Hethiter oder Hittiter, eins der Völker Kanaans, welche von den aus Agypten kommenden Israeliten unterworfen wurden; das gleiche Schicksal hatten die Heviter, Phereziter, Jebusiter, Girgisiter, Kenisiter und Amoriter. Alle diese Völker lebten in den mittlern gebirgigen Teilen Palästinas, während die Kanaaniter (d. i. Niederländer) die Ebenen des westl. Landes bewohnten. Mit der zunehmenden Macht des jüd. Volks verschwinden jene Völker nach und nach, und es wird noch einmal erwähnt, daß Salomo die H. und andere, wahrscheinlich die letzten selbständigen Reste derselben, endgültig unterworfen habe (1 Kön. 9, 20; 2 Chron. 8, 7). Die berühmteste Stadt der H. war Hebron (s. d.). Aus Jos. 1, 4 geht hervor, daß die H. das eigentlich gebietende Volk gewesen sind, und die ägypt. und assyr. Inschriften ergeben, daß die in der Bibel erwähnten H. nur die am weitesten südlich wohnenden und wahrscheinlich durch Aramäer von der übrigen Bevölkerung getrennten Angehörigen eines mächtigen Reichs waren, welches anz Syrien umfaßte und durch den Euphrat von Assyrien getrennt wurde. Die ägypt. Pharaonen haben weit ausführlichere Nachrichten als die Bibel über die H., von ihnen Cheta genannt, hinterlassen. Ramses I. schloß einen Vertrag mit Seplulu, König der H., und Ramses II. (14. Jahrh.), führt Krieg mit einer Konföderation syr. Völker, an deren Spitze die Cheta stehen. Eine große Schlacht bei Kedesch gewann der Pharao und eroberte die Festung Kedesch. Sie lag in einem künstlichen See, der vom Orontes gespeist wurde und noch jetzt in der Nähe von Homs vorhanden ist. Diese Schlacht war der Gegenstand eines epischen Gedichts des Pentaur, welches in dem Sallierschen Papyrus und an den Wänden von Karnak, Luksor, Abusimbel und Beit-el-Walli in Nubien und am sog. Ramesseum im Westen Thebens erhalten und von bildlichen Darstellungen begleitet ist. Es folgte ein Friedensschluß zwischen Ramses II. und Chetasir, dessen Wortlaut auf Seiten der H. durch den Schreiber Chirepsar auf eine Silberplatte graviert wurde und dessen ägypt. Fassung (Lepsius, « Denkmälero, Abteil. III, Bl. 146) unter andern von Brugsch in seiner 4Geschichte Agyptens » übersetzt ist, und der Pharao vermählte sich mit der hethitischen Königstochter (abgebildet im Tempel von Abusimbel; Lepsius, «Denkmäler », Abteil. III, Bl. 196). In assyr. Inschriften erscheinen bereits unter Sargon I. (19. Jahrh.) die Chatti als gefürchtete Macht, sodaß die Inschriften ganz Syrien mit ihrem Namen Chatti benennen. Die erste Stadt, welche die assyr. Kriegszüge berühren, ist Karchemisch, an der Stelle gelegen, wo heute die Ruinen von Dscheräbis am Euphrat liegen. Hier haben die Engländer in neuester Zeit Ausgrabungen veranstaltet und ein hethitisches Königsbild und andere Skulpturen entdeckt, welche für die Geschichte der H. von größter Wichtigkeit geworden sind, indem sie über eine ganze Reihe von bisher ihrem Ursprung nach dunkeln Kunstwerken Licht verbreiten halfen.