bulgarien und der Herzegowina tobte ein Aufstand, Serbien und Montenegro hatten den Krieg begonnen und Rußland vollendete eben seine Rüstungen, um den vernichtenden Schlag Haden die Pforte zu führen, welche diesmal ohne Bundesgenossen dastand. Eine der ersten Regierungshandlungen A.s war, daß er 23. Dez. 1876 eine Verfassung erteilte, welche die vollständige Rechtsgleichheit aller türk. Unterthanen aussprach. Doch entwaffnete dieser Schritt die Gegner keineswegs. Rußland erklärte 24. April 1877 den Krieg, welcher, mit wechselndem Glücke in Europa und Asien geführt, wohl den Türken einige Sympathie Raden als aber mit entscheidenden Siegen l der Russen endigte. (S. Russisch-Türkischer Krieg von 1877—78.) Angesichts seiner Haupt-i stadt zwangen dieselben den Sultan zu dem Frieden von San-Stefano (3. März 1878), durch welchen die völlige Unabhängigkeit Rumäniens und Serbiens, die Verwandlung der bulgar. Provinzen in l ein autonomes Fürstentum, Gebietsabtretungen an Rußland, Serbien und Montenegro und Zahlung einer sehr bedeutenden Summe als Kriegs-2 entschädigung stipuliert wurde. Auch die durch die Maßlosigkeit dieser Bedingungen hervorgerufene l Mißstimmung der Mächte kam dem Sultan wenig zu gute, da er auf dem Berliner dee. (13. Juli r 1878) für geringe Modifikationen des Vertrags in n die Besetzung Bosniens durch Osterreich und der Insel Hpern durch Deranderung und außerdem Griechenland eine Vergrößerung durch thessalisch-epirotische Grenzländer zusagen mußte. Auch W von diesen Verlusten bot A.s Regierung wenig Ruhe. Zu den DieUnhohmnziclett d chwierigkeiten gesellte sich die Unbotmäßigkeit der Albanesen. Da die Bevölkerung der an Montene ro abgetretenen Gebiete sich dem Beschlusse der Mächte widersetzte, muteten diese dem Sultan. u, im Interesse seiner Feinde gegen anhängliche Unterthanen Gewalt zu gebrauchen, ein Ansinnen, welchem A. nach langem Zaudern betreffs der kleinen Feste Dulcigno nachkam (Nov. 1880).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 28Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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