FeedAdoönis
Sagen & MythenBrockhaus 1882

Adoönis war nach der Sage ein Sohn des Assyrers oder Phöniziers Theias oder des aus Syrien stammenden Gründers von Paphos auf lener Kinyras, den dieser, ohne es zu wif en, mit seiner eigenen, zu ihm auf Anstiften der Ap rodite in Liebe entbrannten Tochter Myrrha oder Smyrna ne und hatte. Als der Vater das Verbrechen entdeckte und im Begriff stand, die Tochter zu töten, verwandelten die Götter sie in einen Myrrhenbaum. Nach 10 Monaten sprang der Baum auf, und es ging aus ihm der neugeborene A. — 1. den Aphrodite wegen seiner Schönheit sogleich liebgewann und insgeheim der Persephone übergab. Da letztere ihn später nicht zurückgeben wollte, wandte sich Aphrodite an Zeus, der den Streit dahin entschied, daß A. den dritten Teil des Jahres bei der Aphrodite, ein zweites Dritteil bei Rhalle er irer leben sollte; über das letzte Dritteil solle er frei verfügen können. Später starb A., von einem Eber bei der Jagd verwundet. Nach einer andern Version der Sage entstand der Streit der beiden Göttinnen erst, nachdem A. in schönster Jugend vom Eber getötet war. Aus dem Blute des A. erwuchs die Rose oder Anemone. Diese von den griech. Dichtern vielfach umgebildete und ausgeschmückte Sage sowie der Adonis-Kultus sind phöniz.⸗syr. Ursprungs, wie die Sage selbst andeutet und schon der Name bekundet, der Herr bedeutet. Namentlich wurde A. als Naturgottheit in Byblos und dessen Umgebung sowie auf Cypern verehrt. Von dort aus gelangte der Kultus zu den Griechen, die den A. in einen Halbgott verwandelten und den asiat. Mythus in jene poetische Sage umgestalteten. Der Kultus selbst blieb 5— den Grundzügen nach in Griechenland derselbe. Die Adonisfeier (Adonia), welche sich besonders auf den von der Aphrodite betrauerten Tod des schönen Jünglings bezog, wurde alljährlich meist im Hochsommer (Juli) oder im Frühling begangen. Die Feier bestand aus zwei Teilen: einem Trauerfeste, das sich auf den Abgang des A. nach der Unterwelt, und einem Freudenfeste, das sich auf seine Rückkehr zur Aphrodite bezog. In Byblos, wo die Adonien mit großem Pomp vor sich gingen beklagte man zuerst den A. als Verstorbenen durch Iem undall seines Bildes unter düstern Klaggesängen und allen Gebräuchen eines Leichenbegängnisses. Hierauf folgte ein Freudenfest, das der Wiederkehr des A. aus der Unterwelt gewidmet war. In Griechenland, besonders zu Athen, wo die Feier vorzugsweise von den Frauen begangen wurde, war sie einfacher; doch fehlten auch hier nicht die Ausstellung des Leichnams und die heftigen Klagen der Frauen. Außerdem spielten bei derselben die sog. Adonisgärten eine Rolle. Es waren dies irdene Gefäße oder Körbe mit Erde gefüllt, in denen man zarte Pflanzen in wenigen Tagen trieb, die man nach deren raschem Verwelken ins Wasser warf. Man wollte damit die vergängliche Blüte des Jahres und des Lebens, wie sie in der Geschichte des A. veranschäulicht ist, andeuten. Die Feier der Adonien an dem Hofe von Alexandria, wo im Hochsommer zuerst der jugendlich schöne A. verherrlicht, dann sein Tod, aber mit der Hoffnung auf seine Wiederkehr, sinnbildlich dargestellt und beklagt wurde, wird von Theokrit in einem reizenden Gedichte, den Adoniazusendo 1065 9696 Der Adoniskultus ist aus dem Wechsel des Lebens der Natur hervorgegangen, die alljährlich mit den Strahlen der Frühlingssonne aufzuleben, unter der Gluthitze des Sommers (im Orient) und im Winter hinzuwelken, zu ersterben schien. Es spricht sich in ihm der Schmerz über die hingestorbene Schönheit der Natur, zugleich aber auch die Hoffnung auf ihr Wiedererwachen aus. Es gibt Darstellungen des verwundeten A. in einer Statue, in einem schönen Relief aus Marmor und in einigen Terrakotten, einzeln sowie in Gruppen; außerdem ist die Sage vom A. und die Adonisfeier durch manche schöne Kompositionen auf Wandgemälden, Spiegeln und Sarkophagen, sowie * auf einigen Vasen verewigt. Vgl. O. Jahn, Archäol. Beiträge (Berl. 1847); Brugsch, „Die Adonisklage und das Linosliedo (Berl. 1852); Mannhardt, «Antike Wald⸗ und Feldkulte aus nordeurop. Üüberlieferung erläutert (Berl. 1877). In belbend auf die strahlende Schönheit, die man dem Ä. beilegte, gebrauchten auch schon die en Man den Namen als 7. 0 für einen schönen Mann.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 157Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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