Adria, Atria, auch Hatria oder Hadria, im Altertum eine Stadt in Oberitalien, welche an der Küste des nach ihr benannten Adriatischen Meeres zwischen den Mündungen des Padus (Po) und der Athesis (Etsch) bei den Fossae Philistinae lag, vielleicht von Umbrern gegründet, dann im Besitz der Etrusker, frühe auch von Griechen bewohnt und um 387 v. Chr. von Syrakus aus kolonisiert, in späterer Zeit als röm. Municipium trotz seines altberühmten Hafens ohne größere Bedeutung. Ein anderes Hatria oder Hadria, das heutige Atri(s. d.), lag in Picenum. — Die gegenwärtige Stadt A., auch A. Veneta genannt, auf den Trümmern der alten erbaut und zur ital. Provinz Rovigo gehörig, liegt (da sich hier die Küste seit dem Altertum bedeutend gehoben) 22 EKm vom Meere, am Canale-Bianco und an der Zweigbahn Legnago-A. der Oberitalienischen Eisenbahn, hat (1871) 7169 (Gemeinde 14 138) E. und ist Sitz eines Bischofs. Hervorzuheben sind die Kathedrale und das schöne Rathaus. Auch besteht daselbst ein bischöfl. Gymnasium, Fabrikation von Steingut und Leder, Handel mit Getreide, Pferden, Mastvieh, Fischen und Erdgeschirr. Der in der Umgebung gewonnene Wein war ehemals berühmt. In der Stadt selbst wie in der Nachbarschaft werden viele Altertümer aus etrusk. und röm. Zeit gefunden. Vgl. De Lardi, Indicazioni storico-archeologico-artistiche intorno la città di A. (Vened. 1851); Bocchi, Della sede episcopale di A. venetas (Vened. 1858); derselbe, LL'importanza di A. antica la veneta (Loreo 1870).