Abd-ul⸗ edschid, der 31. Sultan der Osmanen, der 28. seit der Eroberung von Konstantinopel, geb. 23. April 1823 als ältester Sohn Mahmuds II., welchem er 1. Juli 1839 in der Regierung folgte, kurz nachdem das türk. Heer in der Schlacht von Nisib 2. Juni 1839) von der ägypt. Armee geschlagen und zerstreut worden war. Nachdem durch den Beistand der europ. Mächte der ägypt. Pascha Mehemed-Ali gedemütigt war, faßte A. eine dauernde Vorliebe für die Kultur des Occidents und — die von seinem Vater begonnenen Reformen ort. Auf den Rat Reschid Paschas (s. d.) erließ er 3. Nov. 1839 den berühmten Hattischerif von Gülhane, in welchem zuerst allen türk. Unterthanen gleicher Schutz für Leben, Habe und Ehre verheißen ward und A. dem alten ud Biut. Recht willkurlicher Verfügung über Gut und Blut der Beamten entsagte. Wohlwollend und milde enthielt er sich persönlichen in die Staatsangelegenheiten und führte ein unbedingtes Pforten-oder Veziersregiment ein. Nachdem 1843 die Beziehungen zu Mehemed-Ali von Agypten geordnet worden, trat eine lange Epoche der Ruhe ein. Im J. 1850 verweijerte die Pforte, von England unterstützt, die Ausieferung der von Rußland und Osterreich verlangten politischen Flüchtlinge; 1852 aus dafür Osterreich die Türken zum Rückzuge aus Montenegro. Gleichzeitig brach in der Streit um die Heiligen Stätten aus, welchen Rußland benutzte, um 1853 einen Krieg vom Zaune zu brechen. Dem beleidigenden Auftreten des russ. Abgesandten Menschikow gegenüber zeigte der Sultan persönlich Würde und Festigkeit. Im Kriege (s. Orient-Bundesgenossen; das Resultat war zwar eine Niederlage, aber keine dauernde Schwächung Rußlands; den geringen Vorteil mußte die Pforte ihren Verbündeten mit neuen, den bisherigen Staatseinrichtungen widerstreitenden Zusagen im Hatti-Humajun (vom 18. Febr. 1856) bezahlen, durch welchen die Unterthanenverhältnisse eine unvermittelte Anderung erfuhren. Der Friede von Paris (30. März 1856), welcher der Pforte nicht bloß äußern, sondern auch innern Frieden geben sollte, genügte den Christen nicht und erbitterte die Mohammedaner. Es kam zu Aufständen in Bosnien, Bulgarien, Albanien; in Damaskus und im Libanon fanden von 3e Massenmorde und Drusen an Christen begangene Massenmorde statt. Während früher A. tüchtige Regterun an die richtige Stelle setzte, sodaß seine Regierung im Heerwesen, in der Provinzialorganisation, in der Rechtspflege große Verbesserungen zu Wege brachte, verfiel er jetzt immer mehr in Indolenz und Icnasn —te keit und verschleuderte die Staatseinnahmen, während die Schuldenlast alljährlich erschreckendere Verhältnisse annahm. Im J. 1858 mußte sich die 541 dis Schatulle bankrott erklären. A. verlor völlig die Liebe und Achtung seiner Unterthanen und arb 25. Juni 1861 an Marasmus. Er hinterließ 8 Töchter und 6 Söhne, welchen letztern na dem osman. Hausgesetz ihr Oheim Abd-ul-Asis (s. d.) in der Thronfolge voranging.