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ErdkundeBrockhaus 1882

Abendberg, der 1257 m hohe nordöstl. Ausläufer der Morgenberghornkette am obern (südöstl.) Ende des Thunersees im Kanton Bern, früher bekannt durch die 1841 von Dr. Jul. Guggenbühl geründete, mit milden Beiträgen ..74 Kretineneilanstalt, welche jedoch den von ihr gehegten Erwartungen nicht entsprach und nach dem Tode Guggenbühls (1863) bMolte ward. Seitdem ist hier ein klimatischer und Molkenkurort. Abendland. Zur Zeit der röm. Weltherrschaft betrachtete man die Stadt Rom naturgemäß als den Mittelpunkt der Erde, d. h. der damals allein und nur teilweise enn genau bekannten »Alten Welto, und nannte demnach die von Italien aus östlich gelegenen Länder, da wo die Sonne aufgeht, das Morgenland oder den Orient (lat. Oriens), hingegen die westlich gelegenen Länder das A. oder den Oceident (lat. Oceidens). Diese allgemeine geogr. Bezeichnung erhielt eine bestimmtere Bedeutung, als 395 n. Chr. mit dem Tode des Kaisers Theodosius I. das Römische Reich in zwei Hälften auseinanderfiel, in das Oströmische oder Morgenländische Kaisertum 2Abend es Reich) und in das Weströmische oder Abendländische Kaisertum. Das Abendländische Reich fand bereits 476 seinen Untergang durch Odoacer. Aber der geogr. Gegensatz zwischen A. und Morgenland er-Eunt im Laufe des Mittelalters eine tiefergehende ulturhistor. Bedeutung, indem sich mit ihm einesteils der Antagonismus zwischen der röm.⸗kath. oder abendländischen Kirche und der griech.⸗ kath. oder morgenländischen (anatolischen) Kirche verband, andernteils, besonders in den Kreuzzügen, das Leben und Streben der abendländ. christenheit ich zu einem thatsächlichen Kampfe mit dem vom rient aus nach Europa vordringenden Islam geschied u Noch weitergreifend wurde dieser Unterchied und Gegensatz zwischen dem jahrhundertelang namentlich durch die Osmanen repräsentierten Orient und dem Occident in neuerer Zeit, seitdem im A. das Studium der Antike wieder erwachte, während zugleich der gesteigerte direkte Verkehr mit dem Orient die Kenntnis der Sprachen und Litteraturen sowie der gesamten geistigen und sittlichen Kultur der morgenländ. Völker bei den Abendländern erweiterte. Man spricht jetzt von einem Gegensatz zwischen morgenländ. und abendländischer Kulktur und versteht unter der letztern die auf die klassische Kultur Griechenlands und Roms gegründete und durch das Christentum wesentlich beeinflußte Bildung der german. und roman. Völker. Der Ausdruck A. wird dabei gewöhnlich auf Deutschland Osterreich, England, Italien — —.— und die Pyrenäis che Halbinsel be chränkt, wie man auch unter den neuern abendländischen Sprachen und Litteraturen, im Gegenfatz sowohl zu den altklassischen als den orientalischen, die Sprachen und Litteraturen der Völker des mittlern und westl. Europa versteht.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 34Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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