FeedAbeneerragen
GeschichteBrockhaus 1882

Abeneerragen heißt bei den ältern span. Chronisten und Romanzendichtern ein edles maurisches Geschlecht im Königreiche Granada, welches zur letzten maurischen Dynastie in sehr naher Beziehung stand und unter Musa ben-Hasan, dem Statthalter des Kalifen Welid von Damaskus, im Anfange des 8. Jahrh. nach Spanien gekommen war. Mehrere Glieder desselben spielten während der innern Kämpfe sowie in den Kriegen mit den Nolle Königen von Castilien eine hervorragende olle und wurden daher, gleich den christl. Heldengestalten jener Zeit, in den span. Romanzen, namentlich denen aus den letzten Jahrzehnten des 15. Jahrh. und aus dem 16. Jahrh., gefeiert. Als Stammyater des Geschlechts gilt der tapfere Hn (unter Musa); den Namen hat man dem Geschlecht gegeben, nicht sowohl nach dem Gegenkönig Aben-Zerragh von Granada (11. Jahrh.), als nach Jussuf ben-Zerragh, dem Vertrauten des Königs Mohammed VII. und dem damaligen Familienhaupte. Als letzterer Fürst 1427 von seinem Vetter Mohammed al-Zaghir getürzt worden war, mußte Jussuf ben-Zerragh mit em größten Teile seiner Angehörigen nach Castilien flüchten. Er wußte dort den König Johann II. sowie auch noch den König von Tunis für die Sache seines gestürzten Gebieters zu gewinnen, durch deren Thre denn auch 2— VII. wieder auf den hron gelangte. Al-Zaghir wurde hingerichtet; Jussuf ben-Zerragh hingegen fiel als treuer Anhäner des maurischen Königshauses 1436 in einer chlacht gegen einen neuen Thronprätendenten, den Nösip ben-Alhamar und Ren Protektor, den önig von Castilien. Hassuf en-Alhamar siegte zwar und kam auf den Thron von Granada, starb aber schon sechs Monate nachher, worauf Mohammed VII. zum dritten Mal als König in Granada einzog. Nachdem Mohammed VII. 1444 nochmals vom Throne gestoßen worden und auf demselben Osmin ben-Ahnaf und seit 1453 Mohammed ben-Ismail 6661 waren, sollen nach span., aber durch die arab. Geschichtschreiber nicht bestätigten Berichten um diese Zeit die A. den Versuch gemacht haben, die Krone von Granada einem Gliede ihres Geschlechts zu gewinnen. Durchaus nur der Romanzenpoesie gehören jener Kampf der A mit der Familie der Zegris und der tragische Untergang der erstern in der Alhambra in den letzten Jahren der mauridurc Herrschaft in Granada an, welche besonders urch die MHistoria de las guerras civiles de Granaday des Gines Perez de Hita (erster und wichtigster Teil, Sarag. 1595 und sehr oft im 16. Jahrh.; 2. Tl., zuerst Alcala 1604; zusammen 2 Bde., Madr. 1833; auch in Aribaus Bibliotecay, Bd. 3, Madr. 1846) in der Litteratur Berühmtheit erlangt haben. Der Verfasser dieses mit vielen Romanzen durchwebten histor. Romans, der zu den besten Erzeugnissen der span. Litteratur gehört, will seine Erählung arab. Berichten entnommen haben; doch 2 nur ein Teil der Heldengestalten historisch. Das Reiste entstammt den Romanzen und volkstümlicher Überlieferung oder der Phantaste des Verfassers, der jedoch im Geiste jener sturmbewegten Zeit schildert. Aus dieser Dichtung entnahm Chateaubriand den Stoff zu seinem Roman Les aveéntures du dernier des Abencérageso, wonach Jouy das Textbuch zu Cherubinis Oper Les Abencérageso bearbeitete. Vgl. Conde, istoria de la dominacion de 1os Arabes en Espana (Madr. 1829). „Abend heißt die Zeit des Sonnenuntergangs bis zum Eintritt der Nacht; in der astron. Sprache oft die Zeit zwischen Mittag und Mitternacht; ferner diejenige Himmelsgegend (s. d.), in welcher die Sonne, der Mond und die Gestirne untergehen und welche 22 Westen oder Abendgegend genannt wird. — Der Abendpunkt oder Westpunkt, einer der vier Haupt⸗ oder Kardinalpunkte des Horizonts, ist derjenige Punkt desselben, in welchem die im Aquator Loeer Gestirne untergehen, weshalb auch die Sonne an den Tagen der Nachtgleichen genau in diesem Punkte untergeht. Er ist 90° vom Süden und mithin ebenso weit vom Norden entfernt, und liegt dem nach Süden sehenden Beobachter zur Rechten. — Abendweite ist der Abstand des Punktes, wo ein Gestirn untergeht, vom wahren Abendpunkte; sie kann nördlich oder südlich sein, je nachdem der Stern nördlich oder südlich vom Aquator steht. Die Sonne hat im Sommer eine nördl., im Winter eine südl. Abendweite. — Abendwind oder Westwind heißt der aus Westen kommende Wind. Derselbe bringt in Deutschland meist bewölkten Himmel, verhindert dadurch im Sommer die starke Strahlung der Sonne und mäßigt somit die Hitze, während er im Winter die Ausstrahlung der Erde verhindert und somit die Kälte mildert.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 33Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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