FeedAlhambra
ErdkundeBrockhaus 1882

Alhambra (aus dem arab. Kelät-al-hamrah, die rote Burg) heißt die frühere Citadelle von Granada, welche die Stadt an ihrer Südostseite überragt. Sie krönt die fast ebene n eines Felsens, welcher den Darro und den Jenil vor ihrer Vereinigung trennt, war die ehemalige Zwingburg der maurischen Könige und ist noch jetzt das berühmteste Denkmal maurischer Baukunst. Anerkennenswert ist, daß die span. Regierung unter der Leitung des sachverständigen Architekten Contreras die teilweise schon verfallenen Räume im alten Stil würdig restaurieren läßt. Der großartige Bau hat ungefähr 3,5 km im Umfang und ist noch von seiner ursprünglichen, mit vielen Türmen versehenen Ringmauer umgeben. Außer dem berühmten maurischen Königspalaste finden sich innerhalb der Mauer eine Pfarrkirche, ein ehemaliges, jetzt als Kaserne benutztes Kloster, eine Anzahl Wohnhäuser und der unvollendet gebliebene, Kunls Wun nur als Ruine noch imposante Palast Karls V. an der Stelle des Winterpalastes der maurischen Könige. Ein Teil der alten Türme und Gebäude diente früher als Zuchthaus und Staatsgefängnis. Wasse einen herrlichen Park mit reichlich fließenden Wässern und mit Bäumen, wie man sie kaum irgendwo in Spanien findet, ist die A. von den Torres Bermejas, einer andern, angeblich von den Phöniziern gegründeten Burg, getrennt. An der nördl. Seite der Ringmauer entfaltet sich noch jetzt die architektonische Pracht des vormaligen maurischen Königspalastes, der 1213—1338 erbaut wurde. Man tritt jetzt durch ein einfaches Thor an der Westseite des Palastes zunächst in die Säulenhalle ein, welche den größten rechteckigen Hof, Patio de la Alberca, öfter noch Patio de los Arrayanes (Myrtenhof) genannt, umschließt; an der nördl. schmalen Seite desselben gelangt man durch einen Vorsaal in den Saal der Gesandten, einen quadratischen Raum mit einer fast 20 m hohen Kuppel, in welchem sich die ganze Pracht der maurischen Baukunst entfaltet. Von dem Patio de la Alberca gelangt man nach Osten in den Löwenhof mit einem auf 12 Löwen ruhenden Springbrunnen, an den sich der Saal der zwei Schwestern, so genannt von zwei großen, ganz gleichen Marmorplatten, der Saal des Gerichts und der Saal der Abencerragen anschließt. In letzterm zeigt man noch die Blutflecke, welche von dem großen Blutbade herrühren sollen, welches der letzte Sultan, Boabdil, unter diesem alten Geschlechte auf Antrieb ihrer Todfeinde, der Zegris, anrichtete, und welches die innere Zerrüttung und den Fall des Maurenreichs wesentlich beschleunigte. überall ordnen sich um diese Höfe zierliche Säulenhallen, kühle Gemächer, Gärtchen mit lebendigem Wasser, nach außen reiche Balkone mit der Aussicht auf die Landschaft. Die Flächen dieser Räume zeigen sich meist im anmutigsten maurischen Dekorationsstile verziert. Die Wände sind mit sinnreichen Mosaikmustern, die Gewölbe mit einem Schmuck versehen, welcher an Bienenzellen erinnert und von den Spaniern Media naranja, eine halbe Apfelsine, genannt wird wegen der Ähnlichkeit mit den Zellen einer aufgeschnittenen Orange. Das Rußere dagegen ist ernst, festungsmäßig und ohne Symmetrie behandelt. Als Seltenheit an einem mohammed. Monument sind die wahrscheinlich von einem christl. Künstler des 14. oder 15. Jahrh. ausgeführten Fresken (Jagden und Kämpfe) zu erwähnen. Nordöstlich von der A., auf der Cuesta de los Molinos, von dem maurischen Schloß durch einen tiefen, mit hohen Bäumen bewachsenen Abhang getrennt, liegt der Sommerpalast Generalife. Washington Irving benutzte seinen Aufenthalt als amerik. Gesandter in Spanien zu einer guten, mit maurischen Legenden geschmückten Beschreibung der A. Als vollständigstes und vollendetstes Denkmal der maurischen Kunst ist die A. vielfach Gegenstand kunsthistor. Behandlung geworden. Unter den Prachtwerken über dieselbe sind zu nennen: Murphy, «The Arabian antiquities of Spaino (Lond. 1816); Girault de Prangey, Souvenirs de Grenade et del'A.v und Monuments arabes et moresques d' Espagney (Par. 1839); Owen Jones, Plans, elevations, sections and details of the A.v (2 Bde., Lond. 1842—45); Bisson, „Choix d'ornements arabes de I'A. (Par. 1855) (Monumentos arquitectonicos de Espana (Madr. 1859). (Hierzu Tafel: Alhambra.) Eine Nachahmung der charakteristischsten Teile der A. enthält der Alhambra-Court des Glaspalastes zu Sydenham, der unter Owen Jones' Leitung ausgeführt worden ist.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 415Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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