FeedAchenbach (Heinr.)
GeschichteBrockhaus 1882

Achenbach (Heinr.), preuß. Staatsmann, stammt aus einer alten evang. Familie, die seit boren 25.3 im Fürstentum Siegen ansässig ist. Geboren 23. Nov. 1829 zu Saarbrücken, besuchte er die Realschule zu Siegen, sowie Herin das Archigymnasium zu Soest, stubierte in Berlin und Bonn Jurisprudenz, trat w1851 als Auskultator bei dem Kreisgericht zu Siegen in den Staatsdienst, war dann Referendar bei dem Appellationsgericht zu Arnsberg und wurde 1856 Assessor bei dem Kreisgericht zu Siegen. Als A. 1858 als Justitiar an das Oberbergamt zu Bonn versetzt wurde, habilitierte er sich gleichzeitig an der dortigen Universität als Privatdocent für deutsches Recht, erhielt 1860 eine außerord. Professur, wurde auch Mitglied des Spruchkollegiums und später zum Oberbergrat ernannt. In dieser Zeit veröffentlichte er:«Die Bergpolizeivorschriften des rßein. Hauptbergdistrikts » (Köln 1859), «Die inn rian der Distriktsverleihungen in Preußen »(Köln 1859), (Die Haubergsgenossenschaften des Siegerlandes»(Bonn 1863) und 4Bemerkungen über die Entwürfe eines Hypothekengesetzes und einer Hypothekenordnung für Mrenpend (Bonn 1865); auch wurde er Mitbegründer der Zeitschrift für Bergrechto (Bonn 1860 fg.), an deren Leitung er bis 1873 teilnahm. Im Sommer 1866 wurde A. als Geh. Bergrat und vortragender Rat in das Handelsministerium nach Berlin berufen und 1868 zum Geh. Oberbergrat ernannt, in welcher Stellung er 1869 an der ersten Beratung der Kreisordnung teilnahm. Als Delegierter des Reichskanzleramts, in das er 1870 berufen worden war, vertrat er während der beiden Sessionen von 1871 die Reichsregierung bei den Debatten über das Haftpflichtgesetz, das Rayongesetz und das Reichsbeamtengesetz im Reichstage. Sobald Falk das Portefeuille der geistlichen, Unterrichts⸗ und Medizinalangelegenheiten übernommen hatte, berief er A. als Unterstaatssekretär in sein Ministerium (April 1872). Als solcher war A. einer der Hauptmitarbeiter an den wichtigen kirchenpolit. Gesetzen, die den preuß. Landtag in der Session 1872/73 Eichen Dorod Als im Febr. 1873 die parlamentarischen Verhandlungen über Unregelmäßigkeiten bei Erteilung von Eisenbahnkoncessionen die Niedersetzung einer Spezialuntersuchungskommission zur Folge hatten, wurde A. vom Kaiser zum Mitgliede derselben ernannt, trat dann im April in die neueschaffene Stellung eines Unterstaatssekretärs in bas Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten und übernahm 13. Mai 1878 dieses Portefeuille selbst. Vom 8. Dez. 1873 bis 19. Sept. 1874 war A. auch interimistisch mit dem Portefeuille für landwirtschaftliche Angelegenheiten betraut. Seine parlamentarische Thätigkeit begann A. 1866 im preuß. Abgeordnetenhause, wo er der freikonservativen Partei beitrat, als Vertreter des Wahlkreises Siegen-Wittgenstein, welcher ihn bei den nach wiederholten Beförderungen erfolgten Mandatsniederlegungen stets aufs neue wählte Im Jan. 1874 wurde A. im Wahlkreise Wittgenstein-Siegen-Biedenkopf auch in den Deutschen Reichstag gewählt. Als A. im Herbst 1874 als preuß. Bevollmächtigter zum Bundesrate berufen wurde, legte er verfassungsgemäß sein Mandat für den Reichstag nieder, das fur das preuß.Abgeordnetenhaus behielt er bei. Im Abgeordnetenhause trat er 27. April 1876 energisch für das Bismarcksche Reichseisenbahnprojekt ein. Doch kam er später wegen Leitung des Eisenbahnwesens in Differenzen mit Bismarck und gab seine Entlassung ein. Diese wurde 30. März 1878 angenommen und A. „ Oberpräsidenten der neuerrichteten Provinz Bestpreußen, 1879 Oberpräsidenten von Brandenburg ernannt. A. ist auf staatlichen und parlamentarischen wie auf privaten Gebieten (in der Centralstelle des königl. Kommissars und Militärinspecteurs für die freiwillige Krankenpflege) eine hervorragende Erscheinung. Als Gegner jeder bureaukratischen Beengung und Einschränkung huldigt er vor allem dem Grundsatz, den Kräften des Landes eine möglichst freie Entwickelung zu gönnen. Von seinen spätern Schriften sind noch zu nennen: Das franz. Bergrecht und die Fortbildung desselben durch das preuß. alepe-marttschen Ber⸗ onn 1869), Geschichte der kleve-märkischen Berggesetzgebung und Bergverwaltung bis 18155 (Berl. 1869), Das gemeine deutsche Bergrecht in Verbindung mit dem preuß. Bergrecht u. s. w. (Bd. 1, Bonn 1871). Auch der «Bericht über die uuschen foe der vom Militärinspecteur geleiteten deutschen freiwilligen Krankenpflege während des Kriegs von 1870 — 71 (Berl. 1871) stammt aus A.s Feder. Achene oder Akéene (achaenium) nennt man in der beschreibenden Botanik eine kleine einsamige, nicht aufspringende, trockene Schließfrucht, bei der die dünne, lederartig zähe Fruchtwand dem Samen zwar dicht anliegt, nicht aber mit ihm verwächst. Bei vielen A. liegt der Samen sogar ganz t in der Fruchthöhle, wie z. B. bei den Korbblütlern (Compositae), wo der Scheitel der Frucht häufig von dem vergrößerten, aus Schuppen, Borsten oder Haaren gebildeten Kelche (dem sog. Pappus oder Haarkrone) gekrönt ist, welcher dann zur Verbreitung der A. durch den Wind, also als Flugorgan dient. Von vielen Botanikern wird jede aus einem unterständigen Fruchtknoten hervorgegangene .½ als A. bezeichnet, welche eine trockene, ziemich gleichartige, häutige, lederartige oder harte Fruchtschale besitzt und nicht aufspringt. Je nach der Zahl der Fruchtknoten können aus einer Blüte eine (Compositen) oder mehrere (Rosaceen, Ranunkulaceen) A. hervorgehen. Meist enthält die A. nur einen einzigen Samen, der bei den echten A. frei oder leicht lösbar in der Fruchtschale liegt, bei den den A. im weitern Sinne gehörenden Schalfrüchtschen oder Karyopsen aber mit der Fruchtwand verwachsen ist (Gräser). an. Sows, in Nordtirol, Bezirkshauptmannschaft Schwaz, der größte und schönste See in Deutschtirol und unter den größern Alpenseen der Ceelardpig (930 m), zwischen dem Raben⸗ und Seekarspitz im W. und den Hängen des Unutz Kögl⸗, Spiel⸗ und Kotalpenjochs im O., die sich über 2000 m erheben und teilweise steil abfallen, eingebettet, ist 8 Em lang, 1—2 km breit, bis 584 m tief, und zeigt die herrlichste Bläue. Von Jenbach im Juntha (Station der Nordtiroler Staatsbahn) aus führt an seinem östl. Ufer eine oft in Felsen gesprengte und auf in den See eingerammten Pfählen ruhende Straße vorbei und weiter über den Achenpaß nach Kreut, Tegernsee und nach München. An der südl. Ostseite des Sees liegt Buchau, auf einem in den See ragenden Vorsprung der der Sängerfamilie Rainer Schota Seehof am Nordende das Gasthaus der Scholastica(na der frühern Besitzerin, Scholastica Meßner, gest. im Jan. 1881, so genannt), das sich in neuester Zeit zu einem kleinen Dörfchen mit Kirche ausgebreitet hat, und Maiers Hotel, am südwestl. Ufer Pertisau mit der dem Benediktinerstift Viecht gehörigen Wirtschaft Fürstenhaus. Der A. ist in neuerer Zeit einer der beliebtesten Sommerfrischorte der Alpen geworden. Der nördl. Abfluß des Sees, die Achen, das Achenthal durchfließend über Achenkirchen und Achenwald (Gemeinde Achenthal, 967 C.), wendet sich vor dem Achenpaß nach Westen und mündet als Walchen unweit Fall in die Isar. Vgl. Ruf, «Chronik von Achenthalo (Innsbr. 1865); „Der A. mit dem Seebad Pertisaub (Wien 1868).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 104Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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