FeedAdolf (Wilh. Aug. Karl Friedr.)
GeschichteBrockhaus 1882

Adolf (Wilh. Aug. Karl Friedr.), Herzog von Nassau, geb. 24. Juli 1817 zu Weilburg an der Lahn als der älteste Sohn des Herzogs Wilhelm J. aus dessen erster Ehe mit Luise, Tochter des Herzogs Friedrich von Sachsen-Hildburghausen, studierte in Wien und succedierte 20. Aug. 1839 seinem Vater. Am 31. Jan. 1844 vermählte sich der junge Michael mit Clisabeth, Tochter des Großfürsten Michael von Rußland, die aber schon am 28. Jan. 1845 an den Folgen einer Entbindung starb. Am 23. April 1851 schloß A. eine zweite Ehe mit Adelheid, Tochter des Prinzen Friedrich von Dessau. In seinen Regierungs H bewies sich der Herzog dem polit. Forts itt stets wenig geneigt, und mancherlei alte Mißstände des Landes führten im März 1848 zu einer Bauern-Azente 21 zu der sich dann die eigentlich politische gesellte. A. benahm sich in dieser kritischen Zeit klug und energisch und machte die unvermeidlichen Zugetandnisse, sodaß die Revolution ohne Blutverießen verlief. Im Kriege gegen Dänemark befehigte er 1849 eine Brigade deutscher Truppen. Nach Niedergang der deutschen Bewegung wandte sich A. einer entschiedenen Reaktionspolitik zu (s. Nassau), trat zwar im Juni 1849 dem Dreikönigsbündnisse bei, verließ aber später die preuß. Richtung, ging sodann in den deutschen Angelegenheiten mit der österr. Politik und hielt namentlich im Frühjahr 1866 entschieden zu Osterreich. Er verfügte schon 4. Mai die Mobilisierung seines Kontingents, obschon die Stände die Mittel noch nicht bewilligt hatten; seine Trappen (4000 Mann) standen bei dem 8. Bundesarmeekorps unter dem Prinzen Alexrander von Hessen. Bereits nach dem Gefecht von Aschaffenburg (14. Juli) verließ der Herzog seine Residenz und wandte sich nach Mainz dann nach Augsburg, eine Proklamation hinterlassend, in der er baldige Rückkehr versprach. Später ging er nach Paris, von da in die Schweiz, kehrte aber bald wieder nach Deutschland zurück und lebt in neuerer Zeit meist in Wien. Nachdem Nassau durch Gesetz vom 20. Sept. 1866 der preuß. Monarchie einverleibt war, begannen lange Verhandlungen zwischen Preußen und dem deposs edierten Herzog ween der nassauischen Domänen, welche A. sämtich als sein Eigentum beanspruchte. Endlich kam der Vertrag vom 22. Sept. 1867 zu Stande, wonach der Herzog eine bare Abfindungssumme von 8½ Mill. Thlrn. erhielt. Bei Ausbruch des Deuts ch-Französischen Kriegs von 1870 soll der depossedierte Herrog Anerbietungen von Napoleon III. erhalten, aber Kals deutscher Fürst o entschieden von sich gewiesen haben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 157Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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