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GeschichteBrockhaus 1882

Abraham, in der frühern Periode seines Lebens Abram genannt, der Stammvater des israel. Volks, Sohn des Therah, von Sem, dem Sohne Noahs stammend, war aus Ur in Mesopotamien seinon Auf Jahves besondern Befehl verließ seinen Vater, der sich zu Haran (Karrhä) niedergelassen hatte, und zog mit seinem Weibe Sarah und seines Bruders Sohne Lot in das ihm und seinen Nachkommen verheißene Land Kanaan. fano nomadisierte er in inischen Distrikten neben kanaanitischen und philistäischen Stämmen, dem Jahve Altäre erbauend. Infolge einer Hungersnot wanderte er nach Agypten, — aber bald zu Wegen — Weideplätzen in Kanaan zurück. egen er wiederholten Streitigkeiten zwischen seinen und Lots Hirten trennten sich beide; A. blieb in Kanaan, Lot aber wandte sich 4 Jordan hin und ließ sich in Sodom nieder. Als die Einwohner dieser Stadt von ihren Feinden geschlagen wurden und diese auch Lot und seine Familie gefangen weg-Penette verfolgte sie A. mit seinen Knechten und befreite nicht nur Lot, sondern auch den König von „Sodom, ohne jedoch etwas von der Beute zu berühren. In seinem 86. Jahre gebar dem A. eine shien ihm d, Hagar, den Ismael. Später erschien ihm 1 schloß mit ihm einen formlichen Bund, als dessen äußeres Zeichen die Beschneidung eingesetzt wurde, und verhieß ihm die Geburt eines Sohnes von der Sarah. Von da an änderte er seinen Namen Abram (Vater der Erhabenheit, der Erhabene) in Abraham, d. h. Vater der Menge oder einer zahllosen Nachkommenschaft. A. wanderte dann weiter südwärts nach Gerar, wo der philistäische König Abimelech (s. d.) ihm die Sarah raubte, aber bald mit reichen Ehrengeschenken zurückstellte. In seinem 100. Lebensjahre ward A. von Sarah der Sohn Isaak geboren, was die Verstoßung Ismaels mit seiner Mutter Hagar zur Folge hatte. Ismael, nach Südosten wandernd, wurde der Stammvater der Ismaeliten (Araber). Um As Gehorsam zu prüfen, befahl ihm Jahve, den Isaak auf dem Berge Morija zu opfern. A. unterwarf sich dem göttlichen Befehle; doch rettete ahve den Knaben. Bald darauf starb Sarah in ebron im südl. Kanaan, und A. kaufte von den Ralubr des Landes für 400 Sekel Silbers die Höhle akphela nebst Gebiet als Begräbnisstätte für sie. A. verheiratete sich darauf wieder mit Kethura, von der er sechs Söhne erhielt, die, mit Geschenken aus dem väterlichen Hause entlassen, die Stammväter arab. Völkerschaften wurden. Nach Isaaks Vermählung mit Rebekka starb A., angeblich 175 J. alt, und wurde neben Sarah in der Höhle zu Makphela begraben. Die mosaischen Urkunden (1 Mos. 12—25) schildern A. als einen durchaus schlichten, redlichen, mit unerschütterlicher Treue seinem Gott zugethanen Mann, der sich daher des Vertrauens und der Liebe Jahves in vorzüglichem Grade zu erfreuen hatte, und knüpfen an eine Person den Ursprung des Jahve-Kultus und somit der israel. Theokratie. Aber eben damit verraten sich diese Berichte als sagenhaft und unhistorisch; denn der Gottesname Jahve wurde erst dem Moses offenbar (2 Mos. 3, s), auf den auch die Stiftung des Rber Religionsstaats geschichtlich zurückzuführen ist. berhaupt hat das Bild A.s, schon 05 die Zeit des Alten und auch wieder des Neuen Testaments, vorwiegend nur eine kulturgeschichtliche Bedeutung als Ur⸗ und Vorbild wahrer Religiosität und Sittlichkeit. Die spätere Tradition legte dem A. umfassende astron. und philos. Gelehrsamkeit bei, die Erfindung der Buchstabenschrift, die Traumdeutekunst u. s. w. Er wird selbst als im Paradies bevorrechtet geschildert, wo er die Guten und Gerechten wie ein liebender Vater in seinen Schoß aufnimmt (Luc. 16, 22). Auch den Mohammedanern ilt A. als heiie und heißt der Freund Gottes, 0ll auch die heilige Kaaba (s. d.) in Mekka erbaut Reond In der christl. Kunst ist die Gestalt A.s, esonders aber seine Opferung Isaaks, eine symbolisch feststehende Figur geworden. Diese Opferung wurde mehrfach in den Mysterien des Mittelalters verwendet, sowie in Skulpturen und Glasemälden häufig an Kirchen dargestellt. Neuere elehrte haben A. mit Zoroaster und Brahma zu-Ie Abrabam: Kritisch-historisch beleuchtet wird ie Abraham-Mythe in Geigers Urschrift und Übersetzungen der Bibel in ihrer Abhängigkeit von der innern Entwickelung des Judentums v (Bresl. 1857), in Hitzigs „Geschichte des Volks Israelv Epz. 1869) und in Bernsteins Ursprung der Sagen von A., Isaak und Jakobo (Berl. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 64Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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